Thomas Bikowski hat einen Albtraum erlebt und möchte sich bei dem Menschen bedanken, der ihn daraus befreit hat. © privat
Ehrlicher Finder

Dorstener erlebt unerwartetes Glücksgefühl und sucht ehrlichen Finder

Thomas Bikowski verliert auf dem Heimweg eine Tasche mit Laptop, Geld und Ausweispapieren. Ein Albtraum. Doch dann wendet sich die Geschichte zum Guten. Es fehlt nur noch die Danksagung.

Es sind diese Momente, die wir alle nicht erleben möchten, aber einige von uns sicherlich schon erlebt haben. Eine Tasche mit wertvollem Inhalt ist verschwunden. Sie wurde nicht gestohlen, sondern ging verloren. Selber schuld, könnte man sagen, aber das hilft in dem Moment der bitteren Erkenntnis ja nicht weiter.

Thomas Bikowski hat sich vermutlich über sich selbst am meisten geärgert. Doch das ist kein Grund, über sein Erlebnis zu berichten. Sondern weil der Dorstener am nächsten Tag „ein unbeschreibliches Glückgefühl“ hatte. Das zu teilen mit anderen Menschen, ist ihm wichtig in Zeiten, die von schlechten Nachrichten beherrscht werden. Noch wichtiger ist ihm allerdings, den Mann zu finden, der dafür verantwortlich ist.

Tasche geht auf dem Heimweg verloren

Aber der Reihe nach: Thomas Bikowski fährt am Donnerstag mit dem Fahrrad nach Hause. Er arbeitet bei Evonik in Marl-Brassert und wohnt in Hervest-Dorsten. Auf dem Gepäckträger hat er nicht zum ersten Mal seine Laptop-Tasche und darüber eine Sporttasche. Der Weg ist teilweise sehr holprig, weiß er, aber bis jetzt ist nie etwas passiert. Und es ging nie etwas verloren.

Als der Dorstener am frühen Abend an der Glück-Auf-Straße eintrifft, ist die Sporttasche noch da, die Laptop-Tasche aber nicht. „Ich muss sie unterwegs verloren haben“, sagt er. Nicht nur der Rechner befindet sich in der Tasche, sondern auch Geld, Ausweispapiere, Kreditkarte und eine ziemlich teure Hörhilfe sind dort verstaut gewesen, weil er nach Feierabend noch Sport gemacht hat. Alles weg.

Thomas Bikowski steigt ins Auto, fährt den Bereich ab, in dem er glaubt, die Tasche verloren zu haben, findet sie aber nicht. Dann sperrt er sein Konto und ärgert sich den ganzen Abend (und vermutlich die halbe Nacht) schwarz. So weit, so schlecht, so menschlich.

Der erlösende Anruf der Tochter

Am Freitagmorgen ist Thomas Bikowski einer der Ersten im Dorstener Bürgerbüro, um neue Papiere zu beantragen. Da meldet sich seine Tochter Lina auf dem Handy. „Die Tasche ist wieder da, ein älterer Herr hat sie gerade abgegeben.“ In ihrer Aufregung – und Freude – hat die Tochter allerdings völlig vergessen, den ehrlichen Finder nach seinem Namen zu fragen.

Bis hierhin ist es eine schöne Geschichte mit Happy End, eine „gute Nachricht“, wie wir Journalisten sagen. Aber ja, es fehlt die Danksagung. „Ich bin unendlich froh und möchte mich gerne persönlich beim Finder bedanken“, sagt der Hervester. Und hofft nun, auf diesem Wege Kontakt zu ihm zu bekommen.

Der Unbekannte, der möglicherweise in Marl wohnt, kann sich direkt bei Thomas Bikowski melden (thomas-bikowski@t-online.de) oder telefonisch ab Montag (18.10.) in der Redaktion (02362 92 77 10). Dann bringen wir einen ehrlichen und einen glücklichen Menschen zusammen.

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker