Der steinige Weg zu mehr Schutz für Bewohner von Pflegeeinrichtungen

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Ein Wohlfahrtsverband ist den komplizierten Weg zu Antigentests für Pflegeeinrichtungen und Altenheime schon gegangen. Fragen zur Schulung des Personals und zum Ablauf sind noch ungeklärt.

Dorsten

, 02.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Altenheime gehören zur Risikogruppe, sie würde eine Infektion mit SARS-CoV2 vermutlich besonders hart treffen. Testungen stellt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales als sinnvolles Mittel dar, um Infektionsketten zu durchbrechen und Menschen in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen zu schützen.

Dabei setzt die Politik auch auf Schnelltests, sogenannte PoC-Tests – im Grunde eine Art Minilabor für unterwegs. Das Ergebnis liegt in wenigen Minuten vor. Das Land NRW hat in einer Allgemeinverfügung den Ablauf von der Test-Beschaffung bis zur Testung selbst geregelt. Denn: Pflegeeinrichtungen müssen sich selbst um die Test-Kits kümmern, wollen sie sie verwenden. Doch erstmal brauchen sie das Okay des zuständigen Gesundheitsamtes.

Klingt kompliziert? Ist es auch. „Die Einrichtungen sind aufgerufen, dem Gesundheitsamt ein Testkonzept zukommen zu lassen“, erläutert Kreissprecherin Lena Heimers den entsprechenden Absatz 2 der Allgemeinverfügung.

Die AWO war der erste Träger, der ein Testkonzept einreichte

Die AWO Westliches Westfalen reichte bereits am 19. Oktober ein Konzept beim Kreisgesundheitsamt ein und ist damit der erste Träger, der sich um die Erlaubnis, Schnelltests kaufen zu dürfen, bemühte.

Schriftlich teilt die Pressestelle der AWO auf Anfrage mit, dass sie bei der Antragsstellung auf die Erfahrung der 58 stationären Pflegeeinrichtungen und die vom Bundesgesundheitsministerium bereitgestellte Hilfestellung zum Verfassen solch eines Antrags bauen konnte.

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Die AWO gibt aber auch zu, dass sie im Nachhinein das nun bindende Testkonzept nicht so früh eingereicht hätte, hätte sie damals schon absehen können, dass viele Fragen durch den Gesetzesgeber noch nicht geklärt sind.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

Beispielsweise sei unklar, wer das Personal hinsichtlich der Testdurchführung schulen soll. Die AWO wünscht sich, dass das Land NRW schnell ein Verfahren entwickelt, das die Schulungen verbindlich regelt. Klar sei auch noch nicht, wie die Testergebnisse datenschutzkonform gemeldet werden sollen.

Erst Mittwochnachmittag (28.10.) habe die neue AV Pflege und Besuche des Landes NRW für etwas mehr Klarheit sorgen können.

Die Grafik veranschaulicht die Teststrategie und zeigt, wer unter welchen Umständen auf das Coronavirus getestet werden kann.

Die Grafik veranschaulicht die Teststrategie und zeigt, wer unter welchen Umständen auf das Coronavirus getestet werden kann. © Bundesministerium für Gesundheit

Auch sorgt sich der Wohlfahrtsverband um die Testbeschaffung: „Zunächst schien der Bezug der Tests kein Problem zu sein. Zwischenzeitlich scheint es aber doch Lieferprobleme zu geben. Der Bedarf wird steigen, da neben der stationären Pflege auch die Ambulante Pflege und die Eingliederungshilfe Anspruch auf Tests haben. Allein in NRW werden voraussichtlich mehrere Millionen Tests benötigt“, erläutert die AWO Westliches Westfalen auf Anfrage.

1900 Test monatlich für die Senioren in Dorsten

Das Seniorenzentrum in Wulfen-Barkenberg, das über 95 Plätze verfügt, habe im Monat Anspruch auf 1900 Tests, lege man die Bundestestverordnung zugrunde, die mit 20 Tests monatlich je versorgtem Bewohner rechnet. Die Antigentests sollen für die Bewohner, deren Besucher und das Personal zur Verfügung stehen. Die AWO verfolgt damit zwei Strategien: erstens einen optimalen Schutz vor SARS-CoV-2 für Bewohner und Beschäftigte und zweitens das Ermöglichen von Besuchen.

Je Test bekommt das Seniorenzentrum 7 Euro erstattet. Noch reiche dieser Betrag aus. Ob die Beschaffungskosten der PoC-Tests durch die erhöhte Nachfrage anziehen werden, bleibe abzuwarten.

Ein weiteres Problem sind die zusätzlichen Arbeitsstunden, die für das Testen veranschlagt werden müssen. Bezogen auf das Dorstener Seniorenzentrum wären das laut AWO bei 20-minütiger Testdauer monatlich 633 Arbeitsstunden. Das seien etwa vier Vollzeitkräfte. Die Arbeitsmarktsituation und die vielen Pflege-Beschäftigten in Quarantäne machen Neueinstellungen schwierig.

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