„Diese Geschichte hat mir mein Leben kaputtgemacht“

Angeklagter wurde freigesprochen

Diese Anklage hat ein Leben zerstört. Ein 40-jähriger Angeklagter aus Raesfeld musste sich wegen sexueller Nötigung am Dorstener Amtsgericht verantworten - und wurde freigesprochen. Richterin Lisa Hinkers entschuldigte sich sogar.

Dorsten/Raesfeld

, 06.09.2017, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Diese Geschichte hat mein ganzes Leben kaputtgemacht“, war der Angeklagte erzürnt. Umso schlimmer für ihn: An den Vorwürfen gegen ihn wegen sexueller Handlungen auf einem Dorstener Autobahnparkplatz war überhaupt nichts dran: „Er war es zu hundert Prozent nicht“, erklärte das Opfer nämlich am Mittwoch (6.9.) im Gerichtssaal. Glatter Freispruch also für den 40-Jährigen. „Sie sind sehr unglücklich da reingeschliddert“, erklärte Schöffengerichts-Vorsitzende Lisa Hinkers in ihrer Urteilsbegründung: „Das tut uns sehr leid.“

Vorfall auf dem Autobahn-Parkplatz

Im Februar des vergangenen Jahres hatte eine 20-jährige Autofahrerin auf dem Holsterhausener A 31-Parkplatz eine Begegnung der unangenehmen Art: Nachdem sie dort die Toilette aufgesucht hatte, rauchte sie noch im Auto noch eine Zigarette, als ein BMW-Fahrer auf sie zukam und sie in ein Gespräch verwickelte. Er hieße Ali, sagte er, dann ließ er die Hosen herunter, fing an zu masturbieren und versuchte, die junge Frau an den Haaren aus dem Auto zu ziehen. Die Frau konnte flüchten und erstattete Anzeige.

Mit einem Phantombild suchte die Polizei nach dem Täter – woraufhin ein anonymer Hinweis auf den 40-Jährigen einging. Die Polizei legte dem Opfer ein Foto von dem Angeklagten aus Borken vor, der inzwischen in Raesfeld lebt. Er könnte es gewesen sein, erklärte die junge Frau, war sich aber nicht sicher.

Von Anfang an erklärte der damals mit einem Hausmeister-Zeitvertrag bei der Stadt Borken tätige Mann, er sei es nicht gewesen. Er bot an, Alibizeugen zu präsentieren und regte eine schnelle Gegenüberstellung an. Doch die Staatsanwaltschaft zeigte daran kein Interesse. Auch im Gerichtssaal beteuerte der Angeklagte, er sei zur Tatzeit zu Hause gewesen, bei der Familie, im Beisein von Freunden.

Frau hat ihn verlassen

Nach den Vorwürfen gegen ihn brach der Alltag des 40-Jährigen auseinander. Die Frau verließ ihn mit den beiden Kindern. Und eigentlich wollte er im Libanon Geschäfte tätigen. „Das ging dann wegen der Anklage nicht mehr.“ Auch eine Beschäftigung in früheren Jobs im Sicherheitsbereich sei nicht mehr drin gewesen. „Ich war am Ende, wie soll man seiner Familie, Freunde und Arbeitskollegen das alles deutlich machen?“ Richterin Lisa Hinkers erklärte, sie wollte das Hauptverfahren eigentlich gar nicht eröffnen. „Ich dachte mir schon, das wird nichts.“ Aber vom Landgericht habe sie eine andere Anweisung erhalten.

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