Immer häufiger gibt es Unfälle auf der A31 im Bereich Dorsten/Schermbeck. Manchmal muss sogar ein Rettungshubschrauber eingesetzt werden. © Guido Bludau (A)
Unfall-Statistik

Die Schreckensbilanz der Polizei: Immer mehr Unfälle auf der A 31

Auf der A 31 im Bereich Dorsten/Schermbeck kracht es immer häufiger. Das belegen aktuelle Zahlen der Autobahnpolizei. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Situation nochmals verschärft.

Die Strecke ist nur 15 Kilometer lang, doch sie dürfte die unfallträchtigste auf der gesamten Autobahn 31 sein. Zwischen Bottrop und Schermbeck hat es im ersten Halbjahr 2021 nach Angaben der Autobahnpolizei Münster in beiden Fahrtrichtungen insgesamt 116 Unfälle gegeben. „Meist blieb es bei Blechschäden, aber bei zwölf Unfällen wurden auch Menschen verletzt“, sagte Polizeisprecherin Lydia Pokriefke auf Anfrage.

Damit hat sich die Zahl der Unfälle gegenüber dem Vorjahr nochmals erhöht. Im ersten Halbjahr 2020 gab es im Bereich Dorsten/Schermbeck 78 Kollisionen, zehn Menschen wurden dabei verletzt. Im gesamten Jahr 2019 registrierte die Autobahnpolizei zwischen Bottrop und Lembeck/Rhade 283 Unfälle, mehr als die Hälfte aller Unfälle auf dem 240 Kilometer langen „Ostfriesenspieß“.

Kritiker fordern seit Langem ein Tempolimit auf dieser schnurgeraden Autobahn, die Autofahrer offenbar zum Rasen „verführt“. Ihnen liefert die Polizei nun erneut Argumente. „Unangepasste Geschwindigkeit und zu geringer Sicherheitsabstand“ sind nach Angaben von Polizeisprecherin Pokriefke die Hauptursachen für die Unfälle.

Polizei kann kein Tempolimit beschließen

Doch ein Tempolimit kann nicht die Polizei verfügen, das ist Sache einer Unfallkommission der Bezirksregierung Münster. Sie wertet die Daten der Polizei aus und beschließt weitere Schritte, wenn sie einen sogenannten „Unfallhäufungspunkt“ ausmacht. Das war zum Beispiel vor einem Jahr der Fall, als auf dem letzten Abschnitt der A 31 vor dem Kreuz Bottrop Tempo 80 eingeführt wurde.

Die Experten werden womöglich bald wieder Beratungsbedarf haben, denn der Negativtrend der ersten Monate setzt sich auf der A 31 fort. Einige Beispiele: Anfang Juli fuhr ein Pkw-Fahrer auf ein Wohnmobil auf, wenig später verlor der Fahrer eines Wagens mit Pferdeanhänger die Kontrolle über sein Gespann.

Auch in der Baustelle kracht es immer wieder

Ende Juli wurden bei einem Massenunfall in Höhe Dorsten sogar 17 Menschen verletzt, Ursache war in diesem Fall allerdings ein Reifenplatzer. Im August lenkte eine Mutter mit zwei Kindern ihren Wagen in die Mittelleitplanke. Vor einer Woche schließlich überschlug sich ein Audi Q7 mehrfach, bevor er jenseits der Leitplanke in einer Böschung landete.

Auch die Baustelle zwischen Kirchhellen und Dorsten-Hardt mit reduzierter Geschwindigkeit schützt vor Unfällen nicht. Wie die Autobahnpolizei Münster bestätigte, hat es dort binnen drei Monaten elfmal gekracht.

Positiv bleibt einzig: Menschen kamen in diesem Jahr auf der A 31 im Bereich Dorsten noch nicht ums Leben.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker