Coronavirus: Dorstener Familien zwischen traurigen Kindern, Job und Zukunftssorgen

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Für Dorstener Familien sind die Zeiten nicht einfach. Sie müssen sich oft vollkommen neu organisieren. Wir haben sie per WhatsApp gefragt, wie sie die Herausforderungen meistern.

Dorsten

, 28.03.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Coronavirus wirbelt das Leben von Menschen auf der ganzen Welt durcheinander. Besonders Familien müssen sich vollkommen neu organisieren und neben den eigenen Sorgen auch noch die ihrer Kinder aushalten und abfangen. Doch was beschäftigt die Dorstener Familien mit kleinen Kindern? Wie bringen sie Kinderbetreuung, Job und Haushalt unter einen Hut? Wie reagieren ihre Kinder auf die neue Situation und was bringt sie vielleicht auch Positives mit sich? Eine WhatsApp-Umfrage.

Natascha Schäfer hat zum Beispiel das Glück, ihre beiden Kinder (3 und 5) mit auf die Arbeit nehmen zu können. Sie ist Inhaberin der Familienpraxis in Holsterhausen. „Durch das Therapiezentrum haben wir natürlich Spielzeug dort. Außerdem kommt meine Cousine und betreut die Kinder. So ein Glück haben natürlich viele andere nicht“, schreibt die Hervesterin. Sorgen bereitet ihr, dass man nicht weiß, „wie es weiter geht“. „Es ist nicht leicht, aber so viel Zeit mit unseren Kindern bei dem tollen Wetter zu verbringen, ist auch sehr schön“, kann sie der Sache auch noch etwas Gutes abgewinnen.

Die Kinder von Familie Schäfer in der Familienpraxis Holsterhausen

Familie Schäfer aus Hervest hat das große Glück, ihre zwei Kita-Kinder mit zur Arbeit in der Familienpraxis nehmen zu können. Dort kümmert sich eine Cousine um die beiden. © Manuela Hollstegge

Das sieht auch Marion Mecking aus Wulfen so. „Diese Zeit hätten wir uns ohne die Pandemie vermutlich nicht mit unserem Sohn genommen und so versuchen wir bei all dem Stress, das Beste aus der Zeit zu machen“, schreibt sie. Ihr Lebensgefährte und sie arbeiten beide im Homeoffice und wechseln sich bei der Betreuung des Dreijährigen über den Tag verteilt immer wieder ab. „Klingt traumhaft, ist aber ganz schön anstrengend.“ Die Arbeitstage seien dadurch sehr lang.

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Ihr Sohn Till verstehe die ganze Situation nicht. Jeden Morgen frage er, ob die Kita wieder geöffnet sei. Von Abstandsregeln halte er auch nicht viel und da die Verwandtschaft direkt vor der Haustür wohne, seien Wutanfälle vorprogrammiert.

Der dreijährige Till verbringt seine Zeit aktuell gerne mit „Labyrinthlaufen" im Hof vor dem Elternhaus in Wulfen. Seine Eltern arbeiten beide im Homeoffice und wechseln sich bei der Betreuung des Sohnes ab.

Der dreijährige Till verbringt seine Zeit aktuell gerne mit „Labyrinthlaufen" im Hof vor dem Elternhaus in Wulfen. Seine Eltern arbeiten beide im Homeoffice und wechseln sich bei der Betreuung des Sohnes ab. © privat

Viel gebastelt, gekuschelt und gebacken wird aktuell bei Familie Grundmann aus Dorsten. Mama Ann-Katrin Grundmann versucht, ihrem sechsjährigen Sohn sowie der sieben Monate alten Tochter die Zeit so schön wie möglich zu machen. „Man merkt aber, dass meinem Sohn das Spielen mit anderen Kindern auf Dauer fehlt“, schreibt sie. Angst mache dem Siebenjährigen die aktuelle Situation nicht. „Ich wiederum habe Angst, dass die Lage immer schlimmer wird.“

Familie Heymanns aus Dorsten ist in einer ganz anderen Situation. Hier sind die Eltern beide Ärzte und ihr Vorschulkind Tom besucht daher die Notbetreuung in seiner Kita. Lediglich die Betreuungszeiten sind mit 8 bis 15 Uhr etwas kürzer als üblich. „Es sind jedoch nur sehr wenige Kinder da und Tom ist oft traurig, dass alle seine Freunde nicht da sind“.

„Als Eltern ist man da leider kein vollständiger Ersatz“

Darüber ist auch der vierjährige Lennard Gerke sehr traurig. Beim Blick über den Gartenzaun im Hervester Elternhaus kann er die Nachbarskinder zwar sehen, darf aber nicht mit ihnen spielen. „Wir haben ihm ganz ehrlich erklärt, was los ist. Nach fast zwei Wochen muss man aber sagen, dass er jetzt doch unausgeglichener wird“, schreibt Mutter Melanie. Ihrem Sohn würde vor allem das Toben mit den anderen Kindern fehlen. „Als Eltern ist man da leider kein vollständiger Ersatz“.

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Sie und ihr Mann arbeiten aktuell beide im Homeoffice. Beim Frühstück werden die Termine koordiniert, damit immer einer beim Sohn sein kann. Wenn die Laune ganz mies sei, versuche sich einer der beiden den Nachmittag „freizuschaufeln“ - dann gehe es in den Garten oder den Wald. „Dafür wird dann der Job abends erledigt - dann kann es auch mal später werden“, erzählt Melanie Gerke. Zum Glück würden sowohl die Chefs als auch die Kollegen und Kunden für die besondere Situation viel Verständnis zeigen.

Spagat zwischen Betreuung und Beruf

Im Homeoffice arbeitet auch die Dorstenerin Aslihan Akbulut seit rund einer Woche. „Durch die aktuelle Situation ist der Spagat zwischen Kinderbetreuung und Beruf noch extremer geworden“, schreibt sie. Ihr Mann ist Lkw-Fahrer und die Familie sei froh, dass er nicht in Kurzarbeit sei. Das heißt aber auch, dass die Mutter von zwei Kindern Betreuung und Homeoffice alleine schaffen muss. Damit das irgendwie funktioniert, stehe sie aktuell zwei bis drei Stunden vor den Kindern auf. Tochter Elif feierte am Donnerstag ihren sechsten Geburtstag. „Sie ist schon traurig, da sie ihren Geburtstag leider nachfeiern muss“, schreibt Mama Aslihan. Elif und ihr neunjähriger Bruder Malik hätten schon ein paar Tage gebraucht, bis sie verstanden hätten, dass die geschlossene Kita und Schule keine frühzeitigen Ferien bedeuteten.

Die Dorstenerin Aslihan Akbulut arbeitet eigentlich im Jobcenter in Marl. Aktuell macht sie jedoch gemeinsam mit ihren Kindern Elif (6) und Malik (9) Homeoffice.

Die Dorstenerin Aslihan Akbulut arbeitet eigentlich im Jobcenter in Marl. Aktuell macht sie jedoch gemeinsam mit ihren Kindern Elif (6) und Malik (9) Homeoffice. © privat

„Nichtsdestotrotz genießen wir auch die Gemeinsamkeit zu Hause“, so die Dorstenerin. Es werde viel gebastelt, viel gemalt, gepuzzelt, getanzt, gelacht und ohne zeitlichen Druck gemeinsam gekocht. Dennoch würde sich die gesamte Familie sehr freuen, „wenn die Normalität wieder einkehrt und wir unsere Freunde wieder treffen und auf den Spielplatz gehen können.“

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