Ärzte dürfen weiter langärmlige Kittel tragen

St.-Elisabeth-Krankenhaus

Der Klinikkonzern Asklepios führt in seinen bundesweit rund 100 Einrichtungen kurzärmlige Kleidung für Ärzte ein. Damit reagiere man auf die Sorge der Patienten vor einer Ansteckung mit multiresistenten Keimen, so der Konzern. Im St.-Elisabeth-Krankenhaus ist Hygiene auch oberstes Gebot. Auf die langen Kittel verzichten werden die Ärzte hier aber nicht.

DORSTEN

, 10.02.2016, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ärztlicher Direktor Wilhelm Gross-Weege und Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller setzen auf die Desinfektion der Hände.

Ärztlicher Direktor Wilhelm Gross-Weege und Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller setzen auf die Desinfektion der Hände.

Der ärztliche Direktor und hygienebeauftragter Arzt des Krankenhauses, Wilhelm Gross-Weege, hält diesen Verzicht nicht für notwendig. „Es gibt keine Arbeit, die die Übertragung von Keimen des Arztkittels auf den Patienten belegt“, sagt er und beruft sich dabei auch auf eine Bekanntmachung des Robert-Koch-Institutes (RKI).

Darin wird eine Studie zitiert, die die Arbeitskleidung von Ärzten untersucht hat. Auf 63 Prozent der Proben wurden zwar potenziell krankmachende Bakterien nachgewiesen, aber Erreger mit speziellen Antibiotikaresistenzen wurden nur in sechs Prozent der Proben gefunden. Bewiesen sei zudem nicht, dass dadurch andere Patienten angesteckt worden seien, heißt es in der Mitteilung. Die vorliegenden Daten reichten dem RKI für eine Empfehlung nicht aus.

Kittel steht für die Rolle

„Sobald sich das ändert und das RKI eine Empfehlung ausspricht, halten wir als Krankenhaus uns daran“, sagt Gross-Wege. Solange werde er weiterhin seinen langärmligen weißen Kittel nur ablegen, wenn er direkt im Kontakt mit den Patienten stehe. Er trägt den Kittel nicht nur der Tradition wegen gern. „Wenn ich den Kittel trage, sehen die Patienten in mir die Rolle des Arztes und erzählen mir Dinge, die sie sonst einem Fremden wohl eher nicht erzählen würden.“

Der Arzt hält es für falsch, durch die Kittel-Diskussion den Fokus von dem zu nehmen, was bewiesenermaßen Krankheiten überträgt: von den Händen. „Die sind das A und O. Wenn die Desinfektion der Hände optimal läuft – und das ist mühsam genug – können wir uns gerne mit den Kitteln beschäftigen.“

„Sehr gute Handhygiene“

Für eine richtige Handhygiene setze sich das Krankenhaus massiv ein. „Wir haben Hygienebeauftragte auf jeder Station, schulen die Mitarbeiter fortlaufend und überall hängen Desinfektionsspender“, sagt Pflegedirektorin Hiltrud Hachmöller.

Um zu kontrollieren, ob diese Sensibilisierung erfolgreich ist, erfasst das Krankenhaus – ebenso wie andere Kliniken – den Verbrauch der Desinfektionsflüssigkeit und übermittelt ihn an eine bundesweite Erfassungsstelle. „Der Verbrauch steigt stetig und betätigt uns eine sehr gute Händehygiene“, sagt Hiltrud Hachmöller.  

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