Keine Schuleingangsuntersuchung? Erstklässler fallen nicht durchs Netz

Coronavirus

5400 Schulneulinge besuchen ab 13. August die Grundschulen. 623 in Dorsten. Nicht alle sind vor ihrem ersten Schultag untersucht worden. Das könnte problematisch für die Kinder sein.

Dorsten

, 12.07.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Feinmotorik, Sensorik - Lehrer und Kinder- und Jugendmediziner können aus Beobachtungen von Schulneulingen Schlüsse für Förderbedarf ziehen.

Feinmotorik, Sensorik - Lehrer und Kinder- und Jugendmediziner können aus Beobachtungen von Schulneulingen Schlüsse für Förderbedarf ziehen. © picture alliance / Markus Scholz

In diesem Jahr ist vieles anders. Durch die Corona-Pandemie gilt das auch für die Schuleingangsuntersuchung, die jedes Kind normalerweise vor dem ersten Schultag an einer Grundschule absolviert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass alle 623 Schulneulinge in Dorsten vom kinder- und jugendmedizinischen Dienst des Kreisgesundheitsamtes gecheckt worden sind. Wegen Corona konnten die Mitarbeiterteams 2020 von 5400 Kindern kreisweit rund ein Viertel nicht sichten.

Seit März mussten Untersuchungen ausgesetzt werden

Seit März, so eine Information des Kreises, mussten die Untersuchungen im Kreis Recklinghausen ausgesetzt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes wurden im Gesundheitsamt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingesetzt. Aktuell findet zwar wieder eine hohe Zahl an Untersuchungen statt, es werden aber nicht alle bis zum Schulstart am 12. August nachgeholt werden können.

Die Schuleingangsuntersuchung

  • Mit der Einschulung von Kindern ist in Deutschland die Schuleingangsuntersuchung verbunden. Die Einschulungsuntersuchungen werden in den Gesundheitsämtern nach einem einheitlichen Standard durchgeführt und bestehen aus ausführlicher Anamnese, einer körperlichen Untersuchung, bei der zum Beispiel das Hören, Sehen, Größe, Gewicht, Haltung und Beweglichkeit untersucht werden sowie der körperliche, geistige und soziale Entwicklungsstand des Kindes.
  • Diese Untersuchungen dienen dazu, die Gesundheit und den Entwicklungsstand eines Kindes einzuschätzen. Manchmal zeigen sich bei der Schuleingangsuntersuchung bisher unbekannte Befunde oder Beobachtungen. Diese werden mit den Eltern besprochen und an die jeweilige Grundschule übermittelt. So ist es möglich, dass die Lehrerinnen und Lehrer den besonderen Bedarf eines Kindes vom ersten Schultag an berücksichtigen können.

„Wir haben uns mit dem Schulamt und den Grundschulen im Kreisgebiet darüber verständigt, dass Kinder auch ohne vorangegangene Untersuchung eingeschult werden“, erklärt Dr. Wiebke Selle, Ressortleiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes beim Kreis Recklinghausen.

Wiebke Selle ist Ressortleiterin für Kinder- und Jugendmedizin beim Kreis.

Wiebke Selle ist Ressortleiterin für Kinder- und Jugendmedizin beim Kreis. © Jennifer Riediger

Ob eine Schuleingangsuntersuchung im Nachgang stattfinden wird, liegt im Ermessen der Schule. Diese würde nach Rücksprache mit den Eltern den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst auffordern, die Untersuchung nachzuholen. „Darüber informieren wir alle Eltern in einem Brief, zusätzlich versehen mit dem Hinweis, dass man sich natürlich mit allen Rückfragen an uns wenden kann“, so Dr. Selle.

Grundschulen sollen auf Auffälligkeiten achten

Gleichzeitig wurden die Grundschulen gebeten, auf Auffälligkeiten zu achten. „Es ist wichtig, dass wir in dieser besonderen Zeit Hand in Hand arbeiten. Die Lehrkräfte an den Schulen sind es, die die Kinder täglich sehen.“ Sollten sie etwas bemerken, geht eine Rückmeldung an den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst, der wiederum das Kind zur nachträglichen Schuleingangsuntersuchung einlädt.

Gleiches gilt, wenn die Grundschulen bereits beim sogenannten „Schulspiel“ für den Jahrgang 20/21 einen Anlass sehen, dass ein besonderes Auge auf ein Kind geworfen werden sollte. Das Schulspiel ist ein pädagogischer Vorschultest, bei dem die Kinder spielerisch Stationen durchlaufen.

Den nächsten Jahrgang im Blick

„Niemand weiß, wie sich die Corona-Situation entwickeln wird. Darum haben wir natürlich auch schon den nächsten I-Männchen-Jahrgang im Blick, der teilweise schon im November am Schulspiel der Grundschulen teilnehmen wird.“

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