Daniel Bernhardt ist Fahrlehrer in Dorsten. © Marie Rademacher (A)
Prüfungs-Stau

Dorstener Fahrschüler müssen lange auf praktische Prüfung warten

Corona sorgt neben einigen anderen Gründen für Wartezeiten bei der praktischen Führerscheinprüfung. Wie gehen Dorstener Fahrschulen und ihre Schüler mit diesem Engpass um?

Die Situation für Fahrschulen und ihre Schüler kann man aktuell sicherlich als festgefahren bezeichnen. „Wir müssen das nehmen, was wir bekommen“, erklärt Silvia Heidermann von der Lembecker Fahrschule Heidermann. Alle Beteiligten müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Durch das achtwöchige Fahrverbot im Lockdown hat sich die praktische Ausbildung ohnehin bereits verzögert. Weil jetzt wesentlich mehr junge Erwachsene die Prüfung machen wollen, kommt es zum Stau.

„Vier Wochen kommen obendrauf und ich könnte mir vorstellen, dass sich das in den Sommerferien noch erhöht“, vermutet Silvia Heidermann. Denn auch einige Prüfer des TÜV Nord als zuständiger Behörde seien dann im Urlaub. „Das ist natürlich für alle nicht zufriedenstellend, weder für uns noch für die Schüler“, unterstreicht sie. Zum überwiegenden Teil würden die Reaktionen von Schülern und Eltern aber Verständnis für die Situation zeigen.

Silvia Heidermann und ihr Mann Martin müssen wie andere Fahrschulen mit dem aktuellen Prüfungsstau leben.
Silvia Heidermann und ihr Mann Martin müssen, wie andere Fahrschulen, mit dem aktuellen Prüfungsstau leben. © Guido Bludau © Guido Bludau

Pause zwischen Theorie und Praxis

„Wir warten nach der Theorieprüfung vier Wochen, bevor wir mit der praktischen Ausbildung anfangen“, berichtet Fahrlehrer Daniel Bernhardt (Fahrschule Bernhardt). Denn es sei nicht sinnvoll, die Schüler überflüssige Fahrstunden machen zu lassen, um eine Pause vor der Prüfung zu überbrücken. „Das ist echt ärgerlich“, meint sie. Der TÜV hat einen Brief zu dem Thema an die Fahrschulen geschickt. Darin entschuldigt sich dieser für die aktuelle Situation, unter anderem mit der Begründung einer „ungeplant hohen Nachfrage nach Prüfungsplätzen“.

Engpass durch Corona verschärft

Aus Sicht von Daniel Bernhardt existiert der Engpass bei den Prüfungen allerdings schon seit mindestens drei Jahren, durch die Corona-Lage habe sich das Problem nur verschärft. „Außerdem wurde die Zeit für die praktischen Prüfungen erhöht. Somit sind weniger Prüfungen möglich, das war aber zwei Jahre im Vorfeld bekannt“, schildert der Fahrlehrer. Insgesamt sei die Zahl der Prüfer zu gering.

„Wir sind ein Zweimann-Betrieb und können nicht jeden Tag prüfen. Die aktuelle Situation erschwert die Planung“, so Daniel Bernhardt. Sie würde sich wünschen, dass mehr Stellen die Führerscheinprüfung abnehmen dürfen, zum Beispiel die Dekra, die in den neuen Bundesländern und Berlin bereits verantwortlich ist.

Aus Sicht von Rainer Camen von der Pressestelle des TÜV Nord gibt es keine Personalprobleme. Stattdessen kämen aktuell verschiedene Umstände zusammen. Neben der längeren Prüfungsdauer und dem durch Corona verursachten Stau müssten die Fahrprüfer, die Masken tragen, aus gesundheitsrechtlichen Gründen jeweils nach drei Stunden eine Pause einlegen. Zudem werden im Frühjahr und Sommer ohnehin die meisten Prüfungen abgelegt, Motorräder dürfen im Winter gar nicht geprüft werden. Masken müssen übrigens auch die Fahrlehrer und -schüler tragen.

„Wir bitten um Verständnis, dieses Problem können wir nur gemeinsam bewältigen“, meint Rainer Camen. Der TÜV bemühe sich um Maßnahmen, wie die übergangsweise Rückkehr verrenteter Fahrlehrer oder Samstagsarbeit, um die Situation zu verbessern.

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Bastian Becker

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