Alle Haltestellen barrierefrei bis 2022? Eher nein!

Personenbeförderungsgesetz

Noch bleiben knapp sieben Jahre Zeit. Dann - Stichtag: 1. Januar 2022 - müssen alle Bushaltestellen barrierefrei sein. So will es zumindest das Personenbeförderungsgesetz des Bundes, das Anfang 2013 in Kraft trat. 390 Haltestellenpositionen betrifft das in Dorsten. Ob das machbar ist? "Höchst fraglich", sagt die Stadt.

DORSTEN

05.08.2015 / Lesedauer: 3 min
Alle Haltestellen barrierefrei bis 2022? Eher nein!

Foto: Bludau - 26.10.2010 - Dorsten Eine Spezialfirma für Farbbahnmarkierung sorgt derzeit dafür, dass die erst kürzlich umgebauten Bushaltestellen in Wulfen und Barkenberg mit dem Schriftzug ?BUS? auf der Fahrbahn versehen werden. Mit Hilfe einer Spezialmaschine wird die rund 200 Grad heiße Weiße Farbe auf den Asphalt aufgebracht und sofort mit kleinen reflektierenden Glaskugeln bestreut. Da, wo der Straßenbelag vor einer Bushaltestelle defekt ist, werden zunächst keine Markierungsarbeiten vorgenommen. Hier soll zunächst der defekte Straßenbelag ausgebessert werden.

Aktuell seien rund die Hälfte der Haltestellenpositionen bereits ausgebaut, sagt Ludger Böhne, Pressesprecher der Stadt. Genauer gesagt 170. In Wulfen und Barkenberg ist man „fertig“. Dort wurde in Sachen Barrierefreiheit Anfang 2014 „ein größeres Programm abgeschlossen“.

Die Bordsteinkanten sind nun – wie vorgesehen – 18 Zentimeter hoch, um einen problemlosen Buszugang etwa für Rollstuhlfahrer zu ermöglichen. Im Einstiegsfeld findet man starke Kontraste und taktile – das heißt mit dem Blindenstock erfassbare – Bodenplatten. Und oftmals gibt es auch einen Fahrgastunterstand, Sitzgelegenheiten und eine beleuchtete Vitrine. „Letztere Vorkehrungen sind optional. Da hängt es auch von örtlichen Begebenheiten ab“, betont Böhne.

Stadt: "Es wird noch viel diskutiert werden."

Umgebaut werden müssen in den kommenden sieben Jahren somit noch 220 Haltestellenpositionen. Eigentlich. „Ob das jedoch klappt, ist höchst fraglich“, betont der Stadtsprecher: „Das ist kein spezielles Dorstener Problem, sondern das betrifft viele Kommunen. Da wird noch viel diskutiert werden.“

Das Hauptproblem? Die Finanzierung. Zwar ist der Umbau der Haltestellen stark bezuschusst, aber auch die kommunalen Kassen werden belastet. Je 10 000 Euro für Tiefbau und Ausstattung gibt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) dazu – eine 90-Prozent-Finanzierung. Für die Stadt bleiben somit im Schnitt pro Haltestelle Kosten von gut 2200 Euro. „Die 170 Haltestellen, die bereits umgebaut wurden, sind Ergebnis eines Prozesses seit den 90er-Jahren. Den Rest in sieben Jahren – das ist schwer vorstellbar, auch bei der Finanzsituation“, sagt Böhne.

Neuer Nahverkehrsplan

Umgebaut wird von der Stadt grundsätzlich, wenn an den betreffenden Stellen ohnehin Straßenbauarbeiten stattfinden. Wie sonst vorgegangen wird? „Durch den Kreis kommt bald eine weitere Systematik hinzu“, so Böhne. Dieser erstellt nämlich derzeit, wie Sprecherin Andrea Tamfal bestätigt, ein Haltestellenkataster.

Auf dessen Grundlage soll wiederum bis Ende 2016 ein neuer Nahverkehrsplan entstehen. Darin könnten dann auch Haltestellen auftauchen, die bis 2022 nicht umgebaut werden müssen. Denn das Bundesgesetz lässt die Möglichkeit für Ausnahmen – sofern diese „konkret benannt und begründet werden“.

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