Alles nur Hysterie? Das sagen Arzt, Apotheke und Krankenhaus zur aktuellen Virus-Gefahr

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Die einen schieben Panik, die anderen sind eher enstpannt. Das neuartige Corona-Virus spaltet derzeit die Nation. Dorstens Apotheken warten derweil auf neue Atemschutzmasken.

Dorsten

, 02.02.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Corona-Virus greift um sich, nicht nur in China. In Deutschland gibt es bereits ein paar Fälle. Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken bereiten sich auf das Virus vor. Atemschutzmasken werden immer gefragter. Auch in Dorstens Apotheken sind sie mittlerweile rar gesät. Dabei ist es laut Robert-Koch-Institut nicht wissenschaftlich belegt, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit das eigene Risiko einer Ansteckung signifikant verringert.

Sinnvoll sei es, wenn Personen, die an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankt sind, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Für einen optimalen Schutz muss der Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzen.

Lange Wartezeiten bei Atemschutzmasken

In der Elisana-Apotheke in der Dorstener City wird auf Nachschub von Schutzmasken gewartet. Apothekerin Nicole Fimpler sagt: „Wir sind, was Atemschutzmasken angeht, total leer gekauft.“ Die Lieferzeit dafür betrage ein bis zwei Monate.

Panikmache sei aber nicht angebracht, findet Nicole Fimpler. Gefährdet seien überwiegend Kinder und ältere Menschen. Sie sollten Menschenmassen meiden. Bei Menschen, die andere Menschen pflegen, mache ein Mundschutz Sinn, findet Nicole Fimpler. Viel wichtiger als dieser sei aber eine vernünftige Handhygiene.

Auch der Hausärzteverband sieht keinen Grund für Panikmache. Anke Richter-Scheer ist Vorsitzende des Hausärzteverbandes Lippe und sagt: „Hier gelten die gleichen Vorsichts- und Schutzmaßnahmen wie bei allen hochansteckenden Viruserkrankungen.“

Dorstener Krankenhaus ist auf Corona-Virus vorbereitet

Bei einem Verdachtsfall wird der Patient im St.-Elisabeth-Krankenhaus umgehend isoliert. Dafür gebe es eine sehr gut ausgestattete Isolierabteilung. Die sechs Isolierzimmer haben alle eine zusätzliche Schleuse. „Ein Überdruck-/Unterdrucksystem bietet einen optimalen Infektionsschutz“, heißt es von Dr. Hermann Thomas, Chefarzt der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord.

Im Dorstener Krankenhaus werden Schutzmasken mit erhöhtem Schutzfaktor (FFP2) und Ausatmeventil genutzt. Bei starker Exposition werden auch FFP3-Masken genutzt. Die aktuelle Sterberate liege bei rund 2,1 Prozent, was im Vergleich zur SARS-Infektion von 2002/2003 deutlich geringer sei.

Alles nur Hysterie? Das sagen Arzt, Apotheke und Krankenhaus zur aktuellen Virus-Gefahr

„Ein Überdruck-/Unterdrucksystem bietet einen optimalen Infektionsschutz“, heißt es von Dr. Hermann Thomas, Chefarzt der Lungenklinik Ruhrgebiet Nord, hier im Schlaflabor der Klinik zu sehen. © KKRN

Wahrscheinlicher sei es, an einer „normalen Grippe“ zu sterben. Bekämpfen könne man beim Corona-Virus nur die Symptome, indem man fiebersenkende Mittel gibt, den Kreislauf medikamentös stabilisiert, Sauerstoff gibt und die Atmung unterstützt. Die Mitarbeiter im Krankenhaus schützen sich mit Schutzkitteln, Handschuhen, Schutzbrille und Mund-Nasenschutz.

Hysterie ist völlig überflüssig

Hausarzt Dr. Jan-Gerrit Voigt aus Dorsten sieht das ähnlich. Ein Befall mit dem neuartigen Virus sei ohne das Einhergehen mit Fieber eher unwahrscheinlich. „Jetzt Hysterie zu verbreiten, ist in meinen Augen ganz falsch“, sagt Jan-Gerrit Voigt. Eine „normale Grippe“ habe eine deutlich höhere Sterberate als eine Erkrankung durch das Corona-Virus.

Alles nur Hysterie? Das sagen Arzt, Apotheke und Krankenhaus zur aktuellen Virus-Gefahr

„Jetzt Hysterie zu verbreiten, ist in meinen Augen ganz falsch“, sagt Hausarzt Jan-Gerrit Voigt. © Manuela Hollstegge (A)

„Die Fälle der Erkrankten insgesamt sind eher gering. Selbst bei 2000 Fällen in China bei einer Bevölkerungszahl von 1,5 Milliarden sind es immer noch wenige Fälle“, sagt der Hausarzt. Das Risiko, sich bei uns ins Deutschland noch anzustecken, werde außerdem immer geringer, da in China alles abgeschottet wird. Besondere Schutzmaßnahmen werden in der Gemeinschafts-Praxis von Jan-Gerrit Voigt und Markus Finke nicht vorgenommen.

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Es gibt den ersten Verdachtsfall auf das Coronavirus im Kreis Unna. Der Mann befindet sich seit Donnerstag im St.-Marien-Hospital in Lünen und ist isoliert. Er war beruflich in China unterwegs.

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