Bauherr lässt Bäume für neue Häuser am Kanal fällen: Dorstenerin versucht das zu stoppen

rnAm Marina-Hafen

Eine Dorstenerin hat am Montagmorgen versucht, Baumfällarbeiten auf einem Innenstadt-Grundstück am Kanal zu stoppen. Der Bauherr verbat sich die Einmischung. Es kam zum Streit.

Dorsten

, 03.02.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sägegeräusche und das Röhren eines Baggers alarmierten am Montagmorgen eine Dorstenerin, die in der Nähe des Marina-Hafens wohnt. Die Frau ging dem Lärm nach und war nach eigenen Angaben entsetzt, als sie neben dem Neubaugebiet der Caritas die Geräuschquelle ausmachen konnte: „Hier werden gerade die letzten Bäume gefällt, die vom Wäldchen noch übrig geblieben sind“, sagte sie uns.

Ihre Versuche, die Fällaktion eigenhändig zu stoppen und den Bauherren dazu zu bewegen, „erst einmal seine Genehmigungen vorzuzeigen“, seien fehlgeschlagen. „Er hat sich geweigert“, so die Dorstenerin. Sie habe daraufhin versucht, den Bürgermeister zu erreichen. Und auch die Grüne Ratsfrau Susanne Fraund habe sie über die Fällaktion informiert.

Bauherr lässt Bäume für neue Häuser am Kanal fällen: Dorstenerin versucht das zu stoppen

Susanne Fraund und eine Anliegerin stellten ESTA-Geschäftsführer Stefan Völmeke zur Rede. © Claudia Engel

Die Anwohnerin ist entsetzt, dass nun der gesamte Wald auf dem ehemaligen Ölmühlengelände verschwindet, um neuen Häusern Platz zu machen. „Das Wäldchen war einer der letzten Frischluftlieferanten in unserer dicht besiedelten Gegend“, sagt sie und verweist auf die erbitterten Diskussionen, die seinerzeit auch mit der Bauherrin, der Caritas, um den Erhalt der Bäume auf dem Nachbargrundstück geführt worden seien.

Die Caritas habe ihr Bauvorhaben letztlich durchgesetzt. Auf ihrem Grundstück am Kanal wachsen nun sechs Mehrfamilienhäuser mit 60 altengerechten, barrierefreien Wohnungen aus dem Boden.

Grundstück gekauft, Maßnahmen abgestimmt

„Das hier ist ein Privatgrundstück und die Arbeiten sind völlig legal“, sagte Stefan Völmeke, Geschäftsführer der ESTA Grundstücksgesellschaft mit Sitz in Castrop-Rauxel. Sein Unternehmen habe das 3500 Quadratmeter große Grundstück für Investoren am Kanal in unmittelbarer Nachbarschaft der Caritas-Neubauten am Marina-Hafen erworben.

Auf dem freien Grundstück an der neu angelegten Straße „Zum Leinpfad“ will die ESTA acht Einfamilienhäuser mit Dachterrassen in Blickrichtung Kanal bauen lassen. „Modern und stadtnah“, wie der Bauherr sagt. Dafür mussten die Bäume weichen.

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„Wir haben die Wertigkeit der Bäume erfassen lassen, die Forstbehörde des Kreises sei im Bild sowie die Umweltämter des Kreises und der Stadt Dorsten. Es gab keine Einwände, nachdem wir ein ökologisches Gutachten vorgelegt hatten“, sagte Stefan Völmeke. Ausgleichspflanzungen würden nach der Neubebauung des Grundstücks an anderer Stelle vorgenommen.

Einmischung wird nicht geduldet

Die Einmischung Außenstehender wies er strikt zurück: „Wenn jemand unsere Arbeiten behindert oder unser Grundstück betritt, werden wir das konsequent anzeigen.“ Der Castrop-Rauxeler Unternehmer erläuterte, warum er rigoros durchgreifen wolle.

In Castrop-Rauxel hätten sich Baumfreunde und Baugegner an die Bäume angekettet und Bauarbeiten zu verhindern versucht. Wegen solcher Erfahrungen habe er die Baumfällaktion in Dorsten nicht angekündigt.

Maßnahmen wurden abgestimmt

Die Stadt bestätigte auf Anfrage, dass die ESTA nach Baurecht auf ihrem Gelände handele und einzelne Maßnahmen mit den Fachämtern abgestimmt worden seien. Die von der Anliegerin kritisierte Wohnbauverdichtung hält Stefan Völmeke für legitim: „Besser hier als im Außenbereich.“ Zumal moderner Wohnraum in Dorsten in Toplage stark nachgefragt werde. Die Dorstenerin sagte uns: „Es ist ein Trauerspiel, dass das hier genehmigt worden ist.“

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