Die DITIB-Gemeinde in Dorsten spürt zunehmend Gegenwind und kann die Kritik am Dachverband durchaus verstehen. Außerdem hat die Flüchtlingskrise in der Gemeindearbeit vor Ort viel verändert.

von Barbara Seppi

Dorsten

, 04.10.2018, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 1997 hat der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland den 3. Oktober als „Tag der offenen Moschee“ ausgelobt. Auch die Dorstener DITIB-Gemeinde am Holzplatz beteiligt sich seit Jahren rege an dieser Veranstaltung. Am Mittwoch konnten Dialogbeauftragter Ferit Kocatürk und Imam Ali Patir zwar nur wenige Interessierte begrüßen, diesen aber dafür einen umso intensiveren Einblick in die Gemeindearbeit und die Religion geben.

„Nicht jede Gemeinde ist gleich“

„Wir spüren natürlich seit einiger Zeit einen Gegenwind, das stimmt mich traurig“, ging Kocatürk offensiv auf die bundesweit bestehende Diskussion um die politische Position des DITIB-Dachverbands, die Moscheeeinweihung in Köln und den Besuch des türkischen Staatspräsidenten Erdogan ein. „Nicht jede katholische Gemeinde ist gleich, auch wenn alle von Rom abhängen, so ähnlich sehen wir das hier auch“.

Die Fatih-Moschee am Holzplatz leistet seit der „Flüchtlingskrise“ eine enorme Integrationsarbeit. In den 1970er-Jahren als rein türkische Gemeinde gegründet, sind durch die Zuwanderung von Menschen aus dem syrisch-arabischen Raum, vom Balkan und auch aus Westafrika mittlerweile fast 40 Prozent der nahezu 600 Gemeindenutzer nicht aus der Türkei. „Es ist eine Aufgabe entstanden, und wir haben sie angenommen“, erklärte Kocatürk stolz. Die Neuankömmlinge bringen sich ein, helfen mit. „Ohne sie hätten wir beispielsweise die abendlichen Treffen zum Fastenbrechen im Ramadan gar nicht organisieren können“.

Predigten auch in deutscher Sprache denkbar

Es entsteht verstärkt die Nachfrage, die Predigten zum Freitag auch auf Deutsch abzuhalten, Türkisch versteht eben nicht mehr jeder, der zum Beten kommt. Einige Jugendliche der Gemeinde, die hier geboren sind und die religiöse Ausbildung dazu bestanden haben, stehen dem Imam dabei zur Seite.

Ferit Kocatürk (2.v.l.) und Imam Ali Patir gaben zum Tag der Offenen Moscheen Einblicke in die islamische Religion und das Leben der DITIB-Gemeinde Dorsten.

Ferit Kocatürk (2.v.l.) und Imam Ali Patir gaben zum Tag der Offenen Moscheen Einblicke in die islamische Religion und das Leben der DITIB-Gemeinde Dorsten. © Barbara Seppi

Patir ist seit einem Jahr in Dorsten, im Gespräch klappt es mit der Sprache schon gut, für eine Predigt reicht es noch nicht. Gemeinsam mit Kocatürk erklärte der Imam den Besuchern, wie die Gebete und Gebetszeiten des Islam funktionieren, die rituellen Waschungen, die auch einen Hygienehintergrund haben, die einzelnen Elemente einer Moschee, sprich Gebetsnische, Kanzel und Gelehrtenstuhl.

„Wir haben uns nicht verändert“

Kocatürk lud am Mittwoch ein, sich mit der Spiritualität des Islam auseinanderzusetzen und überhaupt den Dialog unter Dorstenern verschiedenen Glaubens nicht abreißen zu lassen. „Wir hier in der Fatih-Moschee haben uns nicht verändert, auch wenn sich die türkische Regierung heute anders verhält als vor zehn Jahren.“

Betroffen zeigten sich Kocatürk und Patir von den Nazi-Schmierattacken auf die DITIB-Nachbargemeinde in Gladbeck-Butendorf. Dort waren in der Nacht zum Montag Hakenkreuze auf die Eingangstüren gesprüht worden, sowie die Worte „not welcome“ und „verpisst Euch“ auf die Hauswand.

Welle der Solidarität

Positiv sei zu verzeichnen, dass es in Gladbeck eine sofortige Welle der Solidarität gab. Werden rechtsradikale Übergriffe mehr? „Ja, aber ich denke, dass auch die Gegenbewegung lauter wird, die #wirsind mehr-Aktion läuft im Internet, die Menschen protestieren auf den Straßen gegen Fremdenfeindlichkeit“, stellte ein Besucher am Mittwoch hoffnungsvoll fest.

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