Der „Demokrati“ fehlt das E, dem Schmierer der Respekt vor dem Kunstwerk und den Werten, die es verkörpert. Am Donnerstagabend waren die Schmierereien dann weiß überpinselt. © Bianca Glöckner
Entsetzen im Stadtsfeld

Dorstener „Respekt“-Kunstwerk musste erneut für Schmierereien herhalten

Das „Respekt“-Kunstwerk im Stadtsfeld ist zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen das Ziel respektloser Schmierereien geworden. Ein weiterer Fall für den Staatsschutz.

Es ist schon wieder passiert: An der Händelstraße, wo das Fadenkunstwerk von Brigitte Stüwe Respekt einfordert, haben Schmierer ihre hässlichen Spuren hinterlassen. Gerade hatten Mitarbeiter der Dorstener Arbeit die Platte von den letzten Schmierereien befreit, zeugen jetzt ein Kreuz und die Worte „Demokrati“ und „Freiheit“ von ihrem respektlosen und nicht einmal Rechtschreib-sicheren Tun.

Anwohnerin Irene Upadek ist entsetzt und wütend: „Als dummer Jungenstreich geht das wohl nicht mehr durch. Wer damit zeigen will, das unsere Werte wie Toleranz, Respekt, Demokratie und Freiheit nicht mehr zählen, hat keinen Platz in unserer Mitte.“

Ideenfabrik Stadtsfeld kündigt Gegen-Aktionen an

Gerhard Jendrzey von der Ideenfabrik Stadtsfeld hat die Nachricht von der neuerlichen Schmiererei in Bayern erreicht. Auch er ist sauer: „Es reicht jetzt!“, sagt er. „Wir können jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“ Mit anderen Aktiven plant er derzeit eine Aktion am Standort des Kunstwerks, um mit Nachdruck Respekt einzufordern.

Künstlerin Brigitte Stüwe ist froh, dass sie noch nicht damit begonnen hatte, die Fäden für den Respekt-Schriftzug neu zu spannen. „Das ist eine Mordsarbeit, die bestimmt zwei Wochen Zeit in Anspruch nimmt“, erklärt sie. Und dass es derzeit wohl sinnlos sei, das Kunstwerk in der ursprünglichen Form schnell wiederherzustellen. Stüwe: „Wir wollen dennoch dagegenhalten und planen jetzt eine Übergangslösung.“ Sie sei nicht bereit, die Zerstörung von Kulturgütern einfach hinzunehmen und wertet die Schmiererei als extremen Angriff auf ihre Arbeit. „Das trifft mich auch persönlich. Ich verstehe nicht, dass das Wort Respekt eine solche Aggressivität auslösen kann.“

Polizei übergibt die Ermittlungen an den Staatsschutz

Bürgermeister Tobias Stockhoff steht an der Seite der Stadtsfelder: „Ich bin entsetzt über den neuerlichen Anschlag. Der Schmierer will das Kunstwerk nicht nur als Gegenstand treffen, sondern insbesondere seine Botschaft. Wer aber meint, dem hier dargestellten ,Respekt‘ die Worte ,Demokratie und Freiheit‘ gegenüberstellen zu müssen, der hat unsere Gesellschaft nicht verstanden. Der konstruiert aus einer kruden Weltsicht heraus einen Gegensatz, der keiner ist. Der scheint nur seine persönliche Demokratie und seine egoistische Freiheit zu akzeptieren. Ein derartiges Denken kommt natürlich ohne Respekt aus.“

Wie auch schon die vorhergehenden Fälle wird auch diese Schmiererei letztlich beim Staatsschutz landen, gab die Polizei Recklinghausen auf Anfrage bekannt. Genauso wie die besudelten Wahlplakate, die möglicherweise von den gleichen Tätern beschmiert worden sind. In ähnlicher Schrift und gleicher Farbe wurden SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ein Hitlerbärtchen und die Bezeichnung „Faschist“ verpasst.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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