Brummen im Haus bringt Wulfenerin zur Verweiflung: „Man wird verrückt!“

rnTieffrequenter Schall

Ein Brummen im Haus bringt eine Wulfenerin um den Schlaf. Wahrscheinlich handelt es sich um tieffrequenten Schall. Die Suche nach der Ursache gestaltet sich schwierig.

Wulfen

, 18.01.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein mysteriöses Brummen im Haus bringt eine Wulfenerin zur Verzweiflung. Beate Tessmer hat kürzlich in der Halterner Zeitung von einer Frau gelesen, die keine Ruhe mehr findet, weil sie regelmäßig ein unangenehmes Brummen in ihrer Wohnung wahrnimmt. In den Schilderungen fand sich die 66-Jährige wieder. Denn ihr geht es genauso.

„Das geht durch Mark und Bein“, sagt Beate Tessmer. Der monotone Geisterton trete nahezu täglich auf. „Besonders schlimm ist es abends und nachts im Wohn- und Schlafzimmer“, sagt die Wulfenerin. „Man wird verrückt! Ich merke es auch körperlich, das geht echt an die Substanz.“

Besonders gutes Gehör wird zum Verhängnis

Wahrscheinlich handelt es sich um tieffrequenten Schall - also Luftschallwellen, die unterhalb von 100 Hertz und damit in der Regel auch außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen. Beate Tessmer hat offenbar ein besonders gutes Gehör, denn ihr Mann Wolfgang nimmt das Brummen nur gelegentlich wahr. Fachleute, die sich vor Ort schon mit dem Thema befasst haben, hörten den Ton ebenfalls nicht. Laut Robert-Koch-Institut gibt es durchaus Hinweise auf für tieffrequenten Schall außerordentlich sensible Personen.

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Gut ein Jahr geht das bei den Tessmers nun schon so. Anfangs hatten sie die Heizung der Nachbarn als mögliche Ursache vermutet. Das bestätigte sich aber nicht, denn der Ton trat auch auf, als die Nachbarn ihre Heizung komplett abgeschaltet hatten. Auch im eigenen Haus haben die Tessmers den Strom abgestellt und sämtliche Geräte ausgeschaltet - es brummte dennoch. Die Geräuschquelle lässt sich bis heute nicht identifizieren.

„Vielleicht sind ja unterirdrische Pumpen dafür verantwortlich“, sagt Wolfgang Tessmer. Auch das benachbarte Umspannwerk in Haltern-Lippramsdorf oder eine nahegelegene Wasserpumpenanlage kommen möglicherweise als Ursache infrage.

Viele potenzielle Geräuschquellen

Das Umweltbundesamt unterscheidet in einer Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall insgesamt zwölf Gruppen potenzieller Geräuschquellen. Diese reichen von Klimaanlagen, Baumaschinen, verkehrstechnischen Einrichtungen über Pumpen, Windenergieanlagen, Veranstaltungen und natürlichen Quellen wie Erdbeben bis hin zu Produktionsstätten oder sonstigen Quellen wie Explosionen oder Raktenstarts.

Mögliche Ursachen erstrecken sich demnach „über nahezu sämtliche technischen Bereiche“, die häufig in der unmittelbaren Nachbarschaft vorhanden sein können. Das macht eine genaue Lokalisierung der Schallquelle schwierig.

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Angstgefühle, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit und Depressionen können laut Umweltbundesamt mögliche Folgen sein, wenn man dauerhaft tieffrequentem Schall ausgesetzt ist. Ganz so schlimm ist es bei den Tessmers noch nicht. Sie wünschen sich in erster Linie Gewissheit über die Ursache, um dann gegebenenfalls dagegen vorgehen zu können. „Man steht wie der Ochse vorm Berg und weiß nicht, wo es herkommt und an wen man sich wenden soll“, sagt Beate Tessmer.

Kreis und Stadt als mögliche Ansprechpartner

Ein möglicher Ansprechpartner wäre die Untere Immissionsschutzbehörde des Kreises Recklinghausen. Auch das Ordnungsamt der Stadt kann kontaktiert weden. „In der Regel geht es hier allerdings um nachbarschaftlichen Lärm, Ruhestörungen etc.“, teilte die Stadt mit. In seltenen Fällen zieht das Ordnungsamt allerdings zur Ursachenforschung und Bewertung auch externen Sachverstand hinzu. „Dies dürfte bei tieffrequentem Schall der Fall sein, der schwer zu messen ist und auch nicht von allen Menschen überhaupt wahrgenommen wird.“

Einen vergleichbaren Fall hat es in der jüngsten Vergangenheit in Dorsten gegeben. Ein Bürger hatte den Verdacht, dass eine Pumpe im Nachbarhaus ein Geräusch verursacht. „Der Fall wurde damals von der Immissionsschutzbehörde des Kreises weiter bearbeitet. Ein Ergebnis ist der Stadt nicht bekannt“, teilte die städtische Pressestelle mit.

Beate Tessmer sucht nun weitere Betroffene in Dorsten, mit denen sie sich zusammentun und gemeinsam nach einer Lösung suchen kann. Betroffene können sich per E-Mail bei ihr melden.

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