Coronavirus: Notfallpatienten meiden die Notaufnahme - Lebensgefahr

rnCoronavirus

Kranke Dorstener scheuen sich zurzeit, den Notarzt anzurufen oder die Notaufnahme des Krankenhauses aufzusuchen. Sie spielen aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus mit ihrem Leben.

Dorsten

, 16.04.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sandra Spielbrink, ärztliche Leiterin der Zentralen Aufnahme am St.-Elisabeth-Krankenhaus Dorsten, hat eine Beobachtung gemacht, die sie mit vielen Kollegen in den Notaufnahmen anderer Krankenhäuser teilt.

Sandra Spielbrink ist Leiterin der Zentralen Notaufnahme am Dorstener Krankenhaus.

Sandra Spielbrink ist Leiterin der Zentralen Notaufnahme am Dorstener Krankenhaus. © Foto: G.Schmidt

„Auch wir verzeichnen seit einiger Zeit einen auffälligen Rückgang von Notfällen. Teilweise sind die Notfall-Patienten, wenn sie dann kommen, in einem schlechteren Zustand als vor der Coronakrise, da zu lange gewartet wurde.“

Die Zahl der Notfälle von Menschen mit akuten Herz-/Kreislaufproblemen, mit Anzeichen für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, ist nicht nur in Dorsten zurückgegangen. Dieses Phänomen wird in vielen Kliniken beobachtet; das Deutsche Ärzteblatt und die Deutsche Herzstiftung raten kranken Menschen dringend dazu, in Notfällen weiterhin die 112 anzurufen. Und zwar umgehend nach der Attacke.

Problem wird als bedrohlich bezeichnet

Sandra Spielbrink kann das nur unterstreichen, denn: „Wir empfinden dieses Problem als bedrohlich, da sich viele Patienten scheuen, den Notarzt anzurufen oder die Notaufnahme aufzusuchen – das kann mitunter lebensgefährlich werden. Und je früher Hilfe gerufen oder eingeholt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.“ Beim Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt es auf jede Minute an.

„Eine Verzögerung (der Behandlung) gefährdet Leben, erhöht den Schaden am Herzen und das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln“, schreibt das Deutsche Ärzteblatt. Während der Pandemie zögerten viele Menschen mit Herzinfarkt-Symptomen den Krankenhausaufenthalt hinaus oder würden ihn aus Angst, Covid-19 zu bekommen, vermeiden, heißt es weiter.

Starke Schmerzen, fahle Haut, kalter Schweiß

Starke Schmerzen im Brustraum, die mindestens fünf Minuten dauern, massives Engegefühl einhergehend mit Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch, kaltem Schweiß und fahler Haut nennt die Deutsche Herzstiftung als Notfallanzeichen, aber auch Ohnmacht sei ein Alarmsignal. Angehörige sollten sich daher nicht scheuen, Alarm zu schlagen, damit der Patient zur näheren Abklärung ins Krankenhaus kommt.

Sandra Spielbrink empfiehlt: „Bei kritischen Symptomen sollten Patienten weiterhin den Notarzt rufen oder unsere Zentrale Aufnahme aufsuchen, damit wir ihnen helfen können.“

Angst vor Ansteckung unbegründet

Angst vor Ansteckung müssten die Patienten nicht haben: „Sie sind bei uns gut aufgehoben. Unser Klinikverbund verfügt über hohe Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus.“

Lesen Sie jetzt

Zwei Container sind vor Tagen am Krankenhaus in Dorsten aufgestellt worden. Leser wollten wissen: Hat das etwas mit dem Coronavirus zu tun? Wir haben bei den zuständigen Stellen nachgefragt. Von Michael Klein

Lesen Sie jetzt