Caritas baut 65 Wohnungen am Kanal - Mieten sind exklusiv wie die Lage

rnBarrierefreies Wohnen

Die Caritas baut am Kanal auf der Hardt sieben Häuser mit 65 barrierefreien Wohnungen. Der Mietpreis haut einen Interessenten um: „Er ist um 60 Prozent höher als in Dorsten üblich.“

Dorsten, Hardt

, 14.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die barrierefreien Wohnungen der Caritas auf dem Ölmühlengelände am Leinpfad am Kanal sind extrem begehrt. 436 Interessenten haben sich um 65 Wohnungen beworben. Ein Interessent wohnt auf der Hardt. Und ist entrüstet. „Der Mietpreis für die Wohnungen liegt um 60 Prozent über den ortsüblichen Mieten“, sagt der Mann, nachdem er Unterlagen von der Caritas gesichtet hat.

11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter verlange die Caritas, dazu noch die Nebenkosten: „Macht bei einer der größeren Wohnungen von 100 Quadratmetern etwa 1500 Euro“, so der Interessent. „Das ist für Dorstener Verhältnisse sehr teuer. Von der Caritas hätte ich was anderes erwartet“, meint der Mann.

Barrierefreie, rollstuhlgerechte Wohnungen sind selten

Caritas-Geschäftsführer Klaus Schrudde weist die Kritik des Bewerbers zurück und macht klar, dass die Caritas nichts zu verschenken habe. „Der Preis ist für barrierefreies und behinderten- und rollstuhlgerechtes Wohnen sogar noch recht gering“, so Schrudde. Die Wohnungen könnten wegen ihrer hochwertigen und exklusiven Ausstattung sogar weit teurer auf dem Markt angeboten werden und würden trotzdem genommen. Denn: „Solche Wohnungen sind in einer immer älter werdenden Gesellschaft eine absolute Rarität, die Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum ist in Dorsten sehr hoch.“

Extrem niedrige zweite Miete im Neubau

Dass es nun ein für Dorsten recht hoher Mietpreis geworden ist, zirka neun Euro beträgt die Warmmiete pro Quadratmeter für andere Neubauwohnungen auf der Hardt, begründet Klaus Schrudde so: „Die Baukosten sind in den letzten fünf Jahren um 35 Prozent gestiegen. Außerdem sind die Wohnungen nicht nur barrierefrei, sondern haben Dreifachverglasung, eine gute Wärmedämmung, Solarthermie auf den Dächern, Wärmetauscher und verklinkerte Fassaden.“

Jetzt lesen

Das alles führe zu extrem niedrigen Nebenkosten, die sogenannte zweite Miete: „Heizkosten in den kleinen Wohnungen werden sich monatlich auf etwa 25 Euro belaufen und in den großen Wohnungen auf 45 Euro.“

Zwei Wohnungstypen gibt es am Kanal

Zwei Wohnungstypen bietet die Caritas auf dem ehemaligen Ölmühlengelände am Wesel-Datteln-Kanal an. Die kleineren Wohnungen, von denen es 52 geben wird, haben 65 Quadratmeter, die 13 großen 100 Quadratmeter. Dass es nun sogar 65 statt „nur“ 60 Mietwohnungen werden, ist der hohen Nachfrage geschuldet: „Ursprünglich sollten es nur sechs Wohngebäude mit je zehn Wohnungen werden, wir werden jetzt noch ein siebtes halbes errichten mit fünf Wohnungen, da der Bebauungsplan das erlaubt.“ Dass der letzte Baukomplex kleiner ausfällt als seine Vorgänger, hat einen nachvollziehbaren Grund: „Wir wollen den parkähnlichen Charakter des Geländes nicht zerstören.“

Nachdem die Caritas am 3. Juli die Exposes an die 436 Bewerber verschickt hatte, „hatten wir schon zwei Tage später die ersten Rückläufer“, so Schrudde. Von 436 Angeschriebenen haben mehr als 100 schon geantwortet und ihr Interesse trotz der Mietpreise noch einmal bekräftigt. „Dabei endet die Rücksendefrist erst Ende Juli.“

Auswahl trifft ein ehrenamtlicher Vorstand

Gemessen an der positiven Resonanz kann Klaus Schrudde mit der Kritik des Hardters gut leben, auch noch mit fünf oder zwanzig weiteren, die sich am Mietpreis stoßen. „Wer Ahnung hat, wie teuer hochwertiges und barrierefreies Wohnen heutzutage ist, weiß, dass die Mieten noch preiswert sind. Wir könnten auch 15 Euro pro Quadratmeter verlangen.“

Die Auswahl unter den Anwärtern, wer zum Kreis der Mieter gehören wird, die schon Ende 2020 einziehen können, trifft ein ehrenamtlicher Vorstand der Caritas. „Wir wollen, dass aus den Mietern Nachbarn werden und das soziale Gefüge harmonisch ist.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt