Brigitte Wiers hat einen Termin am 8. Februar um 14 Uhr und gehört damit zu den ersten Menschen im Kreis Recklinghausen, die im Impfzentrum gegen das Coronavirus geimpft werden. © Stefan Diebäcker
Coronavirus

Dorstenerin (90) hat den ersten Termin im Impfzentrum bekommen

Mit einwöchiger Verspätung starten am 8. Februar die Corona-Impfungen für ältere Menschen im Recklinghäuser Impfzentrum. Eine Dorstenerin ergatterte den ersten Termin.

Sie wolle niemals 80 Jahre alt werden, sagte Brigitte Wiers vor einigen Jahrzehnten. „Dann bin ich ja alt und klapprig“, dachte sie. Jetzt ist sie 90, überhaupt nicht klapprig und lässt sich gegen das Coronavirus impfen. „Das ist doch selbstverständlich“, meint die Barkenbergerin, die viele Dorstener als Künstlerin und Schriftstellerin kennen.

Brigitte Wiers sitzt an ihrem Esstisch in ihrer Wohnung an der Barkenberger Allee. Sie hält einen Ausdruck in der Hand, der zweifelsfrei belegt: Die rüstige Rentnerin, die noch mehrmals täglich mit Hündin Molly vor die Tür geht, hat den ersten Impftermin im Recklinghäuser Impfzentrum bekommen: Montag, 8. Februar, 14 Uhr. Wie hat sie das geschafft?

Frühmorgens an den Rechner gesetzt

Die Frage muss die Tochter von Brigitte Wiers beantworten. Denn Vivian Wiers hat sich am 25. Januar, dem ersten Tag der Terminvergabe, frühmorgens an den Rechner gesetzt. „Ich dachte mir schon, dass die Hotline wie immer völlig überlastet sein würde.“

Vivian Wiers, die nicht weit weg von ihrer Mutter wohnt und die Einkäufe für sie erledigt, wählte also nicht die 116 117, sondern rief die Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung (www.116117.de) auf. „Glück gehabt, ich bin einfach durchgeflutscht.“ Keine drei Minuten später waren die Termine für ihre Mutter gebucht, am 8. Februar und drei Wochen später. Mittlerweile werden schon Termine für April vergeben, noch immer versuchen viele ältere Menschen vergeblich, auf die Liste zu kommen.

Impfzentrum Kreis RE
Mit einwöchiger Verzögerung starten am 8. Februar die Impfungen im Impfzentrum des Kreises Recklinghausen. © Kreis RE © Kreis RE

Impfzentrum seit Mitte Dezember betriebsbereit

Seit Mitte Dezember ist die 1.900 Quadratmeter große Leichtbauhalle auf dem Konrad-Adenauer-Platz in Recklinghausen betriebsbereit. Der ursprünglich geplante Start am 1. Februar musste mangels ausreichend vorhandenem Impfstoff aber um eine Woche verschoben werden. In der Startphase sollen ab nächsten Montag in Recklinghausen täglich zwischen 14 und 20 Uhr etwa 190 Menschen aus zehn Kreisstädten gegen das Coronavirus geimpft werden. Kapazitäten wären für 2.000 Menschen täglich vorhanden.

„Es wird bis Ende April dauern, bis wir die über 80-Jährigen ein erstes Mal geimpft haben“, sagte Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, kürzlich. „Jeder, der geimpft werden möchte, wird drankommen, aber eben nicht sofort.“

Brigitte Wiers wird sich von ihrer Tochter zum Impfzentrum nach Recklinghausen fahren lassen. Auch das ist ein glücklicher Umstand. Den Rund-um-Corona-Schutz nach der zweiten Impfung und 14-tägiger Karenzzeit hat sie dann rechtzeitig zu ihrem Geburtstag. Es wird der 91. sein.

Impfzentrum hat sechs Stationen

  • Wer zur Impfung kommt, sollte etwa eine Stunde Zeit einplanen und sich darauf einstellen, dass insgesamt sechs Stationen mit einer Gesamtstrecke von 350 Metern absolviert werden müssen. Die Besucher müssen den Weg zu den einzelnen Stationen selbständig zurücklegen, es gibt dafür kein gesondertes Personal.
  • Diejenigen, die nicht eigenständig zum Impfzentrum kommen können oder für die der Ablauf vor Ort zu anstrengend ist, müssen sich noch in Geduld üben, wie auch Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann betonte: „Wir müssen in diesen Fällen leider abwarten, bis Impfstoffe zugelassen sind, die auch durch das Hausarztsystem genutzt werden können.“
  • Zutritt zum Gebäude haben nur diejenigen, die für den jeweiligen Tag einen Termin haben sowie – falls notwendig – eine Begleitperson. Geimpft werden allerdings nur die derzeit impfberechtigten Personen, also Menschen über 80 Jahre.
Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker