Nach einem Hacker-Angriff auf die Stadt Witten hat die Dorstener Stadtverwaltung ihre Mitarbeiter nochmals für Sicherheitsmaßnahmen sensibilisiert. © picture alliance / Oliver Berg/dpa
Cyber-Attacke

Die Sorge der Stadt Dorsten vor einem Hacker-Angriff ist groß

Nach der Hacker-Attacke auf die Stadt Witten herrscht im Dorstener Rathaus Alarmbereitschaft. Sicherheitsregeln werden in Erinnerung gerufen - und auch unangenehme Fragen abgeblockt.

Nichts geht mehr im Rathaus. Kein Computer funktioniert, kein Telefon klingelt. Bauanträge können nicht geprüft, Personalausweise nicht beantragt werden. Ein Hacker-Angriff auf die Stadtverwaltung, das hat die Stadt Witten (95.000 Einwohner) vor wenigen Tagen schmerzhaft erfahren, legt das öffentliche Leben in Teilen lahm, macht eine Verwaltung hilf- und tatenlos. Für Tage, schlimmstenfalls für Wochen.

Dorstener Rathaus in Alarmbereitschaft

Im Dorstener Rathaus herrscht seit einigen Tagen erhöhte Alarmbereitschaft. Eine erfolgreiche Cyber-Attacke wäre eine Katastrophe, deren Ausmaß überhaupt nicht abzusehen ist. Dass es in der Vergangenheit Versuche gegeben hat, schadhafte Software in die IT-Struktur zu schleusen, gilt als wahrscheinlich. Doch reden mag darüber niemand. Die Sorge ist offenbar groß, dass Hacker ausgerechnet Dorsten als Ziel ihrer kriminellen Machenschaften ins Visier nehmen könnten.

Und so heißt es auf eine Anfrage, wie viele Angriffe es in der Vergangenheit gegeben habe, lediglich: „Aus Gründen der Informationssicherheit können wir keine Details zu versuchten Angriffen veröffentlichen.“ Und zu Sicherheitsmaßnahmen natürlich auch nicht. „Die IT-Sicherheit der Stadt Dorsten orientiert sich an den vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ausgearbeiteten und in den IT-Grundschutzkatalogen veröffentlichen Sicherheitsmaßnahmen.“

110 Angriffe täglich auf die Datenzentrale des Kreises

Die Gemeinsame Kommunale Datenzentrale (GKD) der Kommunalverwaltungen im Kreis Recklinghausen registriert nach eigenen Angaben jeden Tag selbst rund 110 ernstzunehmende Cyberangriffe auf ihre IT-Infrastruktur. Ausgangspunkt der Attacken seien häufig China, die USA und Russland. Bislang sei aber kein Schaden angerichtet worden.

Die Zahl der Cyber-Attacken in Recklinghausen ist nichts im Vergleich zur Stadt Dortmund. Ein Sprecher bestätigte vor wenigen Tagen gegenüber den Ruhr Nachrichten, dass es binnen vier Wochen 450.000 Angriffe auf die Stadt gegeben habe. 450.000! „Die Art möglicher Angriffe ist sehr vielfältig und reicht von E-Mails mit schädlichen Dateianhängen, über den Versuch, Systeme zu überlasten und damit funktionsunfähig zu machen, bis zum unbemerkten Eindringen, um Informationen abfließen zu lassen.“

So seien von den 927.841 E-Mails, die allein im vergangenen Monat bei der Stadt Dortmund eingegangen sind, nur 500.583 ohne Bedrohungspotenzial gewesen. Bei den ständigen Angriffen auf die IT-Infrastruktur sei es in der Vergangenheit in Einzelfällen zu kleineren Störungen gekommen, sagte ein Stadtsprecher.

Mitarbeiter für Sicherheitsmaßnahmen sensibilisiert

Davon ist in Dorsten bislang nichts bekannt geworden. Stadtsprecher Christoph Winkel berichtete auf Anfrage, dass der Vorfall in Witten aber zum Anlass genommen worden sei, die Mitarbeiter nochmals für notwendige Sicherheitsmaßnahmen zu sensibilisieren: möglichst keine externen USB-Speichergeräte verwenden, fremde Datenspeicher niemals in städtischen Clients verwenden, keine E-Mail-Anhänge oder Links von unbekannten Absendern öffnen. „Ein Leitfaden zum Erkennen von Spam oder Phishing-Email ist allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugegangen“, so Winkel.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker