Brite John Carroll sitzt in der Zwickmühle

Nach dem Brexit

Den britischen Pass behalten oder nicht? Nach dem Brexit sitzt der Engländer John Carroll, der seit einem Jahr in Östrich lebt, in der Zwickmühle.

Östrich

, 30.06.2016, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brite John Carroll sitzt in der Zwickmühle

John Carroll kritisiert das Ergebnis des Brexit-Referendums als "Unding" und "schweren Fehler".

"Ich habe immer gesagt, ich bin Europäer. Es ist ein Unding, dass ich jetzt entscheiden muss, welche Staatsbürgerschaft ich annehmen will", ärgert sich John Carroll. Er ist in Manchester in England geboren, hat in Österreich, Hamburg und Berlin gelebt und wohnt seit einem Jahr mit seiner Familie in Östrich. Jetzt, wo sich die Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU entschieden hat, muss er darüber nachdenken, ob er den britischen Pass behalten möchte und somit in Zukunft kein EU-Bürger mehr ist.

Seit 20 Jahren im Ausland

Weil er schon seit 20 Jahren im Ausland lebt und hier in Deutschland steuerpflichtig ist, durfte er bei dem Referendum vergangene Woche nicht wählen. Als das Ergebnis am Freitag feststand, war er mit seinen Kindern zu Besuch bei seinen Eltern in Manchester. Die Meinungen in seiner Familie seien, wie in vielen Familien, geteilt. "Einige haben für, andere gegen den Austritt gestimmt." Die Stimmung in Großbritannien beschreibt er als angespannt. "Viele sagen, es ist eine Katastrophe, ein Riesenfehler und dass wir das bereuen werden. Das ist auch meine Meinung." Eine Sache will Carroll klarstellen: "Wir sind nicht alle so. Viele wollen in der EU bleiben. Ich hoffe, es gibt noch einen Weg zurück, aber danach sieht es momentan nicht aus."

Carroll ist immer viel gereist, hat in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet. "Ich kenne die Vorteile der EU. Aber man kann sich jetzt nicht die guten Sachen rauspicken und sagen: Wir behalten alle Vorteile, aber zahlen nicht mehr ein. Viele denken aber leider momentan, es wird schon alles gut werden." Er hingegen glaubt, dass das Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und menschlich unter dem Austritt leiden wird.

Unsicherheit bei den 111 Briten

111 Briten leben in Dorsten, wer mindestens seit acht Jahren hier ist, könnte die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Solange Großbritannien noch Mitglied der EU ist, wäre auch eine doppelte Staatsbürgerschaft möglich. Was aber passiert, wenn das Land austritt, ist bislang noch unklar. Bei John Carrol herrscht zurzeit Unsicherheit. Er will sich zunächst über seine Möglichkeiten informieren, den britischen Pass würde er aber trotz allem gerne behalten. „Ich bin stolz auf mein Land, aber nicht auf dieses Ergebnis."

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