Behinderten- und altenfeindlich? Pollerkonzept Barkenberg gefällt nicht jedem

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An den Pollern auf Barkenberger Fuß- und Radwegen führt kein Weg vorbei. Die Wulfenkonferenz musste sich den Vorwurf gefallen lassen, dass das Pollerkonzept „behindertenfeindlich“ sei.

Wulfen-Barkenberg

, 17.02.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An den Pollern auf den Barkenberger Fuß- und Radwegen scheiden sich die Geister. In Abstimmung von Wulfenkonferenz und Stadt wurde das Konzept verwirklicht, weil Autofahrer aus Bequemlichkeit oder Unkenntnis die Wege missbraucht haben: „Es ist leider notwendig geworden, die schwächeren Verkehrsteilnehmer vor dem Kfz-Verkehr zu schützen“, sagte Daniel Eickmann-Gerland, Sprecher der Wulfenkonferenz.

Konzert aus der Not heraus geboren

Das Pollerkonzept sei aus der Not geboren worden, weil „sich viele Autofahrer in Barkenberg nicht mehr an die Spielregeln halten“. „Da fährt ein junger Mann mit dem Auto vor der Volksbank am Wulfener Markt vor, lässt den Motor laufen, während er in der Bank am Geldautomaten Geld abholt. Ich habe ihn auf sein Fehlverhalten angesprochen und musste mich dafür noch beschimpfen lassen“, nannte Eickmann-Gerland ein Beispiel.

Barkenberg ist ein weitgehender autofreier Ortsteil

Diese und ähnliche Erfahrungen haben viele andere Barkenberger auch schon gemacht. Sie alle wollen das Verkehrskonzept bewahren und schützen. Denn Barkenberg ist als weitgehend autofreier Ortsteil in den 1960er-Jahren konzipiert worden.

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Napoleonsweg und seine Zuwege sowie Wege in den Siedlungsbereichen wurden gesondert angelegt, damit Kindergarten- und Schulkinder, Familien und alte Menschen sowie Radfahrer sicher von A nach Z kommen - ohne von Autos belästigt zu werden.

Die Breite dieser Fuß- und Radwege wird oft von Autofahrern so ausgelegt, dass sie sie befahren dürfen. Angela Lamza ist erleichtert, dass der Spuk vorbei ist: „Wir sind glücklich, dass die Poller da sind.“

Das gilt insbesondere auch für den Napoleonsweg. Angela Lamza sagte auch, dass ihre Nachbarn und sie vor mehr als 40 Jahren gerade wegen des Verkehrskonzeptes nach Barkenberg gezogen seien.

Das Pollerkonzept Barkenberg trifft alte, gehbehinderte oder Menschen mit Handicaps in der nur fußläufig erreichbaren Wohnanlage am Wall hart. Marlies Littke hat sich einen Bollerwagen angeschafft, um schwerere Einkäufe zum Wohnhaus transportieren zu können.

Das Pollerkonzept Barkenberg trifft alte, gehbehinderte oder Menschen mit Handicaps in der nur fußläufig erreichbaren Wohnanlage am Wall hart. Marlies Littke hat sich einen Bollerwagen angeschafft, um schwerere Einkäufe zum Wohnhaus transportieren zu können. © Claudia Engel

Dass die Poller für gehandicapte oder älter gewordene Ortsteilbewohner Nachteile haben, machte Marlies Littke klar. Die Mieterin einer Wohnung Am Wall beschrieb die beschwerlichen Wege vom Auto zum Haus, um Einkäufe zu transportieren oder anderen gehandicapten Nachbarn zu helfen. „Wir leben hier auf einer Insel“, kritisierte sie.

Wunsch wurde zurückgewiesen

Ihr Wunsch, dass sie oder andere nach Belieben wieder mit dem Auto in die Rad- und Fußwege fahren können, um direkt vor der Haustür Einkäufe ausladen zu können, wurde in der Wulfenkonferenz unmissverständlich zurückgewiesen. „Wer vor vielen Jahren nach Barkenberg gezogen ist, wusste, wie die Bedingungen sind. Man kann nicht im Nachhinein Regeln nach Belieben für Einzelne ändern oder anpassen. So kann Gemeinschaft nicht funktionieren“, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff.

Behinderte Bewohner haben die Möglichkeit, einen Behindertenparkplatz in unmittelbarer Nähe ihres Wohnhauses zu beantragen - auf diese Möglichkeit wies Annette Hilfing, die jahrelang ihren schwerkranken und behinderten Mann gepflegt hat, Marlies Littke hin. „Vorausgesetzt, man führt die notwendigen Nachweise, um einen Parkplatz zu bekommen.“

Kurzzeitparkplätze vor der Schranke?

Mechthild Bannach regte an, Kurzzeitparkplätze vor den Schranken einzurichten: „Da kann dann jeder, der etwas Schweres zu tragen hat, maximal 15 Minuten mit seinem Auto stehen bleiben, um seine Ladung wegzubringen.“

Diese Idee mündete in die Gründung einer Arbeitsgruppe. Neun Freiwillige haben ihre Mitarbeit bereits angekündigt. Sie sollen Vorschläge machen, wie den älteren und gehandicapten Ortsteilbewohnern Erleichterungen verschafft werden können. An den Pollern wird aber keinesfalls gerüttelt: „Wir werden daran festhalten“, hieß es.

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