Dauerarrest nach Party-Prügelei: „Wir gehen jetzt raus und boxen uns“

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Nach Imponiergehabe auf einer Abi-Party in Dorsten eskaliert die Lage: Mehrere Personen prügeln auf einen Dorstener ein und klauen seine Schuhe. Einer der Schläger stand nun vor Gericht.

Dorsten

, 10.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Abi-Party in Wulfen nahm vergangenen Dezember ein böses Ende für einen Dorstener: Mehrere Personen prügelten auf den heute 22-Jährigen ein. Bevor die Gruppe von ihm abließ, klaute noch einer seine Schuhe.

Im Krankenhaus wurden Gesichtsverletzungen, schwere Prellungen und Blutergüsse beim Opfer festgestellt. Ermittler kamen den Tätern auf die Spur, der Schuh-Dieb ist bereits zu Jugendarrest und Geldstrafe verurteilt worden. Am Montag (9. November) wurde nun einem weiteren Beteiligten der Prozess gemacht.

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Der angeklagte 21-jährige Wulfener räumte die Vorwürfe im Wesentlichen ein. Er sei auf der Party vom späteren Opfer provoziert worden, sagte er, habe ihn dann zur Rede gestellt und ihm gesagt: „Wir klären das jetzt, wir gehen jetzt raus und boxen uns.“ Draußen habe er zugeschlagen, so der Angeklagte. Dann seien seine Kumpels dazugekommen. Vom Schuh-Diebstahl hat er nach eigenen Angaben nichts mitbekommen.

Der Geschädigte schilderte die Situation etwas anders. Er habe nicht provoziert und der Türsteher habe die Streithähne vor die Tür gesetzt. Ein Zeuge konnte wenig Erhellendes beitragen, ein anderer war gar nicht erst erschienen, weil er nach einem Corona-Fall in seiner Klasse damit rechnet, noch am Montag in Quarantäne zu müssen.

Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht?

So ließen sich nicht alle Details der Tat rekonstruieren. Weil der Angeklagte aber geständig war, ging es vor allem um die Frage, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen ist. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt, in Deutschland können auch Heranwachsende (18 bis 20 Jahre) nach dem deutlich milderen Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht: ein Wochenende Freizeitarrest und 300 Euro Geldstrafe. Der Anwalt des Opfers forderte gemäß Erwachsenenstrafrecht eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, sowie eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro, zu zahlen an das Opfer. Die Verteidigung hielt das wiederum nicht für verhältnismäßig, ein Wochenende Arrest sei angemessen.

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Das Gericht hielt eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht für vertretbar. Statt eines Wochenendes schickte es den Angeklagten wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung allerdings für eine komplette Woche in Dauerarrest. Er muss außerdem 600 Euro in einen Täter-Opfer-Ausgleichsfonds zahlen. Von einer Verurteilung wegen Raubes sah das Gericht ab: Es sei denkbar, dass der bereits verurteilte Kumpel des Angeklagten den Entschluss, die Schuhe zu stehlen, damals spontan für sich getroffen habe.

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