Bernd Saalfeld (v.l.), Brigitte Stüwe sowie Irene und Jürgen Upadek freuen sich, dass die Litfaßsäule die Forderung nach Respekt am Standort des besudelten Kunstwerks verstärkt. © Petra Berkenbusch
Fadenkunstwerk

Der Kampf um Respekt geht weiter – Demokraten beugen sich nicht

Nachbarn passen auf, die Polizei ermittelt, Demokraten und die Künstlerin lassen sich nicht einschüchtern: Sie beugen sich den Angriffen gegen das Respekt-Kunstwerk in der Feldmark nicht.

Nein, sie werden nicht weichen in ihrem Kampf gegen den Ungeist von Intoleranz und Respektlosigkeit. Künstlerin Brigitte Stüwe will ihr Fadenkunstwerk mit dem Respekt-Schriftzug eines Tages „auf jeden Fall wieder herstellen“. Die Ideenfabrik Stadtsfeld verspricht: „Reißt das Kunstwerk 100-mal um, wir bauen es 101-mal wieder auf. Ihr könnt Respekt nicht zerstören.“

Bernd Saalfeld, der neue Vorsitzende des Kunstvereins „Virtuell-Visuell“, will sich ebenfalls nicht dem „bösen Willen“ beugen, der sich immer wieder an dem eindrucksvollen Kunstwerk an der Ecke Marler Straße/Händelstraße entlädt. Für ihn sind die Schmierereien ganz klar „politische Provokationen“. Er ist sicher: „Das sind keine Dumme-Jungen-Streiche mit der Sprühpistole.“ Für ihn sind die Taten auch ein Angriff auf die Kunst im öffentlichen Raum, „den wir nicht zulassen dürfen.“

Anwohnerin Irene Upadek stimmt ihm voller Überzeugung zu. Sie und ihr Mann Jürgen wohnen direkt hinter der Grünfläche, auf der der Respekt-Schriftzug in diesem Jahr aufgestellt worden ist. Sie haben mehrfach die Polizei gerufen, wenn sie wieder feststellen mussten, dass es mit Nazi-Parolen beschmiert worden war. Irene Upadek: „Ich bin nicht bereit, mich damit abzufinden, dass das jetzt immer so weitergeht. Es darf nicht sein, dass so etwas bei uns, unter uns in unserer Mitte passiert. Das ist einfach nicht hinnehmbar.“

Plakat statt Kunstwerk
Vorübergehend ersetzt ein Plakat das kunstvolle Gewebe von Fäden. © Petra Berkenbusch © Petra Berkenbusch

Übergriffe geschehen schnell und lautlos in der Nacht

Am liebsten würde das Ehepaar den oder die Täter auf frischer Tat erwischen und gleich die Polizei alarmieren, aber bisher geschahen die Übergriffe offenbar immer schnell und lautlos in der Nacht. So bleibt nur die Hoffnung auf „Kommissar Zufall“ – oder die Einsicht bei dem oder den Tätern, dass sich die Mehrheit der Dorstener ihrem respektlosen Tun nicht beugen will und an genau dieser Stelle immer wieder aufs Neue für Respekt werben wird.

Irene Upadek freut sich jedenfalls darüber, dass der Dorstener Stadtdialog für Menschenwürde, Demokratie und Respekt das seit einiger Zeit auch unübersehbar an der Litfaßsäule neben der kleinen Grünfläche bekundet. Dort sprechen die von Marc Kiecok gestalteten Plakate eine deutliche Sprache.

Das Kunstwerk ist verletzlich, aber auch unbeugsam

Auch Brigitte Stüwe will nicht zurückweichen: „Ich werde das Fadenkunstwerk sicher wieder herstellen, auch wenn es besonders verletzlich ist.“ Die schockierende Entwicklungen der sich wiederholenden „Anschläge“ will sie allerdings erstmal abwarten. Bis dahin wird weiter Geld gesammelt für die Wiederherstellung.

Die inzwischen bereits dritte Übergangslösung beweist die Widerstandsfähigkeit der Demokraten. Ein Foto vom Kunstwerk brandmarkt die Respektlosigkeit der Hakenkreuz-Schmierer.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch