Gerissene Obergrenze löst nicht automatisch Maßnahmen in Dorsten aus

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Wie es sich auf Dorsten auswirkt, wenn im Kreis Recklinghausen die Obergrenze gerissen wird, ist unklar. Die Grenze ist ein „Aktivierungswert“, der nicht automatisch Maßnahmen auslöst.

Dorsten

, 13.05.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der Zahl der bestätigten Neuinfektionen bildete die Stadt Dorsten zwischen Mitte März und Mitte April kreisweit einen Ausreißer nach oben. Inzwischen wurde eine Art Plateau erreicht.

Rechnet man die aktuell gültige Obergrenze von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen auf die Lippestadt um, erreicht Dorsten derzeit einen Wert von 1,3 (Stand: 12.5.) und ist damit weit entfernt von der Obergrenze. Um diese als Stadt zu reißen, müsste es in Dorsten insgesamt rund 38 neue bestätigte Infektionen in den vergangenen sieben Tagen geben.

Entscheidend ist die Entwicklung im Landkreis

Die Quote in den Kommunen spielt aber zunächst keine große Rolle im Hinblick auf die Rücknahme von Lockerungen. Entscheidend ist die Entwicklung im gesamten Landkreis. Für den Kreis Recklinghausen liegt die Grenze bei insgesamt 308 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen - dann würde der kritische Wert von 50 neuen Infektionen auf 100.000 Einwohner erreicht.

So weit ist es seit Ausbruch der Pandemie im Kreis noch nicht gekommen. Der Höchstwert wurde am 5. und 6. April erreicht - da lag die Quote im Kreis in den vorangegangenen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner umgerechnet bei 34,5.

Wie schnell sich das ändern kann, war zuletzt im Kreis Coesfeld zu beobachten. Dort wurden im gesamten Kreis Coesfeld die für Montag beschlossenen Lockerungen um eine Woche verschoben, weil mehr als 200 Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Westfleisch positiv getestet wurden. Betroffen waren also auch Kommunen wie Olfen und Nordkirchen, die einige Kilometer vom Corona-Hotspot entfernt liegen und in denen die die Zahl der Neuinfektionen überschaubar war.

Auf dem Werksgelände von Westfleisch in Oer-Erkenschwick wurden zwischen Samstag und Montag rund 1600 Mitarbeiter getestet. „Die Ergebnisse erwarten wir im Laufe der Woche“, sagte am Dienstag Christoph Behrenspöhler, Kreisverbandsvorstand des DRK, der bereits die Massentests in zwei Castrop-Rauxeler Wohnkomplexen organisiert hatte.

Kreis hat keine Infos, was im Fall der Fälle passiert

Was passiert, wenn so viele Tests positiv ausfallen, dass kreisweit die kritische Quote erreicht wird, ist völlig unklar. „Wir haben keine Informationen aus dem Ministerium, was genau im Fall der Fälle passiert“, erklärt Kreissprecher Jochem Manz.

Aus dem NRW-Gesundheitsministerium heißt es dazu auf Anfrage: Generell erlaube eine regionale „Beobachtung des Infektionsgeschehens“ dem Land und dem Kreis angemessen reagieren zu können, um die Pandemie einzudämmen, „ohne dabei unverhältnismäßige Maßnahmen landesweit anordnen zu müssen“.

Land NRW kann auch Weisungen aussprechen

Maßnahmen würden bereits diskutiert, wenn sich eine Region der Aktivierungsschwelle nähere: „Dabei werden die örtlichen Gesundheits- und Ordnungsbehörden und die Bezirksregierung einbezogen“, heißt es aus dem Ministerium.

Das Land könne aber auch Weisungen an die örtlichen Behörden erteilen. Über eine mögliche Aufhebung von Maßnahmen entscheide ebenso der Verlauf des Infektionsgeschehens. „Dies ist nicht an eine feste Zahl von Neuinfektionen gebunden, sondern wird genau wie die Anordnung in einer Gesamtabwägung aller Parameter entschieden“, so das Ministerium weiter. Auch die 50/100.000-Schwelle sei nur ein vereinbarter „Aktivierungswert“, sie löse nicht automatisch ganz bestimmte Maßnahmen aus.

„Ich würde mich dafür einsetzen, dass man es regional begrenzen kann“, sagte Bürgermeister Tobias Stockhoff. Das gelte etwa in dem Fall, wenn sich ein Hotspot beispielsweise ausschließlich in einer bestimmten Unterkunft entwickelt.

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