Leerstand als Chance: Wie geht es weiter mit der Passage am Franziskaner-Kloster?

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Nach dem Zeeman-Auszug steht die Passage am Franziskaner-Kloster bald komplett leer. Die Stadt wollte den Bereich schon vor Jahren umgestalten. Jetzt könnte ein neuer Anlauf genommen werden.

Dorsten

, 19.11.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stein um Stein verlegen Arbeiter seit Monaten in der Dorstener Innenstadt. An der Passage am Franziskaner-Kloster endet die neue Pflasterung allerdings. Die Passage ist Privateigentum des Franziskanerordens und als solches bislang nicht Teil der groß angelegten Umgestaltung der Fußgängerzone - und sie steht nach dem Auszug des Textildiscounters Zeeman (DZ+) ab Ende November komplett leer. Leerstand in der Innenstadt ist eigentlich nie etwas Gutes, aber im Fall der Passage könnte er auch eine Chance sein.

Kirche und Erdgeschoss des Klosters sind durch eine Überdachung miteinander verbunden. Diese werde „funktional nicht mehr benötigt“, wie Stadtplaner bei der Erstellung des Innenstadtkonzepts „Wir machen Mitte“ schon vor Jahren festgestellt haben.

„Störelemente in der Fußgängerzone“

Zu einem möglichen Umbau der Passage heißt es im Konzept weiter: „Die Überdachungen wirken als Störelemente in der Fußgängerzone, erzeugen ein unruhiges gestalterisches Bild und wirken als Angsträume.“ Die Idee der Planer: ein Rückbau des dunklen Fußgängertunnels, um die Passage insgesamt freundlicher zu gestalten.

Immobilienmakler Dr. Christian Vogdt begleitet und berät die Franziskaner schon seit vielen Jahren. „Der Weggang von Zeeman bedeutet die Notwendigkeit, aber gleichzeitig auch die Gelegenheit, über die künftige Verwendung der gewerblichen Nutzungsfläche nachzudenken“, sagt er.

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Das Gebäude sei in einer Zeit entstanden, in der man bewusst variabel aufteilbare Gebäude gebaut hat, um eine gewisse Flexibilität sicherzustellen. Durch den kompletten Leerstand ergibt sich nun die Möglichkeit, die zurzeit auf mehrere Ladenlokale aufgeteilte Fläche auf einen Schlag zu vermieten.

„Die Chance liegt mit Sicherheit darin, dass wir hier rund 400 Quadratmeter Fläche in bester Kauflage haben“, sagt Vogdt. Man befinde sich seit geraumer Zeit in Gesprächen mit der Stadt und kenne die Überlegungen. „Jetzt über alle möglichen Veränderungen zu spekulieren, macht aber keinen Sinn.“

Kloster und Kirche bald unter Denkmalschutz?

Zumal aktuell auch im Raum steht, das Franziskaner-Kloster unter Denkmalschutz zu stellen. Ein entsprechendes Gutachten der Fachdienststelle Denkmalschutz und Denkmalpflege für Westfalen-Lippe zur Denkmalwürdigkeit des Klosters liegt der Stadt vor. „Die mögliche Eintragung in die städtische Denkmalliste - darüber entscheidet die Fachdienststelle mit der Stadt im Benehmen - ist derzeit aber noch in Prüfung“, heißt es von der städtischen Pressestelle.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher und Mitglieder in Kirchengemeinden geht in vielen Kommunen seit Jahren zurück. Deshalb werden zahlreiche sakrale Gebäude außer Betrieb gestellt. Findet sich keine geeignete Nachnutzung, droht vor allem Kirchen aus der Nachkriegszeit häufig der Abriss. Um den Bestand zu schützen, prüfen Landschaftsverbände seit Jahren die Denkmalwürdigkeit von Kirchen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Dieser Status kann bei Umbau oder Neunutzung der Sakralbauten aber auch eine erhebliche Einschränkung bedeuten.

Sieben Ordensbrüder leben im Kloster

Im Dorstener Franziskaner-Kloster leben aktuell sieben Ordensbrüder. Im Januar ziehen zwei weitere ein. „Fast alle Brüder im Haus sind über 80“, sagt Bruder Tobias Ewald. Mit Ausnahme von Guardian Tobias Ewald sind die Brüder nicht mehr berufstätig. Sie feiern Gottesdienste in der Klosterkirche oder in Altenheimen und unterstützen den pastoralen Notdienst. Ansonsten bestimmen gemeinsame Gebetszeiten und Mahlzeiten den Alltag im Kloster.

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