Dorstener erkrankte am Hanta-Virus: „Das ganze Sofa hat gewackelt, so habe ich gezittert.“

rnDrohen neue Fälle?

Fieber, Schüttelfrost, miese Nierenwerte: Als Horst Soschinski krank wurde, brauchten die Ärzte einige Zeit, bis sie den „Übeltäter“ ermittelt hatten. Das Hanta-Virus hatte zugeschlagen.

Dorsten

, 23.08.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Schüttelfrost fing es an. Dann kam das Fieber. „Das ganze Sofa hat gewackelt, so habe ich gezittert“, erinnert sich Horst Soschinski. Er fühlte sich so elend, dass seine Frau den ärztlichen Notdienst kommen ließ. Auch die Notärztin hatte keine schnelle Diagnose parat.

Es sollte noch einige Tage dauern, bis der 61-Jährige von einer Erkrankung erfuhr, von der er zuvor noch nie gehört hatte: Er hatte sich mit dem Hanta-Virus infiziert. Bis heute weiß man nicht, wo Soschinski sich das Virus eingefangen hat, aber er hat einen Verdacht: „Ich habe im Garten hinter unserem Haus Weintrauben geerntet und bin kopfüber in die Rebenpflanzen getaucht. Ich bin davon überzeugt, dass Tauben dort das Virus hinterlassen haben, das ich eingeatmet habe.“

Und plötzlich drohte die Dialyse

Doch zurück zum Beginn der Erkrankung: Die Notärztin empfahl einen Besuch beim Hausarzt, der wiederum wies Horst Soschinski wegen der schlechten Blutwerte ins Krankenhaus ein. „Als ich im Marler Marienhospital untersucht wurde, schockierten mich die Ärzte mit der Nachricht, dass meine Nieren nur noch zu 25 Prozent funktionierten.“ Bei 20 Prozent drohe unweigerlich die Dialyse, erklärten die Ärzte ihrem verzweifelten Patienten.

Erst nach ein paar Tagen stand die schockierende Diagnose fest

„Ich hatte große Angst davor, den Rest meines Lebens auf die Blutwäsche angewiesen zu sein“, erzählt Soschinski. Auch die Blutzuckerwerte des Diabetikers, der bis dahin in der Selbsthilfegruppe stets mit Best-Werten geglänzt hatte, waren erhöht. Doch was war los in seinem Körper?

Er war schon einige Tage im Krankenhaus, als die Ärzte ihm die Hanta-Diagnose überbrachten. „Die Ungewissheit bis dahin war schlimm“, erinnert Solschinski sich, „dann sagten mir die Ärzte, dass man nach dieser Erkrankung wieder ganz gesund werden kann. Ich war dann sehr froh, dass meine Nieren sich bis auf eine ganz leichte Schwäche vollständig erholt haben.“

Seitdem werden seine Werte regelmäßig kontrolliert - offenbar gibt es keine Spätschäden. Ansteckend ist die Virus-Infektion nicht, für seine lungenkranke Frau habe zum Glück keine Gefahr bestanden.

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Im Münsterland sollen in diesem Jahr vermehrt Hanta-Virus-Fälle aufgetreten sein. Von einer herausragenden Welle könne man dennoch nicht sprechen, sagt Mirko Kösterke vom Landeszentrum für Gesundheit NRW in Bochum, wenngleich das Virus im Kreis Recklinghausen häufiger vorkomme als anderswo. Unter anderem, weil hier die Rötelmaus, die als Hauptüberträgerin des Virus gilt, stark vertreten ist.

Empfehlung: Mundschutz tragen bei der Gartenarbeit

Weil der Erreger in ihrem Kot lauern könnte, wird empfohlen, bei der Gartenarbeit einen Mundschutz zu tragen, damit der aufgewirbelte Erreger nicht eingeatmet werden kann. „Das habe ich beim Heckeschneiden im Frühjahr vergessen“, gibt Solschinski zu. „Aber wenn es demnächst wieder in den Wein geht, werde ich die Staubmaske aufsetzen.“

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