"Chinaseuche" bedroht Kaninchen

RHD-2

Am Vormittag war Mary noch putzmunter, sagt Jenny (12). Nachmittags wirkte ihr Haustier plötzlich völlig apathisch, am nächsten Morgen war das Kaninchen tot. Gestorben an einem gemeinen Virus, einer tödlich verlaufenden Infektionserkrankung, für die es kein zuverlässiges Gegenmittel gibt.

Dorsten

, 23.09.2016, 16:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

RHD-2 – die sogenannte „Chinaseuche“ ist in einer neuen Variante in Dorsten angekommen, bestätigt Tierärztin Dr. Nadja Schneyer. „Wir haben einige Berichte von toten Tieren bekommen“, sagt sie. Auch Züchter seien in Aufruhr, denn „häufig sind ganze Bestände betroffen. Die Kaninchen sterben praktisch von heute auf morgen.“

Für einen Besuch in ihrer Praxis am Freudenberg ist es dann zu spät. Wenn derzeit jemand mit seinem kuschligen Haustier wegen einer ganz normalen Untersuchung, einer Operation oder einer Prophylaxe kommt, macht sich die Tierärztin Gedanken: „Ich denke dann jedesmal: Hoffentlich erwischt die RHD-2-Infektion nicht auch dieses Tier. Für Kinder ist das plötzliche Sterben natürlich hochdramatisch.“

Kein wirksamer Schutz

Übertragen wird das lange lebensfähige Virus u.a. durch Kot und Urin, Nasensekret und Stechinsekten. „Es kann aber auch durch schmutzige Schuhe oder Hände in die Wohnung eingeschleppt werden.“ Einen wirksamen Schutz gibt es nicht. „Die bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe gegen die herkömmliche RHD-Variante schützen vor RHD-2 nur teilweise“, sagt Nadja Schneyer. „Die Tiere müssen dann im Abstand von drei Wochen zweimal immunisiert werden.“ Ein spezieller Impfstoff, der gegen RHD-2 schützt, ist bisher nur in Frankreich oder Spanien auf dem Markt. „Man kann die Kaninchen natürlich nicht mehr ins Freie lassen, aber ein sicherer Schutz ist das auch nicht.“

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Jenny ist traurig, denn für ihr geliebtes Kaninchen kam in dieser Woche jede Hilfe zu spät. Ihr Großvater hatte ihr die Kuschelfreundin vor sechs Jahren auf dem Lembecker Tiermarkt gekauft. „Mein halbes Leben war Mary bei mir. Jetzt ist sie tot.

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