Die Stadtverwaltung in Dorsten - gut, aber noch nicht gut genug

rnKlare Kante

Die Stadtverwaltung hat in einer Online-Umfrage dieser Zeitung gut abgeschnitten. Das hat im Rathaus viel Freude ausgelöst. Doch es gibt Nachholbedarf - ein Kommentar.

Dorsten

, 29.08.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

70 Prozent der Teilnehmer unserer Online-Umfrage haben der Stadtverwaltung ein insgesamt gutes Zeugnis ausgestellt. Das hat den Bürgermeister so sehr gefreut, dass er eine Pressemitteilung veröffentlichen ließ. Tenor: Seht her, wir sind ziemlich gut! Besser jedenfalls, als manch einer denken mag.

Tobias Stockhoff sprach von einer „anspruchsvollen und dezidierten Umfrage, die es den Bürgerinnen und Bürgern erlaubt und von ihnen auch verlangt hat, eine differenzierte Bewertung abzugeben“. Wir wissen nicht, wie seine Einschätzung ausgefallen wäre, wenn das Ergebnis für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht so positiv gewesen wäre.

Nicht repräsentativ, aber ein Stimmungsbild

Die Resultate sind indes mit Vorsicht zu genießen, ohne dass wir die Freude schmälern möchten. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, sondern zeichnet ein Stimmungsbild. Das steht natürlich auch unter dem Eindruck der Coronakrise, in der viele Mitarbeiter im Rathaus tatsächlich Außergewöhnliches geleistet haben.

Doch genauso außergewöhnlich war die Kampagne, die in den vergangenen Monaten aus dem Rathaus gesteuert wurde und auf die manche Medien gerne angesprungen sind. So etwas bleibt - und das war ja auch der Plan - in vielen Köpfen hängen.

Dass noch längst nicht alles Gold ist, was da zu glänzen scheint, wird beim Blick auf die vielen Kommentare am Ende der Umfrage deutlich. Da ist neben positiven Einschätzungen immer wieder von unfreundlichen Mitarbeitern die Rede, die „von oben herab“ mit dem Bürger reden. Die stur nach Dienstvorschrift handeln, anstatt auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen. Die manchmal zu langsam und selten flexibel sind.

Auch Kritik ist mit Vorsicht zu genießen

Das kennt man aus der Vergangenheit. Und natürlich ist solche Kritik subjektiv und nicht immer gerechtfertigt. Aber in der Vielzahl solcher Rückmeldungen steckt sicherlich mehr als ein Fünkchen Wahrheit. Es hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan im Rathaus, aber es ist eben an der ein oder anderen Stelle auch noch einiges zu tun.

Denn der Kunde kann nicht, wie im Einzelhandel, zur Konkurrenz gehen, wenn er sich schlecht bedient fühlt. Die Stadtverwaltung ist Monopolist und muss mit dieser Sonderstellung in allen Bereichen verantwortungsvoll umgehen. Es wird die Aufgabe eines Bürgermeisters sein, die Zentrale der sogenannten Bürgerkommune Dorsten in den nächsten Jahren weiterhin konsequent zu verbessern.

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