Drogen, Kopfstöße, Prügel: Aber Gericht kassiert Haftstrafe wieder ein

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Ein im Suff gewalttätiger Mann bekommt in Dorsten zweieinhalb Jahre Haft. Doch das Oberlandesgericht sah Fehler bei der Höhe der Strafzumessung. Jetzt gab es einen Revisionsprozess.

Dorsten

, 10.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er hortete zu Hause gut zwei Kilo Amphetamin: im Gefrierschrank, in einem Eimer im Schlafzimmer und in Plastiktüten. Dazu Chemikalien, die er zur Herstellung der Droge brauchte. Er versetzte in seiner Wohnung während eines Alkohol- und Drogengelages einem Gast drei Kopfstöße und brach diesem dabei die Nase. Und in den Mercaden - vorher hatte er zwei Flaschen Wein zum Abendessen getrunken - schlug er vor laufender Überwachungskamera mit einem Kabel auf einen Bekannten ein.

Für all das wurde ein 37-jähriger Dorstener vor gut einem Jahr vom Dorstener Schöffengericht zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt - doch das Oberlandesgericht Hamm kassierte das damalige Urteil in einem Revisionsverfahren ein.

Rechtliche Fehler

„Rechtliche Fehler“ bei der juristischen Würdigung der Vorwürfe hätten laut der OLG-Richter dazu geführt, dass die im Mai 2019 verhängte Strafe viel zu hoch ausgefallen sei. So monierte das OLG beispielsweise, dass die Dorstener Richter damals die Kopfstöße als „lebensgefährdende“ Handlungen eingestuft hatten - sie seien aber lediglich als einfache Körperverletzung zu werten.

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Das Verfahren wurde an eine andere Abteilung des Dorstener Amtsgericht zurück verwiesen. Und kam am Mittwoch mit einer komplett anderen Schöffengerichts-Besetzung zusammen, diesmal unter Vorsitz von Strafrichterin Friderike Wischermann, um erneut über die Fälle zu verhandeln.

„Schäme mich dafür“

Der Angeklagte hatte damals eine ganze Zeit maßlos dem Alkohol und Drogen zugesprochen. „Ich schäme mich jetzt dafür“, erklärte er. Inzwischen habe er sein Leben komplett gewandelt. Der Grund: Die kleine Tochter, die er vor anderthalb Jahren mit seiner Ehefrau bekommen hatte. Inzwischen sei er „clean“, ist als Außenvertriebsmitarbeiter für ein großes Telekommunikationsunternehmen tätig.

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Der Staatsanwalt erklärte in seinem Plädoyer, dass das OLG quasi vorgegeben habe, „wohin die Reise gehen soll“. Er zeigte sich zwar „nicht ganz so überzeugt“ von der positiven Wandlung des Angeklagten, drückte aber beide Augen zu: Zwei Jahre auf Bewährung, so sein Antrag.

Ohne Führerschein gefahren

So lautete schließlich auch das Urteil des Schöffengerichts, in den nächsten neun Monaten gibt es zudem keinen neuen Führerschein. „Wenn jetzt noch eine weitere Verurteilung kommt, müssen sie mit einem Widerruf dieser Strafe rechnen“, redete Richterin Friederike Wischermann dem Angeklagten ins Gewissen. Denn zwischendurch war der Dorstener wegen Fahrens ohne Führerschein erwischt worden - eine Verhandlung folgt noch.

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