Bewundernde Blicke über die Schulter

Raesfeld Die Kunstglaserin Birgit Kölking zeigte Besuchern, wie ein Fenster in Bleiverglasung entsteht.

05.11.2007 / Lesedauer: 3 min

In der "Kunst ist mehr - Galerie auf Zeit" in Schermbeck demonstrierte kürzlich die Raesfelderin ihr Können. Das handwerkliche Rüstzeug hat die 42-Jährige im Rahmen ihrer dreijährigen Ausbildung an der Rheinbacher Glasfachschule und während ihrer Tätigkeit in einem Bocholter Glaskunstbetrieb erworben.

Mit wie viel Ideenreichtum und Fantasie Birgit Kölking vorgeht, davon zeugen die Ausstellungsstücke in ihrer kleinen Werkstatt in der Weseler Straße 13, die nach Verabredung (Tel. 02865/6309) besichtigt werden kann.

So geht es von der Hand

In der "Galerie auf Zeit" entstand in mehreren Arbeitsschritten ein Fensterbild. Von dem Papier-Entwurf musste ein Durchschlag gefertigt werden, aus dem mit Hilfe einer speziellen Schablonenschere die Formate für die späteren Glasstücke herausgeschnitten wurden.

In früheren Jahren verwendete Birgit Kölking gerne mundgeblasene Echt-Antik-Gläser für ihre Bleiverglasungen. Gegossene und gewalzte Gläser sind preiswerter und werden von den Kunden bevorzugt. Vorsichtig ritzte Birgit Kölking mit einem Glasschneider entlang der Papierschablone das Glas an. Mehrmaliges Schlagen von unten mithilfe der Kröselzange oder des Glasschneiders ließ das Glas exakt entlang der Einritzung brechen.

Die ausgeschnittenen Glasstücke wurden auf dem Originalentwurf des Bildes mit Hilfe von Stahlnägeln fixiert. Ein H-förmiges Bleiprofil wurde zwischen zwei benachbarte Glasstücke geschoben, während ein U-förmiges Bleiprofil am Außenrand des Glases für den Zusammenhalt sorgte. Die Bleiprofile wurden außen glatt gestrichen und an den Berührungspunkten mit Lötöl als Flussmittel bestrichen, um den Lötvorgang zu erleichtern.

Verlöten

In gleicher Weise wie auf der Oberseite erfolgte nach dem Wenden des gesamten Glasbildes das Verlöten der anderen Seite. Das abschließende Verkitten des Hohlraumes zwischen Glas und Bleiprofil sorgt dafür, dass keine Feuchtigkeit eindringt.

Als besonderen Blickfang hat Birgit Kölking ihr Spiegelobjekt "Quattre visages" in die Gemeinschaftsausstellung eingebracht. Die mit farbigen Glasstücken gestalteten vier Gesichter zeigen im Alterungsprozess den Ablauf des Lebens hin zu einem Zustand, der von deutlichen Spuren geprägt ist. An drei Fenstern kann der Besucher Beispiele für die von Birgit Kölking originell gestalteten Fensterbilder bewundern. In einem Glasvorhang hat die Künstlerin feuerfestes Faserpapier, Edelstahlspäne und Kupferfäden eingearbeitet.

Schon früher demonstrierte Gabriele Templin-Kirz in der "Galerie auf Zeit", wie ein Gemälde in Acrylfarben entsteht. Den langen Weg von der Metallplatte zur fertigen Radierung stellt wiederum der Raesfelder Klaus Dragon am Samstag, 17. November, um 17 Uhr in der Galerie vor. H.Sch.

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