Automat mit Sackkarre durch die Nacht gezogen

Bewährungsstrafen für Angeklagte

Eine wahre Räuberpistole beschäftigte am Mittwoch (17.6.) das Dorstener Schöffengericht. Was in der Winternacht 2014 geschah, würde auch eine gute Fernsehkrimi-Handlung abgeben.

Dorsten

, 18.06.2015, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Zwei zugedröhnte Hervester transportieren auf einer Sackkarre einen in einer Holsterhausener Pommesbude erbeuteten Zigarettenautomaten kilometerweit in Richtung Hervest. Plötzlich hält ein Wagen an. Der eine Täter (39) flüchtet, weil er denkt, es sei die Polizei. Der andere (31) versteckt sich zunächst und wartet ab. Er sieht, dass sich die Fahrzeuginsassen an dem Automaten zu schaffen machen - es sind nämlich keine Polizisten, sondern Gelegenheitsdiebe.

Keine Lust, einfach so zu verschwinden

"Ich hatte keine Lust, dass die mit dem Kasten einfach so verschwinden", sagte der 31-Jährige auf der Anklagebank aus. So schlug er dem Duo in dem Auto einen Deal vor: Er würde ihnen helfen, den Automaten von der Eisenbahnbrücke an der Eissporthalle gemeinsam zu Boden zu werfen, um ihn knacken zu können. Die Beute, Dutzende von Zigarettenschachteln und Bargeld im Wert von rund 100 Euro, klaubte sich das Trio anschließend von der Lippewiese auf. Der Automat landete anschließend im Fluss, wo er heute noch zu sehen ist.

39-Jähriger schaute in die Röhre

Der zuvor aus Angst vor der vermeintlichen Polizei geflohene 39-Jährige schaute allerdings in die Röhre: Er wurde von seinem Kumpel nachträglich nicht an der Beute beteiligt. Und so packte er ein paar Monate später gegenüber der Polizei aus. Im Juli 2014 wurde er nämlich bei einem Einbruch in das Paul-Gerhardt-Haus auf frischer Tat ertappt. "Ich wusste da sofort, dass ich ab sofort mein Leben ändern würde", so der Angeklagte. Er machte reinen Tisch und gestand zahlreiche Einbrüche, die er zuvor verübt hatte, um seine Drogensucht finanzieren zu können.

Inzwischen ist er in Therapie, seit einem Jahr clean und hält sich nach eigenen Angaben von der Drogenszene fern. Das Schöffengericht erkannte dies strafmildernd an: Der 39-Jährige kam trotz seines langen Vorstrafenregisters mit zwei Jahren auf Bewährung davon. Und auch die anderen Angeklagten bekamen mehrmonatige Bewährungsstrafen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt