Coronavirus: Schule in Dorsten plant Unterricht übers Internet, Drogeriemärkte ausverkauft

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Desinfektionsmittel ist in Dorsten aktuell eine sehr stark nachgefragte Ware. Schulen gehen unterschiedlich mit dem Coronavirus um. Eine bastelt an einer kreativen Lösung für den Ernstfall.

Dorsten

, 27.02.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

In NRW steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen. Erste Schulen haben bereits geplante Klassenfahrten abgesagt. Auch die Dorstener Schulen bereiten sich im Hintergrund teilweise schon auf den Ernstfall vor.

„Wir sind in ständiger Absprache mit der Stadt und dem Bezirk. Wir versuchen vorauszudenken, denn die Gefahr, dass das Virus zu uns kommt, die ist nun einmal da“, sagte Hermann Twittenhoff, Schulleiter der Wulfener Gesamtschule. Nach Außen hin versuche man jedoch, „keine Pferde scheu zu machen“.

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Der Schulleiter ist sich sicher, dass man im Fall der Fälle die Ausbreitung des Virus nur stoppen kann, wenn man „Hot Spots“ wie Schulen schließt. Auf so eine Schulschließung, die laut Schulleiter locker zwei bis drei Wochen dauern könnte, bereitet sich die Schule aktuell vor.

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium hat ein Bürgertelefon zum Coronavirus unter der Nummer (0211) 855 47 74 geschaltet.

„Wir gucken, ob wir in so einem Fall eine Hausbeschulung über die Website oder eine andere Plattform möglich machen könnten“, erzählte Hermann Twittenhoff. Schließlich stünden bald Abiturprüfungen und die Abschlussklausuren der 10. Klassen an und die könne man ja nicht einfach verschieben.

Klassenfahrten habe man jedoch bislang noch nicht abgesagt - auch nicht den anstehenden Schüleraustausch mit Frankreich. „Wir beobachten das aber sehr genau“, so Twittenhoff. Ansonsten könne man aktuell mit den Schülern nur noch einmal die gängigen Hygieneregeln besprechen und auf die Nutzung der Hygienespender in der Schule hinweisen.

„Wir wollen keine Hysterie verbreiten“

Handhygiene ist auch im Gymnasium Petrinum immer ein Thema. „Wir greifen das aber jetzt nicht noch einmal extra auf, weil wir keine Hysterie verbreiten wollen“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Dr. Vera Merge.

Panik möchte auch Rainer Kuntze, Schulleiter der Erich-Klausener-Realschule, nicht verbreiten. Dennoch möchte er das Thema nicht komplett aus dem Unterricht ausklammern. „Wir haben heute Mittag eine Mail vom Schulministerium mit einem Info-Blatt für Schüler erhalten“, sagte er am Donnerstagnachmittag. Dieses Blatt mit Hinweisen zur richtigen Hygiene würden die Klassenlehrer morgen an ihre Schüler verteilen und noch einmal besprechen. Die für Mai geplante Klassenfahrt nach England sieht Kuntze bislang noch nicht in Gefahr.

Kino trifft keine besonderen Vorkehrungen

Auch das „Leo“ in Hervest hat reagiert. „In fast jedem Raum im Leo gibt es jetzt die Möglichkeit zur Handdesinfektion“, schreibt das Team auf seiner Facebook-Seite, verbunden mit der Bitte: „Schützt euch und andere!“ Keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen hat bislang das Central-Kino in Dorsten ergriffen. „Natürlich gibt es bei uns auf den Toiletten Desinfektionsmittel, aber wir verfallen jetzt nicht in Panik“, sagte Stephan Zabka auf Nachfrage der Redaktion.

In den Drogeriemärkten in der Innenstadt stehen die Kunden indes vor leeren Regalen. „Wir haben gerade die letzten zwei Fläschchen mit Handdesinfektion verkauft“, sagte Nina Gatz, Mitarbeiterin im dm-Markt am Dorstener Markt, am Donnerstagnachmittag. Seit Mittwoch gäbe es einen regelrechten Run auf solche Hygieneprodukte. Nachbestellt seien sie, wann genau neue Lieferungen einträfen, sei jedoch unsicher. Ähnlich sieht es im Rossmann an der Lippestraße aus - auch dort sind die Regale leer. „Desinfektionsmittel wird gerade gekauft wie Brötchen“, sagte die Mitarbeiterin an der Kasse.

Leere Regale Hygieneprodukte dm-Markt Dorsten

Im dm-Markt am Markt gibt es keine Mittel mehr zur Händedesinfektion und auch Hygienetücher und -spray sind aufverkauft. © Manuela Hollstegge

Unterdessen hat der Kreis Recklinghausen auf seiner Internetseite Hinweise zum Coronavirus veröffentlicht. Dort geht es vor allem um Handlungsempfehlungen wie in die Armbeuge zu niesen, die Hände regelmäßig zu waschen und auf Händeschütteln zu verzichten. Beim geringsten Verdacht, an Corona erkrankt zu sein, solle man sich telefonisch an den Hausarzt bzw. außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden.

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Den Hausärzten empfiehlt die Kassenärztliche Vereinigung separate Wartebereiche für Verdachtsfälle einzurichten oder die Versorgung der Patienten mit Atemwegssymptomen außerhalb der allgemeinen Sprechstunden sicherzustellen (oder am Ende der Sprechstunde). Außerdem sollten die Mediziner einen Vorrat von Mund-Nasen-Schutz für Personal und Patienten mit Husten und Schnupfen bereithalten sowie Einweghandschuhe, Schutzkittel und Schutzbrillen.

Rückkehrer müssen sich an das Gesundheitsamt wenden

Krankschreibungen im Verdachtsfall: Gemäß Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie liegt keine Arbeitsunfähigkeit vor, wenn Beschäftigungsverbote nach dem Infektionsschutzgesetz ausgesprochen werden, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Patienten und Ärzten mit. Meldet sich ein Patient zwar ohne Symptome, aber als Reiserückkehrer und/oder mit gesichertem Kontakt zu einem bestätigten Erkrankungsfall in der Praxis, um eine vierzehntägige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten, muss er sich an das zuständige Kreisgesundheitsamt in Recklinghausen wenden, Tel. (02361) 53-4133.

Die Krankenhäuser des Kreises hatten am Mittwoch eine Besprechung mit dem Gesundheitsamt, in der auch Corona Thema war. Nähere Informationen dazu wollte KKRN-Sprecherin Birgit Böhme-Lueg am Donnerstag nicht machen: „Wir haben vier sehr unterschiedliche Häuser und müssen erst mehr Informationen sammeln und unser Vorgehen abstimmen.“

Auf der Internetseite des Kreises Recklinghausen sind weitere Informationen zum Thema Coronavirus zu finden, darunter auch eine FAQ-Liste mit den häufigsten Fragen und Antworten. Zudem bietet das Gesundheitsamt des Kreises ein Infotelefon zum Thema Corona an. Das Infotelefon ist montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 12 Uhr erreichbar unter der Telefonnummer 02361/532626. Bürgerinnen und Bürger werden gebeten, die Notrufnummer 112 für tatsächliche Notrufe freizuhalten.
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