Vier gute Gründe, warum das neue Theaterstück von „Chamäleon“ sehenswert war

rnTheatergruppe Chamäleon

Ein Irrenhaus auf Schienen. So könnte man das Theaterstück „Stress im Champus-Express“ zusammenfassen. Wie man es von der Theatergruppe Chamäleon gewohnt ist, ging es richtig rund.

Dorsten

, 10.11.2019, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Komödie „Stress im Champus-Express“, die am Freitag- (8. November) und am Samstagabend in der Aula der Realschule St. Ursula am Nonnenkamp aufgeführt wurde, spielt im Bordbistro des Champus-Express‘ – einer privatisierten Zuglinie für gut situierte Fahrgäste, die auf der Fahrt bis Wien mit einem exklusivem Champusangebot verwöhnt werden sollen.

Auf die Einnahmen des Bistros im Champus-Express haben es die Räuber Kati (Marina Dibou) und Rudolf (Franz Schlüter) abgesehen. Die prall gefüllte Bistro-Kasse will das Diebespaar an sich nehmen und den einzigen Zwischenhalt in Freilassing, kurz vor Wien, zum Verschwinden nutzen.

Es gibt vier gute Gründe, warum das Stück sehenswert ist

Der erste Grund: Zu Anfang des Stücks kontrolliert Schaffner Eberhardt Wischnewski (Jochen Kozlowski), die Fahrkarten. Seine typische, in sich ruhende Bahnermentalität entlockt dem Publikum erste Lacher. Viele fühlten sich wohl an ihre eigenen Erfahrungen mit der Bahn erinnert.

Die Komödie nimmt den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn der Deutschen Bahn aufs Korn und treibt ihn auf die Spitze. Überhöhte Preise für Fahrkarten und Bordverpflegung, die den Namen Verpflegung eigentlich gar nicht verdient, unfreundliches Personal und verrückte Mitreisende.

Pathologin Piepenbrink (Nadine Fausten) vergleicht die im Bistro servierten Speisen mit von ihr sezierten Leichenteilen. „Nur Bekloppte an Bord“, so die flapsige Bistrokellnerin Gertrud. „Ich mache diesen Job nur, weil meine Beine zu kurz sind, um auf den Strich zu gehen.“

Der zweite Grund: der Überfall. Bistrokellnerin Gertrud (Monika Wansing) ist entsetzt, das Publikum jedoch kommt aus dem Lachen nicht heraus. Der scheinbar unkomplizierte Überfall nimmt eine überraschende Wendung, als die Durchsage kommt: „Wegen einer Störung des Betriebsablaufs hält der Zug nicht in Freilassing.“

Vier gute Gründe, warum das neue Theaterstück von „Chamäleon“ sehenswert war

Der scheinbar unkomplizierte Überfall im Champus-Express nimmt eine überraschende Wendung. © Ralf Pieper

So wird der Überfall für die Räuber bis zur Ankunft in Wien letztlich zum Spießrutenlauf. Immer wieder müssen sie improvisieren und ihre Beute in wechselnden Verstecken unterbringen. Wenn der Zug dann doch stoppt und die Polizei eintrifft, nimmt die Komödie immer mehr Fahrt auf und zieht das Publikum mit herrlich schräger Situationskomik in ihren Bann.

Der dritte Grund: Das Ensemble lieferte kurzweilige Unterhaltung und der Applaus des Publikums war wohlverdient. Für zusätzlichen Spaß sorgten kleine Missgeschicke auf der Bühne, wenn zum Beispiel Versicherungsvertreter Steffen Kaiser (Wolfgang Schulz-Wordell) sein Getränk versehentlich umstößt und es sich über sein Hemd ergießt.

Der vierte Grund: Das Stück bot den Schauspielern viel Raum, ihren Humor auf der Bühne auszuleben. „Man spürt deutlich, wie viel Spaß dem Ensemble das Schauspielern macht“, so Beate Haller in der Pause. „Und dieser Funke springt aufs Publikum über.“

In weiteren Rollen waren Dagmar Schulz-Wordell als Zugchefin, Renate Jakobuß als ältere Mitreisende, Kathrin Gille als Reinigungskraft, Claudia Nolte als Polizistin, Jan Schulz-Wordell als pöbelnder jugendlicher Fahrgast und Andreas Knüver als Fahrgast und Radsportler zu sehen. Regie führte Wolfgang Schulz-Wordell.

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