Die Narren stürmten das Rathaus

Machtübernahme

Passend zum stürmischen Wetter stürmten an Weiberfastnacht auch die Dorstener Karnevalisten das Dorstener Rathaus, um Bürgermeister Tobias Stockhoff bis Aschermittwoch zu entmachten und den Schlüssel an sich zu reißen. Wild entschlossen brachte das Stadtprinzenpaar, Günter I. und Karola I., den Rammbock in Position, und schon nach drei bis vier Stößen gegen die Rathaustüren war der Widerstand gebrochen. Die Eindringlinge wurden von den „Eroberten“ freundlich mit einem Gläschen Sekt, Berliner Ballen und donnernden „Helau-Rufen“ empfangen.

Dorsten

, 23.02.2017, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Narren stürmten das Rathaus

Kein Erbarmen kennen die närrischen Regenten. Mit Anlauf wird die verschlossene Tür gestürmt.

"Legt sofort die Arbeit nieder. Bis Aschermittwoch wird hier nix mehr getan, nur gefeiert." Die Megafon-Attacke von Karnevalsprinz Günter I. beim Rathaussturm an Weiberfastnacht begrüßte die Belegschaft der Dorstener Stadtverwaltung mit großem Jubel. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hatte das Festkomitee Dorstener Karneval wieder einmal zum Sturm auf das Rathaus geblasen.

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So jeck war der Sturm aufs Rathaus

Zum ersten Mal seit vielen Jahr gab es an Weiberfastnacht (23.2.) wieder einen Rathaussturm. Das Stadtprinzenpaar, Günter I. und Karola I., übernahmen Schlüssel und Macht bis zum Aschermittwoch.
23.02.2017
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Das Stadtprinzenpaar mit seinem Gefolge bringt sich mit dem Rammbock in Stellung.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Schmucke Musketiere vom Holsterhausener Karnevalsverein verstärken die Erstürmer.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Jetzt geht´s los: Zur Attacke ruft das Prinzenpaar Günter I. und Prinzessin Karola I.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Entschlossen bringen die Erstürmer ihren Rammbock in Stellung.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Kein Erbarmen kennen die närrischen Regenten. Mit Anlauf wird die verschlossene Tür gestürmt.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Hau-Ruck: Erbarmungslos attackiert das Prinzenpaar mit dem Rammbock die Eingangstür zum Rathaus.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Geschafft. Der Widerstand ist gebrochen. Die Tür geöffnet. Das Rathaus erobert. Jetzt gehört alle Macht den Narren.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Nur von Prinzessin Karola I. höchstpersönlich lässt sich Bürgermeister Tobias Stockhoff seinen Schlips abschneiden.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Der entmachtete Bürgermeister von Dorsten hält schön still, als Gudrun I. die Schere ansetzt. Man will ja schließlich keine Verletzungen davontragen.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Das Schlipsende ist ab! Gudrun I. wird sich nun die wichtige Trophäe des Weiiberfastnachtstages ans Dekollete heften.© Foto: Anke Klapsing-Reich
"Legt sofort die Arbeit nieder. Bis Aschermittwoch wird hier nichts mehr gemacht!" Die Megaphon-Durchsage von Prinz Karneval löst großen Jubel bei der Belegschaft der Stadtverwaltung aus.© Foto: Anke Klapsing-Reich
"Legt sofort die Arbeit nieder. Bis Aschermittwoch wird hier nichts mehr gemacht!" Die Megaphon-Durchsage von Prinz Karneval löst großen Jubel bei der Belegschaft der Stadtverwaltung aus.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Ein Gläschen Sekt am Vormittag ist nur Weiberfastnacht im Rathaus erlaubt.© Foto: Anke Klapsing-Reich
... und nach dem Stürmen ein leckerer Berliner.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Bevor Bürgermeister Stockhoff den Rathausschlüssel abgibt, muss das Prinzenpaar noch elf Quizfragen zur Stadtgeschichte lösen.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch haben die Dorstener Narren die Macht im Dorstener Rathaus übernommen.© Foto: Anke Klapsing-Reich
Schlips ab, Schlüssel weg - Dorsten, Helau!© Foto: Anke Klapsing-Reich
Bürgermeister Tobias Stockhoff musste seinen Schreibtisch räumen: Günter I. hat für die tollen Tage die Amtsgeschäfte in Dorsten übernommen. Da der Prinz allerdings im Moment nahezu ausschließlich repräsentativ unterwegs ist, hat er Tobias Stockhoff zu seinem Vertreter im Amt bestimmt!© Foto: Stadt Dorsten
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Dass außer den "organisierten" Narren nur wenig Bürgerbeteiligung zu beobachten war, lag zum einen sicherlich am stürmischen Wetter, zum anderen vielleicht auch an der fehlenden Zeit, denn "nicht jeder kann sich dafür freinehmen", zeigte das Stadtprinzenpaar Verständnis.

Dafür waren Günter I. nebst seiner liebreizenden Karola I. und ihrem Gefolge umso entschlossener, die Rathaustüren zu sprengen und die Herrschaft in Dorstens Machtzentrale an sich zu reißen: "Wir haben dem Bürgermeister schon gedroht, Widerstand sei zwecklos, denn notfalls stürmen wir auch mit Leitern die Fassade." Darauf der Bürgermeister scherzhaft: "Dann werden wir heißes Wasser, Steine und Müll auf euch schütten, wie die tapferen Dorstener Frauen, die bei der Belagerung im Truchsessischen Krieg 1588 die Stadt erfolgreich vereidigt haben."

Mit Papprolle gegen die Türen

Doch Gott sei Dank sollte es nicht zu diesem Kräftemessen kommen. Drei-, viermal die als Rammbock getarnte Papprolle gegen die Rathaustüren gewuchtet, und schon öffnete sich der Eingang. Dahinter rief keine verschreckt-entsetzte Menge um Hilfe, sondern ein gut gelaunter Bürgermeister "Helau!" Sogleich bot er unterwürfigst seine Krawatte an, die die schnittige Karola I. nach alter Weiberfastnachtssitte - schnipp - deutlich verkürzte, bevor sie ihr Dekolleté mit der Trophäe schmückte.

Stadt-Quiz

Den Schlüssel wollte der Bürgermeister aber nicht so leichtfertig aus der Hand geben. "Erst müsst Ihr mir elf Fragen zur Stadtgeschichte beantworten", forderte er das Prinzenpaar zum Quiz mit kniffligen Kopfnüssen heraus. "Wie breit ist Dorsten in Kilometern von West nach Ost gemessen - neun, elf oder 13 Kilometer?" Da hätte Günter I. gerne seinen Publikumsjoker gezogen, entschied sich dann aber doch fürs Bauchgefühl: "Ich sage mal ,elf’ , denn elf ist eine karnevalistische Zahl und die bringt uns sicher Glück." Richtig! Darauf ein dreifach donnerndes "Helau".

Schließlich musste Bürgermeister Stockhoff dann doch den goldenen (Papp-)Schlüssel der Stadt ausliefern. Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch hat er im Rathaus nichts mehr zu vermelden. Und was mit seinem schönen Schlips passiert ist, das muss er zu Hause auch erst einmal erklären.

Testen Sie ihr Wissen zur Stadtgeschichte

Die Herausforderung, der das Prinzenpaar sich stellen musste, können auch Sie annehmen - beantworten Sie hier die elf Fragen zur Dorstener Stadtgeschichte.

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