Klare Kante: Die Lehren aus dem Skandal im Dorstener Jugendamt

rnJugendamt Dorsten

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes in Dorsten hat offenbar Vertrauen missbraucht und im großen Stil betrogen. Selbst wenn es ein Einzellfall ist, muss es Konsequenzen geben - ein Kommentar.

Dorsten

, 14.12.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie war es möglich, dass ein Mitarbeiter des Jugendamtes offenbar über Jahre betrogen hat, ohne dass es auffiel? Die Antwort der Stadtverwaltung auf diese entscheidende Frage ist so einfach wie unbefriedigend: Es wurde Vertrauen missbraucht. Und ja, er hat sich „geschickt“ verhalten, wenn so man will, weil er nur Dinge angeschafft hat, die man auch mal im Jugendamt braucht.

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Der Verdächtige muss sich seiner Sache sehr sicher gewesen sein. Er kannte die Abläufe und wusste, dass die Chancen gut stehen, unentdeckt zu bleiben, wenn er seine Einkäufe halbwegs gut tarnt. Da muss man schon genauer hinschauen, damit es auffällt. Und genau das ist nicht passiert.

Niemand kann erwarten, dass jede kleine Ausgabe gegengezeichnet, kontrolliert, freigegeben wird. Das lähmt Arbeitsabläufe, führt zu Verzögerungen, und ja: Es nervt auch. Aber in regelmäßigen Abständen sollte dann doch mal überprüft werden, ob alle Ausgaben schlüssig sind, ob mit dem Budget verantwortungsvoll umgegangen wurde. Es handelt sich um Steuergelder.

Warum hat es seit Jahren keine Inventur gegeben?

Es gibt keinen Generalverdacht

Hier behutsam die Kontrollmechanismen zu verbessern, muss eine Konsequenz aus diesem Skandal sein. Behutsam deshalb, weil im Rathaus niemand unter Generalverdacht gestellt werden darf. Es gibt EINEN Fall von Unterschlagung, nicht 1000. Und so etwas passiert leider auch in vielen anderen Behörden und Unternehmen.

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Unerklärlich deshalb, warum die Stadtspitze erst am Mittwoch und auch nur auf Nachfrage den schlimmen Verdacht einräumte. Der Mitarbeiter war seit Ende November suspendiert. Niemand konnte ernsthaft glauben, dass dies im Rathaus bleibt. So etwas spricht sich herum, intern, aber eben auch in Familien und Freundeskreisen.

Krisenmanagement geht besser

Das wäre es besser gewesen, schon vor zwei Wochen in die Offensive zu gehen. Eine Mitteilung zum Sachverhalt, weitere Antworten nach Abschluss der internen Ermittlungen. Sonst entsteht schnell der Eindruck, man möchte etwas verheimlichen.

Bürgermeister Tobias Stockhoff hätte gut daran getan, in dieser prekären Situation voranzugehen, sich öffentlich zu einem schlimmen, aber eben auch einmaligen Vorfall zu bekennen und sich vor seine vielen loyalen Mitarbeiter im Rathaus zu stellen. Es war und ist eine besondere Situation, keine Frage, aber trotzdem muss das Krisenmanagement besser sein.

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