Cornelia Funke: "Ich bin eine Wortfischerin"

Bestsellerautorin in Dorsten

Eigentlich ist Cornelia Funke mit Sohn Ben (17) ganz privat in ihrer Geburtsstadt Dorsten unterwegs, um ihre Eltern zu besuchen. Doch wer einen Bestseller nach dem nächsten produziert und auf der Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt rangiert, hat es als Privatmensch nicht so leicht.

DORSTEN

14.05.2012, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn ich in den Spiegel blicke und denke, es sei eine Kamera - dann wird es gefährlich", sagt die weltberühmte Kinder- und Jugendbuchautorin mit einem Augenzwinkern. Doch zu Lesungen plus Autogrammstunden in Dorsten ließ sich die sympathische Schriftstellerin mit Wahlheimat Los Angeles gerne überreden.

Gelangweilte Ilustratorin

Auch an der Eröffnung einer Ausstellung ihrer Kinderbuchillustrationen im Alten Rathaus nahm sie persönlich teil: "Ich war eine gelangweilte Illustratorin, als ich mit 28 Jahren zum Schreiben kam", erzählt Cornelia Funke.  Die Kindergeschichten, die sie habe illustrieren müssen, seien so öde gewesen, dass sie ihre eigenen Geschichten zu Papier brachte - mit Erfolg, wie ihre mehr als 60, in zig Sprachen übersetzten Büchertitel eindrucksvoll beweisen.

Märchenhafte Spiegelwelt

Vor sieben Jahren ist Cornelia Funke - wie ihre Romanhelden Jacob und Will - durch den Spiegel in eine andere Welt gestiegen. Sie lebt nun in Los Angeles, liebt das sonnige Klima und die Herzlichkeit der Menschen. In diesen Jahren hat sich ihr Leben, dienstlich und privat, dramatisch verändert.  "Mit 53 sieht die Welt anders aus als mit 35", hat sich die Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern zunehmend von den kunterbunten Kindergeschichten entfernt, um in die vielschichtige, märchenhafte "Spiegelwelt" ihrer Reckless-Reihe einzutauchen.

Reckless-Band fünf ist schon im Kopf Band zwei erscheint im Herbst, der dritte Teil ist bereits in Arbeit, Buch vier und fünf hat sie bereits im Kopf. Zurzeit wird ein App von ihrer Spiegelwelt entwickeln, "dann kann ich sie endlich selber sehen", erwartet die Autorin gespannt das Ergebnis.

Ideen sprudeln unerschöpflich in ihrem Kopf. "Ich bin ein Wortfischer. Ich fische die richtigen Worte für die Menschen", empfindet die Autorin eine Verpflichtung, ihre Begabung für die Allgemeinheit zu nutzen. "Wenn mir eine Soldatin im Irak schreibt, sie habe die Wüste nur mit ,Tintentod' überlebt oder ein Kind sich bei mir bedankt, dass es eine Krise dank ,Drachenreiter' überstanden hat, dann weiß ich, dass ich das Richtige tue."

 

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