Baustelle bremst aus

Wulfen Zementmischer, Baustellenfahrzeuge, provisorische Verkehrsschilder - davon haben die Wulfener Geschäftsleute momentan mehr als genug direkt vor ihrer Nase. Nur die Kunden, die bleiben weg.

05.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tankstellenbesitzer Heinz und Reinhard Stockhoff können von der Baustellen-Misere an der Dülmener Straße ein Liedchen singen. Seit direkt vor ihrer Haustür gebuddelt wird, traut sich kaum noch jemand an die Zapfsäulen.

«Das ist so ein Wirrwarr», stöhnt Juniorchef Reinhard. «Unsere Einfahrt sieht immer anders aus. Die LKWs kommen gar nicht mehr aufs Gelände.» Sie sind einfach zu breit für die schmale Zufahrt. Ganz zu schweigen von den Tanklastzügen, die den Sprit liefern. Die schauen momentan zwar selten vorbei; wenn sie aber kommen, sind komplizierte Rangiermanöver nötig, um ihre Ladung abzupumpen. Auch Otto-Normal-Verbraucher scheuen vor Tank-Stopps bei den Stockhoffs zurück.

Findige Ortskundige wissen genau, wie man die Baustelle umfahren kann, sie kaufen ihren Sprit jetzt einfach woanders. Aber auch Fremde auf Durchfahrt kehren nur noch selten bei der Aral ein - sie denken, die Zapfstelle sei geschlossen. Ein Hinweisschild á la «Wir haben geöffnet» dürfen die Stockhoffs allerdings auch nicht aufstellen. «Die Stadt meint, das ist nicht nötig», ärgert sich Reinhard Stockhoff. Kurz und gut: Den Tankstellenbetreibern bleiben die Kunden weg, die Umsatzeinbußen sind enorm.

Nicht nur die Stockhoffs leiden unter der Riesen-Baustelle, die schon seit drei Monaten den Wulfener Verkehr auf den Kopf stellt. Auch anderen Geschäftsleuten bleibt das Chaos nicht erspart. «Wir mussten schon eine Mitarbeiterin entlassen.» Sigrid Giese und ihr Mann Michael von der Pommesbude sind verzweifelt. «Viele Gesichter, die sonst in der Mittagspause da waren, sieht man jetzt nicht mehr.»

An manchen Tagen fährt das Unternehmer-Ehepaar nur die Hälfte des üblichen Umsatzes ein. «Im Durchschnitt sind es ungefähr 30 Prozent weniger Gäste», klagt Sigrid Giese. Weil die beiden Imbiss-Betreiber sich ihr Personal, zwei Festangestellte und eine Aushilfe, kaum noch leisten können, schieben sie immer häufiger anstrengende Überstunden in ihrer Pommesbude. «Es geht nicht anders, wir leben davon.»

Aushilfen reduziert

Ähnlich wie den Stockhoffs und den Gieses sieht es auch bei Rolf Krewerth vom Gardinengeschäft und Hotelier Bernd Humberg aus. «Die Kunden bleiben weg», ärgert sich Krewerth über die Baustelle vor seinem Laden. «Sie scheuen davor, herzukommen, aus Angst, nicht mehr 'rauszukommen», beschreibt er das Problem und spielt insbesondere auf ältere Leute an, die fürchten, in den Gegenverkehr zu geraten. Auch von dem verwirrenden Schilderwald rund um die Baustelle sind viele überfordert.

Rolf Krewerth spricht seinem Leidensgenossen Bernd Humberg aus der Seele: «Für die Gäste ist es schwer, das Hotel überhaupt zu erreichen. Überall sind jetzt Einbahnstraßen.»

Das Ergebnis: «Wir haben einen gewaltigen Umsatzrückgang, insbesondere im A-la-Carte-Bereich.» Bisher musste der Hotelbesitzer noch niemanden entlassen, aber die Stunden seiner Aushilfen hat er kräftig reduziert.

Immerhin, bei allem Baustellen-Ärger tröstet sich Rolf Krewerth mit einem Blick in die Zukunft: «Wenn alles fertig ist, wird es ja auch wunderschön in Wulfen.» ah

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