Das Kneipensterben schreitet auch außerhalb der Innenstadt voran

Leser meldeten sich

Nach unserem Artikel zum Kneipensterben in Dorstens Innenstadt meldeten sich viele Leser zu Wort und nannten weitere leerstehende Kneipen und Gaststätten. Die Gründe sind dabei ganz unterschiedliche.

DORSTEN

von Von Michael Klein

, 15.02.2012, 16:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Immer mehr Kneipen in Dorsten stehen leer.

Immer mehr Kneipen in Dorsten stehen leer.

Abgerissen wurde kürzlich der Gasthof Kruse an der Glück-Auf-Straße – hier sollen Seniorenwohnungen entstehen. Am Brunnenplatz gab es einen türkischen Sportvereintreff, viele Leute besuchten diese Art Gaststätte, um Sport zu schauen oder darüber zu diskutieren. Im vergangenen Jahr wurde die Einrichtung jedoch geschlossen. In Alt-Wulfen gab es mal den Schonnebecks Hof, den Jägerhof, die Gaststätte „Burgring“ – sie alle sind schon lange zu. In jüngster Zeit wurde die Wolfsschänke an der Dülmener Straße dicht gemacht, hier sollen nach Leser-Angaben Büroräume entstehen. In Barkenberg gibt es Leerstände in der Marktstube und im „i-Punkt“. 2010 hat auch die Pächterin vom „Haus Winter“ am Berliner Platz in Holsterhausen aufgeben müssen. „Das Haus wurde verkauft, Pacht und Steuern wurden zu viel, weil die alten Gäste weggestorben sind“, sagt sie. Vor allem das Frühschoppen-Geschäft brach komplett weg.Aus gesundheitlichen Gründen hat die Pächterin der Gaststätte „Mühleneck“ (Ecke Mühlenstraße/Idastraße) in Holsterhausen jetzt den Betrieb aufgeben müssen – wie es dort jetzt weitergeht, vermochte sie nicht zu sagen. Ein Dorstener schreibt, dass er früher gerne bei „Lansing“ an der Bochumer Straße Billard gespielt habe, jetzt steht auch diese fast 100 Jahre alte Kneipe leer. „Wir haben die Gaststätte als letzte Pächter im Mai 2010 geschlossen“, erklärt das Ehepaar Hansing. Dass die gastronomischen Betriebe aufgeben, ist für einen weiteren Leser „bei all den ganzen Kosten und Richtlinien“ kein Wunder. „Allein die Gema nehme bei TV-Übertragungen in Gaststätten „alles bis aufs Kleinste genau“: „Gerade der Fußball hält Kneipen am Leben.“ Eine Leserin, die vor mehr als zehn Jahren nach Dorsten gezogen war, glaubt, dass das Sterben der hiesigen Gastronomie-Szene auf eine „Mentalitätsfrage“ zurückzuführen sei. Im Rheinland gehöre die Kneipenkultur zum Alltag: „Meine Eltern gingen noch im hochbetagtene Alter sonntags in die Kneipe.“

Gegen die ihrer Meinung nach „negative Berichterstattung“ wendet sich eine Dorstenerin: „Es sollte doch eigentlich schnellstens aufgezählt werden, wo in Dorsten Kneipen offen sind“. Denn sonst blieben diejenigen, die sich spontan überlegen würden, an Weiberfastnacht auszugehen, "gleich zu Hause.“ Die Dorstener FDP befürchtet übrigens, dass sich durch die geplante Verschärfung des Nichtraucherschutzes durch die grün-rote Landesregierung das Kneipensterben noch verschärfen wird. Mit Info-Material bestückt wollen sich die hiesige FDP und die Jungliberalen an der landesweiten Aktionswoche der Liberalen beteiligen und die Dorstener Kneipen „abklappern“, um für die Beibehaltung der jetzigen Regelungen zu werben. Bei der winzigen Nichtraucherkneipe „Zum Lippetor“ brauchen sie es aber gar nicht erst versuchen: Da sind nämlich schon seit ein paar Wochen die Türen dicht.  

  

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