Coronavirus: Atlantis reagiert, Krankenhäuser beraten, Schulen in Dorsten ohne Notfallplan

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Auch Dorsten beschäftigt sich mit dem Coronavirus. Schulen, Reisebüros, Krankenhäuser und das Atlantis reagieren auf die Ankunft der Seuche in Nordrhein-Westfalen.

Dorsten

, 26.02.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht erst, seitdem es den ersten Corona-Fall in NRW gibt, führt an dem Virus im Atlantis-Freizeitbad kein (Gedanken)-Weg vorbei. Karsten Meyer, Geschäftsführer, hat sein Team generalstabsmäßig eingeschworen, um eine Ansteckung der Mitarbeiter oder der Kundschaft zu verhindern. „Wir haben sehr umfangreiche Vorsorgemaßnahmen im Atlantis getroffen.“

Corona in Dorsten

Atlantis hat ein "Waffenarsenal" gegen Corona: Mitarbeiter mit hochprozentigen Desinfektionsmitteln haben die Anweisung, halbstündlich die Sanitärräume zu reinigen. Im Eingangsbereich werden umgehend Apparate für die Handhygiene der Besucher aufgestellt. © Claudia Engel

Weitere Desinfektionsmittel für die Handhygiene seien geordert worden, Geräte für die Handhygiene würden im Eingangsbereich aufgestellt, die Mitarbeiter im Kassenbereich und im Lebensmittelbereich tragen ab sofort Handschuhe. „Man weiß ja nicht, ob der Euroschein nicht vorher in Italien im Umlauf war.“ Halbstündlich statt zweistündlich würden die Sanitärräume gereinigt, außerdem habe man angefragt, ob das Chlorwasser eventuelle Coronaviren ebenso gründlich abtöte wie das bei Grippeviren der Fall sein.

„Außerdem haben unsere Mitarbeiter strikte Anweisungen, zu Hause zu bleiben, wenn sie Anzeichen einer Virusinfektion spüren. Sie sollen dann Kontakt zum Hausarzt bzw. zum Kreisgesundheitsamt aufnehmen.“

Schulen haben keinen Notfallplan

Wesentlich gelassener ist der Schulleiter der St.-Agatha-Grundschule, Herbert Rentmeister. Nach den beweglichen Ferientagen rund um Karneval nehme das Schulleben seinen gewohnten Lauf. Herbert Rentmeister: „Das ist die reinste Hexenjagd, die wegen dieser Seuche ausgebrochen ist“, sagte er. Niemand rege sich bei einer Influenca- oder Magen- und Darmvirus-Welle auf. Deutschland habe ein ausgezeichnetes Gesundheitssystem und sei für den Ernstfall gut gerüstet, sagte Rentmeister.

Deswegen bräuchten die Schulen auch keinen individuellen Notfallplan. „Gibt es auch nur einen Fall von Corona in der Nähe der Dorstener Stadtgrenze, dann werden Schulen und andere Institutionen auf Anordnung des Kreisgesundheitsamtes ohnehin geschlossen, öffentliche Räume hermetisch für den Publikumsverkehr abgeriegelt, um eine Ausbreitung zu verhindern“, so Rentmeister.

Keine Räsenmähermethode im Kreis Recklinghausen

Kreissprecher Jochem Manz erklärte am Mittwoch, dass man im Fall der Fälle Einrichtungen nicht nach der Rasenmähermethode schließen würde: „Das machen wir vom Einzelfall abhängig. Wer ist betroffen? Schüler, Erzieher, Eltern?“ Der Kreis schlösse gezielt einzelne Einrichtungen, nicht gleich alle in einer Stadt.

Atemschutzmasken

Die Masken mit erhöhtem Schutzfaktor (FFP2) sind in den Dorstener Apotheken nahezu ausverkauft. © Claudia Engel

Während andere Dorstener sich noch theoretisch mit dem Fall aller Fälle beschäftigen, dürften Stefan Habel und Alexandra Dorschu aus Dorsten die ersten Dorstener gewesen sein, die hautnah die Auswirkungen der Corona-Seuche auf dem asiatischen Kontinent zu spüren bekommen haben.

