Ausbildungspate Peter Thissen, Praktikantin beim Jugendamt, Laura Thissen, und Initiatorin Martina Lissner von der Jugendberufshilfe in Dorsten präsentieren die „Arbeitsplätze". © Lisa Wissing
Praktikumsplätze

Dorstener Schüler gestalten Arbeitsplatz: „Ich hatte Tränen in den Augen“

Schüler von sechs Dorstener Schulen machen auf kreative Weise auf sich aufmerksam. Über das Projekt „Ein Stuhl - ein Mensch - eine Chance“ sollen sie und Arbeitgeber in Kontakt kommen.

Die Innenstadt in Dorsten zierten bis Samstag (2. Oktober) bunte Stühle. Diese standen dort aber nicht nur als hübscher Blickfang – sie hatten einen tieferen Sinn. „Insgesamt 90 Schüler haben allein oder in kleinen Gruppen mehr als 80 Stühle entworfen, um damit auf sich aufmerksam zu machen“, erklärte Martina Lissner von der Jugendberufshilfe der Stadt Dorsten.

Vorurteile machen Suche nach Praktikum schwer

Sie hatte gemeinsam mit den Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern von sechs Dorstener Schulen und den Ausbildungspaten des Kreises Recklinghausen das Projekt ins Leben gerufen. „Die Idee kam unter anderem von den Förderschulen. Für die Kinder ist es meist schwer, einen Praktikumsplatz zu finden, weil es leider immer noch Vorurteile gibt“, sagte sie.

Beteiligt waren die Von-Ketteler-Schule, die Geschwister-Scholl-Schule, die Haldenwangschule, die Dietrich-Bonhoeffer-Schule, die Neue Schule und die Raoul-Wallenberg-Schule. Ziel des Projekts „Ein Stuhl – ein Mensch – eine Chance“ war es, den Kontakt zwischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern und Schülerinnen und Schülern herzustellen.

Schülerinnen und Schüler punkten mit Kreativität

Die Kinder gestalteten dabei ihren eigenen Arbeitsplatz in Form eines Stuhls. „Ich habe ehrlich gesagt nicht mit so viel Kreativität gerechnet. Als wir die ersten fertigen Stühle abgeholt hatten, hatte ich Tränen in den Augen“, erinnerte sich Martina Lissner.

Auf einer Sitzfläche tummelten sich Lego-Spielzeug und Memorykarten: „Das soll den Arbeitsplatz als Erzieher oder Erzieherin verdeutlichen“, erläuterte die Lissner. Einige Stühle hatten wiederum den Berufswunsch, wie „Koch“, klar darauf stehen. Anfragen zum Kauf der Kunstwerke habe es ebenfalls schon gegeben, erzählte sie lachend.

Mit Spielzeugen und Bildern von Kindern symbolisiert dieser Stuhl den
Mit Spielzeugen und Bildern von Kindern symbolisiert dieser Stuhl den 2Arbeitsplatz“ von Erzieherinnen und Erziehern. © Lisa Wissing © Lisa Wissing

Nina Laubenthal, die erste Beigeordnete der Stadt, würde die Stühle mit in ihr Büro ins Rathaus nehmen: „Jeder Stuhl ist auf eigene Weise ein kleines Kunstwerk. Ich freue mich sehr, dass die Aktion so gut angenommen wird und hoffe natürlich, dass viele Schülerinnen und Schüler Kontakte zu Ausbildungsbetrieben knüpfen können.“

Schülerinnen und Schülern der Dorstener Förderschulen, der Dorstener Hauptschulen und der Neuen Schule gestalteten liebevoll ihren Arbeitsplatz.
Schülerinnen und Schülern der Dorstener Förderschulen, der Dorstener Hauptschulen und der Neuen Schule gestalteten liebevoll ihren Arbeitsplatz. © Lisa Wissing © Lisa Wissing

Ausbildende Betriebe oder Geschäftsführende können bei Interesse den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern hinter den Kunstwerken herstellen. Das funktioniert über einen QR-Code, der an dem Stuhl befestigt ist. „Über den Code gelangt man dann zur Jugendberufshilfe. Ich stelle dann den Kontakt her und wir begleiten den Kennlernprozess“, sagte Martina Lissner.

In Zukunft soll es weitere „Matches“ geben

Die jeweiligen Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sind ebenfalls dabei. Damit sollen erste Berührungsängste vermieden werden. Allein in dieser Woche konnten elf Kontakt hergestellt werden, erzählt Christoph Winkel, Pressesprecher der Stadt Dorsten. Er ist zuversichtlich, dass in Zukunft noch viele weitere „Matches“ entstehen.

Die Stühle wurden im Rahmen der Woche des Grundgesetzes erstellt, die am Sonntag endet. „Sie werden aber trotzdem weiterhin im Ladenlokal am Franziskanerkloster für die Kontaktbildung zur Verfügung stehen“, so Christoph Winkel.

Weitere Informationen zum Projekt „Ein Stuhl – ein Mensch – eine Chance“ gibt es bei Martina Lissner unter Tel. 0157/36902582 oder Tel. (02362) 664580 oder per E-Mail an: martina.lissner@dorsten.de.

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