Coronavirus: Dorstener tüfteln beim Hackathon an digitalen Lösungen für die Krise

rn#WirVsVirus

Welche Apps und Programme braucht es in der Corona-Krise wirklich? Knapp 43.000 Freiwillige haben beim Hackathon der Bundesregierung an Lösungen gearbeitet - auch Dorstener waren dabei.

Dorsten

, 25.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit sieben sozialen Initiativen am vergangenen Wochenende einen riesigen Hackathon namens #WirVsVirus veranstaltet. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine Zusammenkunft von Hackern - das Wort „Hack“ meint in diesem Zusammenhang erforschendes Programmieren: Softwareentwickler und Programmierer arbeiteten gemeinsam an digitalen Lösungen für drängende Probleme in Zeiten der Corona-Krise.

An der 48-stündigen Aktion haben auch Dorstener teilgenommen. Ein Team des Softwareherstellers netTrek um Geschäftsführer Saban Ünlü entwickelt aktuell die Bedienoberfläche für ein System zur Personalplanung in Krankenhäusern. Den Bedarf hatte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf angemeldet.

Personalplanung in der Pflege meist mühsame Handarbeit

In vielen Krankenhäusern erfolgt die Personalplanung in der Pflege noch mühsam per Hand. Wegen der dünnen Personaldecke muss fast regelmäßig auf stationsfremdes Personal zurückgegriffen werden. Kommt jetzt noch eine Infizierung mit dem Coronavirus dazu, muss aufwendig zurückverfolgt werden, wer mit dem betroffenen Mitarbeiter zusammengearbeitet hat.

„Unser Ziel ist es, eine freie Open-Source-Alternative zu gängigen kommerziellen und oft sehr teuren Personalplanungsprogrammen zu entwickeln, die das Krankenhausbudget entlastet“, sagt Saban Ünlü.

Perspektivisch soll in das Programm auch ein sogenannter Corona-Score integriert werden, der von Algorithmen berechnet wird: Je häufiger Mitarbeiter Kontakt zu Infizierten oder Verdachtspersonen hatten, desto höher ihr Corona-Score, was dann bei der weiteren Personalplanung wieder berücksichtigt werden kann.

Website bündelt Informationen zu Unternehmen

Auch Pascal Gille hat sich am Hackathon beteiligt. Eine erste Version seines Projekts hat der Inhaber der MedienAgentur Dorsten streng genommen schon einen Tag vor der Aktion an den Start gebracht: Mit www.werhatzu.de hat er eine Plattform geschaffen, die dazu dienen soll, „gemeinschaftlich und schnell Informationen auszutauschen“, wie er sagt.

Pascal Gille war auch beim Hackathon dabei. Der Inhaber der „MedienAgentur Dorsten" hat die Plattform werhatzu.de entwickelt, auf der Informationen über geschlossene Geschäfte oder solche mit eingeschränkten Dienstleistungen in Zeiten der Corona-Krise gebündelt werden.

Pascal Gille war auch beim Hackathon dabei. Der Inhaber der „MedienAgentur Dorsten" hat die Plattform werhatzu.de entwickelt, auf der Informationen über geschlossene Geschäfte oder solche mit eingeschränkten Dienstleistungen in Zeiten der Corona-Krise gebündelt werden. © privat

Auf der Website können Unternehmen eintragen, ob sie aufgrund der Corona-Krise schließen mussten oder aktuell eingeschränkte Dienste anbieten. Die Einträge können auch anonym von Privatpersonen gemacht werden, dann werden sie vor Veröffentlichung aber noch einmal geprüft. „Wir arbeiten gerade an der neuen Version, die noch mehr Informationen enthalten soll“, so Pascal Gille. Verhaltenstipps beispielsweise oder aktuelle Zahlen zu Infizierten.

Um am Hackathon teilzunehmen, mussten sich die Entwickler auf einer dafür eingerichteten Internetseite registrieren. Am Freitag wurden die Teilnehmer dann auf virtuelle Räume verteilt, in denen sie bis Sonntagabend mehr oder weniger durchgehend an ihren Projekten arbeiteten. Kommuniziert wurde in Youtube-Konferenzen und per Messenger.

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„Das lief alles extrem professionell ab, obwohl so eine unfassbar große Menge Teilnehmer dabei war“, sagt Saban Ünlü. „Obwohl wir nicht selbst in einer systemrelevanten Branche tätig sing, war es dennoch toll, auf diese Weise etwas tun zu können.“

Jury wählt die besten Projekte aus

Insgesamt beteiligten sich rund 43.000 Freiwillige an der Aktion. Das sei „offenkundig der größte Hackathon, der jemals weltweit durchgeführt wurde“, sagte Helge Braun (CDU), Kanzleramtsminister und Schirmherr der Aktion der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bundesregierung will die besten Ideen nun schnell umsetzen. Bis zum kommenden Wochenende soll eine Jury die besten Projekte auswählen.