Coronatests waren negativ

Am Freitag landeten die Eheleute nach 36-stündiger Rückreise von Kambodscha aus auf deutschem Boden. Frei bewegen dürfen sich die beiden Hochschulprofessoren nach ihrer zweiwöchigen Kreuzfahrt mit der Westerdam im südchinesischen Meer und der darauffolgenden fast einwöchigen Hotel-Quarantäne wegen eines mutmaßlichen Verdachtsfall an Bord ihres Schiffes aber nicht: „Ein Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes in Recklinghausen hat uns am Samstag zu Hause angerufen und gebeten, freiwillig eine weitere Quarantänezeit einzuhalten“, sagte Habel auf Anfrage der Dorstener Zeitung.

Obwohl ihre Coronatests negativ gewesen seien und auch kein einziger Passagier an Bord der Westerdam erkrankt sei, unterwarfen sich die Eheleute dem behördlichen Rat. „Unsere Angehörigen haben unseren Kühlschrank vor unserer Ankunft gefüllt. Unsere Arbeit erledigen wir in Abstimmung mit unserer Hochschulpräsidentin im Homeoffice.“ Das sei in der klausurenfreien Zeit gut möglich.

Krankenhäuser treffen sich zur Absprache

Auch das Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus bereitet sich auf mögliche Corona-Fälle vor. „Am heutigen Nachmittag treffen sich alle Krankenhäuser der Umgebung mit dem Gesundheitsamt und gucken, wie sie sich im Hintergrund aufstellen können“, sagte Birgit Böhme-Lueg, Sprecherin des Katholischen Klinikums Ruhrgebiet Nord (KKRN), am Mittwoch.

Im Kreis Recklinghausen gibt es zwei Krankenhäuser mit speziellen Isolierzimmern - das Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus ist eines davon, bei dem anderen handelt es sich um das Prosper-Hospital in Recklinghausen. Das Dorstener Krankenhaus verfügt über sechs solcher Zimmer mit zusätzlicher Schleuse und einem Überdruck-/Unterdrucksystem. Kreissprecher Jochem Manz erklärt: „Alle Krankenhäuser sind in der Lage, Personen zu isolieren. Die haben aber andere Schleusensysteme. Recklinghausen und Dorsten haben technisch eine andere Qualitätsstufe.“

Bei einer Grippewelle im St.-Elisabeth-Krankenhaus trugen die Mitarbeiter Schutzmasken. Noch hat das Dorstener Krankenhaus genügend Atemschutzmasken auf Lager.

Bei einer Grippewelle im St.-Elisabeth-Krankenhaus trugen die Mitarbeiter Schutzmasken. Noch hat das Dorstener Krankenhaus genügend Atemschutzmasken auf Lager. © Claudia Engel (A)

Nachlieferungen sind aktuell nicht möglich

Noch hat das Dorstener Krankenhaus genügend Atemschutzmasken auf Lager. „Schon alleine wegen der Grippewelle, die in diesen Monaten akut ist, haben wir da immer einen guten Vorrat“, so Böhme-Lueg. Jedoch kämen die Masken aus China und Nachlieferungen seien derzeit daher nicht möglich.

In den Dorstener Apotheken gibt es so gut wie keine Atemschutzmasken mehr. In der „Alte Markt Apotheke“ an der Essener Straße ist beispielsweise nur noch eine Maske vorrätig und die ist für den Eigenbedarf zur Herstellung bestimmter Medikamente gedacht. Kunden, die laufend in die Apotheke kommen und nach Masken fragen, gehen leer aus.

Gelassenheit im Reisebüro

Erstaunlich seien die Reaktionen der Dorstener Reisenden, sagte auf unsere Anfrage am Mittwoch das Dorstener Reisebüro Vospohl. „Wir haben mit deutlich mehr Nachfragen zum Coronavirus gerechnet. Insbesondere bei unseren Asienreisenden“, so eine Mitarbeiterin. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Lediglich ein Kunde habe seine bevorstehende Reise nach Peking storniert. Fazit bei Vospohl: „Die Dorstener sind sehr gelassen.“

  • Im Fall der Fälle greift der Katalog der Infektionsschutz-Maßnahmen.
  • Die erkrankte Person wird in ein Krankenhaus gebracht, isoliert und behandelt.
  • Dann wird abgeklopft, zu welchen anderen Personen sie in den vergangenen Tagen Kontakt hatte. Eine Inkubationszeit von 14 Tagen ist entscheidend, in der keine Symptome auftreten.
  • Der Kreis Recklinghausen kann zur Vorsicht eine häusliche Quarantäne für Einzelne aussprechen.
  • Außerdem kann der Kreis nach dem Infektionsschutzgesetz Veranstaltungen verbieten, Schulen und Kitas schließen.
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