Bewaffnet zur «Tanke»

Dorsten «Es tut uns leid, geben sie uns eine zweite Chance», sagen die Angeklagten. «Wenn ich zur Arbeit gehe, habe ich Angst, dass wieder was passiert», hält eine Beobachterin dagegen. Das Trauma der Frau kommt nicht von ungefähr: Sie wurde im Januar Opfer eines bewaffneten Überfalls auf eine Tankstelle in Lembeck.

04.07.2007, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Mal hatten die 18- bis 21-Jährigen zwischen November 2006 und Januar 2007 in wechselnder Beteiligung vier Tankstellen in Dorsten, Lembeck und Wulfen sowie einen Kiosk in Gelsenkirchen heimgesucht, um schnell an Geld zu kommen. Motiv für die schweren Straftaten: Handyschulden.

Dabei gingen sie mit erstaunlicher krimineller Energie und in immer kürzer werdenden Zeitspannen zu Werke: Die Taten wurden in dem Freundeskreis abgesprochen, die jungen Männer maskierten sich und bedrohten die eingeschüchterten Angestellten zu fortgeschrittener Stunde mit einer täuschend echt aussehenden Softairpistole und einem Küchenmesser.

«Wir haben aber immer darauf geachtet, den Menschen nicht zu nahe zu treten, damit nichts passiert», versuchte der 19-jährige Drahtzieher seine friedliche Gesinnung vor Gericht zu demonstrieren.

Die Polizei schnappte die Bande, als ein Mittäter an einen Tatort zurückkehrte, um sich seine Softair-Pistole wiederzuholen. Die hatte ein anderer tags zuvor nach erfolglosem Raubversuch in einer Mülltonne versenkt.

Fünf Monate Haft

Gestern war den Angeklagten von ihrer unglaublichen Chuzpe zu Tatzeiten rein gar nichts mehr anzumerken. Die beiden Haupttäter, ein 19- und ein 18-Jähriger, haben seit ihrer Festnahme fünf Monate in Untersuchungshaft verbracht. «Eine verdammt harte Zeit», wie die beiden jetzt wissen. Ein weiterer 19-Jähriger kam nach einem Monat Gefängnis gegen Kaution wieder auf freien Fuß: «Er wollte schon nach dem ersten Überfall nichts mehr mit solchen Geschichten zu tun haben», bekräftigte seine Anwältin. Zwei weitere betätigten sich als Handlanger, fuhren die beiden Drahtzieher mit ihren Autos zu den Tatorten.

Umfassende Geständnisse, totale Ehrlichkeit und der feste Wille, sich nicht mehr in kriminelle Machenschaften zu verstricken, ersparten den Angeklagten vorerst eine Rückkehr ins Gefängnis.

Opfer empört

Das Quintett wurde, je nach Tatbeteiligung, zu bis zu zweijährigen Jugendstrafen auf Bewährung verurteilt.

Für das eine Opfer im Gerichtssaal eine unfassbar milde Strafe, denn im Erwachsenenstrafrecht hätte es kein Pardon gegeben: «Ich muss das irgendwie verarbeiten. Die können doch jederzeit wieder mit einer Waffe vor mir stehen.» Claudia Engel

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