Archäologen graben Mittelalter-Brunnen aus

Am Nonnenkamp auf der Hardt

Ein für Archäologen ergiebiges Ausgrabungsfeld offenbart sich überraschend am Nonnenkamp auf der Hardt. Das ist ein echter Glücksfall", sagt Grabungsleiter Dr. Ingo Pfeffer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Dorsten

, 04.07.2017, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass er bei den Ausgrabungen am Nonnenkamp einen mittelalterlichen Brunnen entdecken würde, überraschte Grabungsleiter Dr. Ingo Pfeffer nicht wirklich. Aber, dass die Holzreste des Brunnens so schön erhalten sind, „das ist ein echter Glücksfall“, stellt der erfahrene Archäologe des LWL fest.

Bebauung am Nonnenkamp geplant

Seit April dieses Jahres ist ein archäologisches Team des Landschaftsverbandes in Vorbereitung auf eine geplante Bebauung damit beschäftigt, die im Boden schlummernden historischen Spuren für die Nachwelt zu sichern (wir berichteten). Nach kleineren, schlecht erhaltenen eisenzeitlichen Siedlungsfunden (ca. 1000 v. Chr.) aus der nunmehr abgeschlossenen Untersuchung der Grabungsfläche 1, legte das Team nun auf Fläche 2 ein lokales „Stück Mittelalter“ frei: „Der hölzerne Brunnen gehört zu einer Siedlung, die aus dem 11./12. Jahrhundert stammt, also aus der Zeit unmittelbar vor der Stadtgründung Dorstens 1251“, erläutert Ingo Pfeffer.

Der Schacht des Brunnens sei mithilfe eines alten Holzfasses befestigt worden, bei dem Deckel und Boden ausgeschlagen waren. „Es ist noch etwa 60 cm hoch und hat einen Durchmesser von ca. 50 cm“, erklärt Pfeffer den guten Zustand des vergänglichen Materials mit dem hoch anstehenden Grundwasser, das eine komplette Verrottung verhindert habe.

Nach Münster transportiert

Eine Eisenplatte drunter geschoben, und eine extra angefertigte Holzkiste darüber gestülpt – so wurde das spektakuläre Fundstück in einem Block geborgen und ins Magazin der LWL-Archäologie nach Münster transportiert. Ein ähnliches, fest umschnürtes „Paket“ wartete auch gestern Nachmittag neben der „Baubude“ auf seinen Abtransport: „Da steckt der zweite Brunnen drin, den wir geborgen haben“, erklärt der Grabungsleiter. Die Brunnenfassung von Numero 2 sei aus einem kompletten Baumstamm gearbeitet und in den Boden eingelassen worden.

Vielversprechende Aufschlüsse erwarten die Archäologen auch von den Untersuchungen der Materialien, mit denen die Brunnen und Gruben verfüllt wurden, wenn man sie nicht mehr brauchte. Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Keramikscherben von Gefäßen, die in Pappkartons gelagert auf genaue Analyse warten. „Dabei handelt es sich um einfache Kugeltöpfe, aber auch um härter gebrannte, wasserfeste Keramik, die aus dem Rheinland stammt“, analysiert Pfeffer.

Interessant sind auch die organischen Reste, wie Eicheln und kleinste Pflanzenteile. Daraus können die Archäobotaniker Rückschlüsse auf die Ernährung und das Landschaftsbild zur Zeit der Siedlung ziehen. Die Pfostenspuren kennzeichnen das Haupthaus der hochmittelalterlichen Hofstelle. Nebengebäude wie Getreidespeicher oder Grubenhäuser können durchaus noch auftauchen.

Bis in den Herbst graben

„Bis in den Herbst werden wir hier noch graben“, sagt Pfeffer. Danach stehen historische Einordnung und Einbettung in die Lokalgeschichte auf dem Plan. Und welche „Winterarbeit“ auf ihn wartet, das weiß Ingo Pfeffer auch schon heute: „Scherben spülen und in mühseliger Puzzlearbeit zusammensetzen.“

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