Cornelia Funke will die amerikanische Staatsbürgerschaft

Meinungen zur US-Wahl

Viele Deutsche sind überrascht bis geschockt von dem Wahlergebnis in den USA. Donald Trump als neuer mächtigster Mann der Welt – das können sich nur wenige vorstellen. Auch manchem in Dorsten lebenden Amerikaner fehlt dafür die Fantasie. Auch Kinderbuch-Autorin Cornelia Funke nimmt Stellung.

Dorsten

, 09.11.2016, 17:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Als ich das Wahlergebnis gesehen habe, dachte ich, es sei ein Scherz“, sagt Basketballspieler Matthew Pebole von der BG Dorsten. Wie einen Schlag in die Magengegend habe es sich angefühlt, als er das Ergebnis schließlich realisiert habe. Er selbst, der aus dem liberalen New Jersey kommt – ein Staat, der an Hillary Clinton ging – kann nicht verstehen, was Donald-Trump-Wähler zu ihrer Entscheidung bewogen hat. „Aber es zeigt, wie rückwärtsgewandt das Denken oft noch ist und von Rassismus bestimmt.“

Wahlkampf kritisch betrachtet

Was wird Donald Trump jetzt tun? Diese Frage treibt Matthew Pebole um, ebenso wie seinen Mitbewohner, den Basketballprofi Connell Crossland vom BSV Wulfen. „Ich weiß nicht, was er jetzt tun wird und ich glaube, dass weiß er auch selbst noch nicht.“ Von Anfang an habe Connell Crossland diesen Wahlkampf kritisch betrachtet. „Ich denke, viele haben ihn nicht erst genommen, als Bernie Sanders noch im Rennen war. Und als sie ihn dann Ernst genommen haben, hatten sie nur noch die Wahl zwischen Clinton und Trump.

Mit beiden Kandidaten war ich überhaupt nicht einverstanden“, sagt Connell Crossland. Er kenne niemanden, der Donald Trump unterstützt habe. „Jedenfalls soweit ich weiß“, fügt er hinzu, wohlwissend, dass sein Heimatstaat Missouri an den Kandidaten der Republikaner fiel. Seine Freunde seien allerdings vom Wahlergebnis schockiert. „Eine Freundin ist richtig fertig. Sie ist todunglücklich über Donald Trump.“ Denn keiner wisse, was jetzt passieren werde. „Viele haben Angst.“

"Nur eine halbe Überraschung"

Für die bekannteste Dorstenerin in den USA, Cornelia Funke, war der Wahlausgang in den USA „leider nur eine halbe Überraschung“, sagte sie „NDR Info“. „Ich gebe zu, dass ich seit der Brexit-Entscheidung in England das Schlimmste befürchtet hatte, weil ich glaube, dass die uns allen gezeigt hat, wo die Welt gerade ist und dass Politiker gerade sehr gut darin sind, irrationale Ängste und Unaufgeklärtheit zu benutzen, um Stimmen für die Rechten zu sammeln.“

Sie wolle sich stärker politisch engagieren: „Was mir eine Lehre ist, dass ich elf Jahre mit einer Greencard in Amerika gelebt habe, ohne mir die Mühe zu machen, die Staatsbürgerschaft zu beantragen, und dadurch nicht wählen konnte.“ Das sei ein Fehler. „Ich werde jetzt die Staatsbürgerschaft vorantreiben, damit ich nicht noch mal in diese politisch unmündige Situation komme, und ich nehme mal an, dass ich mich durch die demokratische Partei und andere, auch außerparteiliche Organisationen, verstärkt für all das aussprechen werde, an das ich glaube.“

Kompromiss und Kollaboration

Funke kann sich nicht vorstellen, wie zwischen den Positionen der beiden Lager ein Kompromiss möglich ist. „Wir alle wissen, dass wir letztlich natürlich doch nur mit Kompromiss und Kollaboration überleben können. Wie ist das möglich mit so radikalen Positionen?“

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