Coronavirus: Trauer am Grab ist nur im engsten Familienkreis erlaubt

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Die Trauerhallen sind geschlossen. An Bestattungen dürfen maximal 15 Personen teilnehmen. Schwere Zeiten sind für trauernde Hinterbliebene noch schwerer geworden.

Dorsten

, 14.04.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer in Zeiten von Corona einen lieben Angehörigen beerdigen lassen muss, ist besonderen Belastungen ausgesetzt. Trauer im Kollektiv ist verboten, menschliche Nähe und Zuwendung sind nicht erlaubt, es sei denn, es handelt sich um allerengste Familienangehörige, die einander stützen wollen. Bestatter Johannes Lenert schildert auf unsere Anfrage, wie Bestattungen in Coronazeiten ablaufen.

„An den Bestattungen dürfen maximal 15 Personen teilnehmen, wir müssen Teilnehmerlisten an das Ordnungsamt der Stadt weitergeben“, sagt Johannes Lenert. Zugelassen zu Beerdigungen seien lediglich Ehepartner oder Lebensgefährten, Eltern und Geschwister.

Rigorose Regelungen gelten

Tatsächlich sind die neuen Regelungen seit dem Ausbruch des Coronavirus in unserem Land rigoros. Im Absatz 5 des Paragrafen 11 der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vom 22. März 2020 heißt es: „Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete im engsten Familienkreis, wenn die erforderlichen Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern eingehalten werden.“

1,5 Meter Abstand zum nächsten trauernden Angehörigen am offenen Grab? Eine enorme Belastungsprobe für alle Menschen, die selbstverständlich gerade in diesem Moment Halt bei anderen suchen. Den kann auch der Bestatter nur noch aus gebührender Distanz gewähren.

Kontakt zu den Angehörigen über Email und Telefon

„Der Kontakt zu den Hinterbliebenen wird überwiegend über Telefonate oder E-Mail geführt“, so Johannes Lenert. Das halte er persönlich für besonders problematisch: „Nähe im Gespräch oder Zeichen herzlicher Anteilnahme können so nur schwer vermittelt werden.“

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Auch sonst sei die Nähe zu den Angehörigen kaum herzustellen: „Wir können nicht mit der ganzen Familie sprechen. Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt“, sagt der Dorstener Bestatter. Was telefonisch erledigt werde könne, werde auch telefonisch gemacht. „Der Gang zum Standesamt ist begrenzt. Einige Standesämter nehmen die Unterlagen an und senden alles mit der Post oder per Boten zurück. Andere Ämter machen Termine und begrenzen so die Kontakte“, sagt Lenert.

Traurig sei zudem, dass die Angehörigen keine Möglichkeiten mehr haben, nach der Beerdigung in einem Café zusammenzukommen: „Die Tradition, zusammenzusitzen und über den Verstorbenen zu reden, entfällt.“

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