Drei Dorstener wollen ins Ruhrparlament

rnKommunalwahl 2020

Zwei erfahrene Kommunalpoltiker aus Dorsten bewerben sich um einen Sitz im Ruhrparlament. Ein dritter Kandidat macht sich von vornherein wenig Hoffnung und will nicht in Erscheinung treten.

Dorsten

, 29.08.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr Wahlkreis? Das gesamte Ruhrgebiet mit mehr als vier Millionen Wahlberechtigten in vier Kreisen und elf kreisfreien Städten: 358 Kandidaten von 21 Parteien und Wählergruppen bewerben sich um 91 Plätze in der Verbandsversammlung des RVR (Ruhrparlament), die in diesem Jahr zum ersten Mal direkt gewählt wird. Darunter sind auch drei Dorstener.

Thomas Boos (FDP) dürfte den meisten Dorstenern spätestens seit der Kommunalwahl 2014 bekannt sein. Da trat der Architekt aus Hervest als Bürgermeisterkandidat der Freien Demokraten an. Weil er enttäuscht war vom Abschneiden seiner Partei, machte er damals kurz nach der Wahl Platz an der FDP-Fraktionsspitze in Dorsten und gab auch sein Ratsmandat ab.

Boos‘ Rückzug nach 15 Jahren Kommunalpolitik in Dorsten hing aber auch mit seiner damals neuen Rolle im Ruhrparlament zusammen: „Mit der Arbeit als Fraktionsvorsitzender im Ruhrparlament war ein Doppelmandat Rat/Ruhrparlament nicht mehr denkbar“, sagt der 58-Jährige, der bis heute in dieser Funktion für die FDP im Ruhrparlement tätig ist.

Ruhrparlament entscheidet über RVR-Haushalt

Nach der Kommunalwahl 2020 wird auch Petra Somberg-Romanski (SPD) nicht mehr dem Dorstener Stadtrat angehören. Die 68-Jährige kandidiert nach 30 Jahren Kommunalpolitik in Dorsten nicht mehr für einen Sitz in dem Gremium. Wohl aber fürs Ruhrparlament. Von der Arbeit dort erhofft sie sich unter anderem, dass der Regionalplan endlich umgesetzt wird: „Aber mit Beteiligung der Kommunen“, sagt sie, „das war bisher nicht unbedingt der Fall.“

Das Ruhrparlament entscheidet unter anderem über den Haushalt des RVR und setzt so die Schwerpunkte der Verbandsarbeit. Zu den zentralen Aufgaben des RVR zählen Regionalplanung und Regionalentwicklung, Infrastrukturprojekte, wie die Route der Industriekultur oder der Ausbau des regionalen Radwegenetzes. Nach dem Fiasko um den gescheiterten Regionalplan war es das Ruhrparlament, das RVR-Chefplaner Martin Tönnes im vergangenen Jahr abwählte.

Das RVR-Hauptgebäude in Essen: Der Regionalverband Ruhr umfasst eine der größten Ballungsräume Europas. In diesem Jahr wird die Verbandsversammlung (Ruhrparlament) erstmals direkt gewählt.

Das RVR-Hauptgebäude in Essen: Der Regionalverband Ruhr umfasst eine der größten Ballungsräume Europas. In diesem Jahr wird die Verbandsversammlung (Ruhrparlament) erstmals direkt gewählt. © dpa

Planung ist auch das Fachgebiet von Thomas Boos. Ganz aktuell ist der geplante Kooperationsstandort Emmelkamp an der Gemeindegrenze zu Schermbeck Thema im Ruhrparlament. Boos steht regelmäßig mit der Stadtverwaltung in Kontakt und trägt etwaige Anregungen und Wünsche weiter in die Verbandsversammlung. „Wir lehnen diesen Standort ab“, sagt Boos. „Und da muss man eben gute Argumente haben und braucht am Ende des Tages auch Mehrheiten.“

Fragile Kulturlandschaft stärken

Petra Somberg-Romanskis Steckenpferd war schon immer die Kulturpoltik. „Die Kulturfinanzierung in den einzelnen Städten ist ein ganz wichtiger Punkt“, sagt sie. „Wir haben in der Coronakrise gesehen, wie fragil und abhängig von Finanzen die Kulturlandschaft ist. Wenn man da etwas bewirken könnte fürs gesamte Revier, wäre schon etwas geleistet.“

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Auch für den Nahtourismus will sich die Sozialdemokratin im Ruhrparlament stark machen: „Wir haben so viele tolle Sachen im Ruhrgebiet, die müssen gefördert werden. Aber gemeinsam und nicht irgendwo in Dortmund einen tollen Phoenixsee machen und die Sachen außen herum vergessen.“

Die Wahl zum Ruhrparlament ist eine reine Listenwahl, es werden keine Einzelpersonen gewählt. Bislang haben die jeweiligen Stadträte und Kreistage der Mitglieder im Verband ihre Vertreter ins Ruhrparlament entsandt.

Mit Holger Graf (AfD) gibt es noch einen dritten Kandidaten aus Dorsten, der ins Ruhrparlament will. Graf macht sich aufgrund seines relativ aussichtslosen Listenplatzes aber wenig Hoffnung und möchte deshalb nicht medial in Erscheinung treten, teilte der AfD-Stadtverband mit.

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