Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

rnTierheim Dorsten

Ausgesetzt, misshandelt, verhungert: Manchmal sind Menschen die Ungeheuer, vor denen sich Tiere fürchten. Wir haben die fünf berührendsten Fälle aus dem Tierheim Dorsten zusammengetragen.

von Julia Stefan

Hervest

, 30.06.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min


1. Ein Leben als Massenprodukt

Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

Diese Hühner wurden gerettet. © privat

Sie hatten zuvor noch nie die Außenwelt gesehen, kannten weder Gras noch frische Luft. Sie lebten in ihrem eigenen Dreck, unfähig, sich aufgrund klaustrophobischer Verhältnisse zu bewegen. Als die 200 Hühner von einem Verein aus einem Bodenhaltungsbetrieb gerettet wurden, waren sie aufgrund des ausgesetzten Stresses völlig zerrupft und verängstigt.

Das Dorstener Tierheim nahm einige der misshandelten Hühner auf, um die Tiere langsam wieder ans Leben heranzuführen. Noch in Quarantäne lernen sie plötzlich frisches Essen und Bewegungsfreiheit kennen. Dieser Lebenswandel macht sich auch optisch bemerkbar: Die vorher dürren Tiere nehmen wieder zu und bekommen ihre Federpracht langsam zurück.

2. Die Angst vorm Alleinsein

Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

Als Welpe landete "Blacky" direkt im Zwinger. © Julia Stefan

Als Welpe landete er direkt im Zwinger und die erste Familie, die ihn aufnahm, sah in ihm nichts weiter als einen Wachhund. Für eine viel zu lange Zeit verwahrloste Blacky einfach im Hofgelände in sozialer Isolation, ohne jegliche Liebe kennenzulernen. Glücklicherweise wurde er von einem entfernten Familienmitglied gerettet, doch die Jahre der Einsamkeit haben ihre Spuren hinterlassen: sein Leben wird nun bestimmt von Verlustängsten.

Das Alleinsein macht ihm Angst und obwohl der liebenswürdige Rüde auch mit anderen Hunden und Katzen klarkommt, wird er eifersüchtig, sobald er das Gefühl bekommt, sich sein Herrchen oder Frauchen teilen zu müssen. Grundkommandos beherrscht er, doch sucht er noch eine Familie, die ihn bestenfalls als Hofhund aufnehmen würde und mit viel Liebe, die er in seiner Jugend nicht erfahren konnte, an seinen Ängsten arbeitet.

3. Einfach ausgesetzt

Als die drei Ponys auf einem Parkplatz an der A 31 gefunden wurden, waren sie noch völlig abgemagert und verfilzt. Es wurde aufgrund fehlender Rückmeldung schnell klar, dass Moritz, Hedalgo und Kleiner Onkel 154 nicht etwa geflohen sind, sondern einfach ausgesetzt wurden. Das Tierheim Dorsten konnte die drei mit viel Pflege schnell wieder stabilisieren. Glücklicherweise haben die Drei mittlerweile eine neues Zuhause finden können.

Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

Diese drei Ponys warteten im Tierheim darauf, dass sie abgeholt wurden. © Michael Klein (Archiv)

4. Täglicher Kampf ums Überleben

Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

Luke war ein Straßenhund in Rumänien. © privat

Der Alltag ist ein Kampf des Überlebens, sobald man als kleiner Hund weder weiß, woher man Nahrung, genügend Wasser, Wärme in eisigen Temperaturen oder sonstige Pflege bekommt. Besonders Straßenhunde in Rumänien erwartet oft ein grausames Schicksal, seit dem 2014 das Gesetz eingeführt wurde, die herrenlosen Tiere auch mit Gewalt zu fassen, um sie innerhalb von einer Frist von zwei Wochen auf grausamste Art zu töten.

Luke konnte so ein Schicksal erspart werden, doch weiß man nicht, welche Misshandlungen er als Straßenhund erleiden musste: Eine Konsequenz seiner Traumata ist, dass er nun eine große Angst vor Männern hat. Im Tierheim empfindet er Stress, weshalb die Mitarbeiterin Julia Föster ihn vorerst zu sich nach Hause aufgenommen hat, wo er um einiges entspannter sein kann. Trotzdem sucht Luke noch ein erfahrenes Frauchen, die ihn konsequent erziehen kann, um den verspielten Clown aus ihm herauszulocken.

5. So genommen, wie sie ist

Das sind die fünf berührendsten Fälle aus dem Dorstener Tierheim

Katze "Maddy" ist ein besonderer Pflegefall. © privat

Daran, dass es auch außerhalb des Tierschutzvereins viele Menschen gibt, die ein großes Herz für Tiere haben, erinnert Maddys Fall. Die kleine sechs Jahre alte Katze war zwar schon immer liebenswürdig und verschmust, doch ein besonderer Pflegefall: Denn durch eine angeborene Fehlbildung hatte sie verkrüppelte Vorderbeine. Trotz des Makels hat sie aber ein schönes und sicheres Zuhause gefunden, in dem der neue Besitzer ihre Umgebung so gestaltet, dass sie nun trotz Behinderung ein normales und glückliches Katzenleben führen kann.

Sommerfest des Tierheims zum 60. Geburtstag

Um noch mehr solcher Geschichten aus erster Hand zu hören und die Mitarbeiter kennenzulernen, feiert das Tierheim nun am 7. Juli (Sonntag) sein 60-jähriges Bestehen. Neben zahlreichen Verkaufs- und Infoständen rund ums Tier werden an der Ellerbruchstraße 60 vegane Speisen, Kaffee, Kuchen und ein volles Programm angeboten: unter anderem ein Grußwort des Bürgermeisters um 11 Uhr, eine einstündige Foto- und Autogrammstunde des Maskottchens Erwin vom FC Schalke 04. Auch für Kinder ist mit einem Basteltisch und Kinderschminke gesorgt.

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