Stadt Dorsten greift durch: „Manche Leute kapieren es einfach nicht!“

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Alle Bitten und Appelle in der Corona-Krise haben offenbar nicht gefruchtet: Seit Donnerstag macht die Stadt Dorsten ernst. Bürgermeister Tobias Stockhoff fand deutliche Worte.

Dorsten

, 19.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Enttäuschung, aber auch die Entschlossenheit war aus den Worten des Bürgermeisters herauszuhören, als er berichtete, wie viele Menschen in Dorsten auf den jüngsten Erlass der NRW-Landesregierung reagieren - nämlich gar nicht. „Wir haben uns große Mühe gegeben, den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Aber manche Leute kapieren es einfach nicht!“

Knallharte Reaktion auf Unvernunft

Am Mittwoch war der Kommunale Ordnungsdienst nach Angaben der Ersten Beigeordneten Nina Laubenthal pausenlos im Stadtgebiet unterwegs gewesen, um Menschen von Spielplätzen zu vertreiben, Fußballer aus dem Bürgerpark Maria Lindenhof zu schicken oder Großeltern anzusprechen, die mit ihren Enkeln „einen Ausflug zum Wertstoffhof“ machten, so Stockhoff. Am Donnerstag griff die Stadtverwaltung zu härteren Maßnahmen.

  • Der Entsorgungsbetrieb riegelte den Wertstoffhof ab, weil „Mülltouristen“ wie am Tag zuvor Schlange standen.
  • Mitarbeiter des Bauhofs schraubten öffentliche Bänke ab, um den Aufenthalt im Freien ungemütlicher zu machen.
  • Auf Spielplätzen wurden Geräte entfernt, die „schnell und einfach zu demontieren waren“, erklärte der Bürgermeister. „Am Mittwoch waren manche Spielplätze rappelvoll, obwohl sie schon gesperrt waren.“ Klettergerüste oder Rutschen werden mit Flatterband abgesperrt.

Schaukeln auf Spielplätzen wurden demontiert, Rutschen und andere Spielgeräte mit Flatterband gesperrt.

Schaukeln auf Spielplätzen wurden demontiert, Rutschen und andere Spielgeräte mit Flatterband gesperrt. © Guido Bludau

Auch der Einzelhandel bekam sein Fett weg. Denn auf mitunter abenteuerliche Weise haben Unternehmen laut Stockhoff versucht, das Verbot der Ladenöffnung zu umgehen. „Ein Einrichtungshaus hat sich zum Baumarkt erklärt, da gab es eine sehr deutliche Ansprache.“

Ein Sonnenstudio fragte, ob es ein Club sei, andere versuchten „alle Tricks, um sich als Grundversorger darzustellen“, so Stockhoff. Der Kommunale Ordnungsdienst überprüfte auch zahlreiche Imbissbetriebe, die ihre Speisen ab 15 Uhr nur durchs Fenster und „mit Abstand“ verkaufen dürfen. „Auch da haben wir viele Hinweise aus der Bevölkerung bekommen, dass dies nicht befolgt wird“, sagte der Bürgermeister.

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Wichtig für Marktbesucher: Auf den Wochenmärkten gibt es ab sofort nur noch Waren des täglichen Bedarfs, aber keine Blumen oder Textilien mehr.

Die städtische Hotline (02362/663232) ist mittlerweile von 7 bis 12 und von 13 bis 18 Uhr (wochentags) bzw. 10 bis 14 Uhr (samstags und sonntags) besetzt, außerdem sind Fragen und Hinweise auch per E-Mail (corona.hotline@dorsten.de) möglich.

Mit einem Plakat zum Download bittet die Stadt Dorsten um Anstand und Abstand.

Mit einem Plakat zum Download bittet die Stadt Dorsten um Anstand und Abstand. © Stadt Dorsten

Am Donnerstag hat die Stadtverwaltung auf ihrer Homepage das Banner „Zeig Anstand! – Halt Abstand!“ zum Download freigeschaltet - zur Verwendung in Sozialen Medien, in E-Mail-Signaturen und zum Ausdrucken. Tobias Stockhoff hofft, dass die „nun wirklich von jedem zu verstehende Grundregel, um Infektionen mit dem Coronavirus möglichst zu vermeiden“, verstanden wird.

Ordnungsdienst bekommt Verstärkung

Da es aber ohne Kontrolle offenbar nicht geht, soll der Kommunale Ordnungsdienst in den nächsten Tagen personell verstärkt werden. Der Bürgermeister denkt dabei u.a. an Mitarbeiter des Freizeitbades Atlantis, das ja bis mindestens 1. Mai geschlossen ist.

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