Autor stellt Werk über Hannelore Kohl vor

Biographie

Über das Leben und Leiden von Hannelore Kohl, die sich 2001 das Leben nahm, schrieb Dr. Heribert Schwan. Das Buch "Die Frau an seiner Seite - Leben und Leiden der Hannelore Kohl" stellte er am Dienstagabend im Alten Rathaus in Dorsten vor.

DORSTEN

von Von Sabine Bornemann

, 07.09.2011, 11:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Heribert Schwan stellte sein Werk "Die Frau an seiner Seite - Das Leben und Leiden der Hannelore Kohl" im Alten Rathaus vor.

Dr. Heribert Schwan stellte sein Werk "Die Frau an seiner Seite - Das Leben und Leiden der Hannelore Kohl" im Alten Rathaus vor.

Der Trägerverein Altes Rathaus in Dorsten konnte am Dienstagabend außerhalb seiner regulären Veranstaltungsreihe den Biograf von Hannelore Kohl vorstellen. Der Historiker Dr. Heribert Schwan hat zehn Jahre nach ihrem Selbstmord das Portrait „Die Frau an seiner Seite - Leben und Leiden der Hannelore Kohl“ veröffentlicht, was seither auf den Bestsellerlisten steht.Lichtallergie Bis zu seiner Pensionierung 2009 war Schwan überwiegend im Kulturressort beim WDR und in der ARD tätig. Er hat zahlreiche Fernsehdokumentationen über das Dritte Reich und die Geschichte der beiden Deutschen Staaten gedreht und Bücher über renommierte Politiker geschrieben. Bei der Arbeit an der Biografie von Helmut Kohl in den Jahren 1985 - 89 lernte Heribert Schwan auch Hannelore Kohl kennen. Sie war eigentlich Journalisten gegenüber äußerst reserviert, weil sie in der Presse manchmal sehr schlecht behandelt wurde. Bereits seit 1993 litt Hannelore Kohl an einer Lichtallergie, die psychische Ursachen hatte. Sie konnte weder Sonnenlicht, noch Wärme ertragen und lebte völlig abgeschottet von der Öffentlichkeit. Nach seiner Abwahl 1998 wollte Helmut Kohl Memoiren verfassen und suchte sich dafür ein Team von Mitarbeitern, dessen Kopf Heribert Schwan war. Schwan war damals oft Gast im Hause Kohl und erzählte von Gesprächen im Wintermantel im abgedunkelten Bungalow von Oggersheim.Unzählige Protokolle studiert Hannelore Kohl kannte sein Buch und den Film über den Mann an ihrer Seite und fasste Vertrauen zu ihm: Schwan hält sich an saubere journalistische Regeln, behauptet nichts, was er nicht belegen kann und benennt seine Quellen. Für sein Buch über Helmut Kohl hat er unzählige Protokolle studiert, um zu erfahren, was er denn wirklich gesagt hat. Hinzu kamen viele Gespräche mit Zeitzeugen. Während der Arbeit an den Memoiren ihres Mannes ging Schwan oft nachts mit Hannelore Kohl spazieren und sie erzählte - nicht nur über ihr Leben mit Helmut Kohl, sondern auch über das eigene.Ausbildung abgebrochen Das war ein schweres, aber auch ein typisch deutsches Leben: 1933 hineingeboren in ein nationalsozialistisches Elternhaus wurde Hannelore als 12jährige mehrfach von Russen vergewaltigt. Nach dem Krieg kam für die Fabrikantenfamilie der gesellschaftliche Absturz. Helmut Kohl wurde für Hannelore nach dem Tod des Vaters die wichtigste Stütze. Sie war sehr sprachbegabt, brach aber nach der Hochzeit die Dolmetscherausbildung ab und widmete sich überfürsorglich den beiden Söhnen. Politik mochte sie nicht und hatte vor jeder Wahl Existenzängste."heile Welt" gehasst Die Reisen zum Wolfgangsee, wo die „heile Welt“ inszeniert wurde, hat sie gehasst. Aber sie genoss die intensiven Gespräche mit Mitterant, Chirac, Reagan, Bush und ihren Frauen. Sie konnte ihrem Mann simultan übersetzen. Auch die Arbeit für Menschen mit Hirnverletzungen in der ZMS-Stiftung war ihre völlig eigenständige Arbeit. Doch irgendwann überforderte ihre Krankheit die Familie - Hannelore Kohl wurde schwer depressiv. Am 5.7.2001 nahm sie eine Überdosis Morphium und hinterließ 20 Abschiedsbriefe. 

Lesen Sie jetzt