Ehrenamtliche helfen an Agathaschule

Kinder lernen Deutsch

2600 neue Lehrerstellen will das Land NRW schaffen, um die 40.000 erwarteten Flüchtlingskinder betreuen zu können. Die Agathaschule kann und will auf diese Lehrkräfte nicht warten.

Dorsten

, 14.09.2015, 11:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ehrenamtliche helfen an Agathaschule

Wie begrüßt man sich in Deutschland? Wie heißen die Gegenstände in der Schultasche? Es sind die ganz alltäglichen Dinge, die die Flüchtlingskinder im Einzelunterricht mit den Ehrenamtlichen lernen sollen. Sie freuen sich, ebenso wie Schulleiter Herbert Rentmeister, Konrektorin Klaudia Heisig (hinten, l.) und Sozialarbeiterin Melanie Demmer (vorne, l.), auf diese Aufgabe.

Vor zwei Wochen rief Schulleitung und Kollegium Ehrenamtler auf, sich zu melden, um in einzelnen Stunden allein mit den Kindern zu sprechen und zu spielen. Das schöne Ergebnis: Es gibt jetzt mehr Ehrenamtler als Flüchtlingskinder an der Schule. 15 Frauen und ein Mann haben sich bereit erklärt, den elf Kindern zu helfen. „Und ich habe noch weitere Mails im Postfach“, sagt Schulleiter Herbert Rentmeister glücklich.

Im Winter kommen weitere Flüchtlinge

Er wird alle Freiwilligen brauchen, da ist er sich sicher. „Denn mit den Winter kommen weitere Flüchtlinge.“ Schnell und unbürokratisch beginnen die ersten Ehrenamtlichen heute mit ihrer Arbeit. Jeden Morgen um 10 Uhr kommen mehrere von ihnen in die Schule, spielen und sprechen mit den Kindern. Pensionierte Lehrerinnen sind dabei, Mütter und Großmütter, wie Antonia van der Werff. Sie betreut regelmäßig ihre Zwillingsenkelkinder, aber auch für die noch fremden Kinder möchte sie sich einbringen.

„Man muss was tun“, Mit dem Alltäglichen zu beginnen, das rät auch Retmeister. Vor zwei Jahren hat er sich selbst intensiv um zwei russische Jungen gekümmert. „Ich habe mit den Körperteilen, Farben, Zahlen und dem Inhalt der Schultasche angefangen. Und: Wie man sich ein Brötchen kauft.“ Nach einigen Wochen gab er ihnen etwas Geld und schickte sie in eine Bäckerei: Sie haben das Brötchen bekommen. Mittlerweile gehen die Jungen aufs Gymnasium. „Es steckt unheimlich viel Potenzial in den Kindern. Wir dürfen sie nicht zu Verlierern machen aufgrund der Situation, aus der sie kommen“, sagt er.

Angst vor der fremden Sprache verlieren

Ihre Angst vor der fremden Sprache können die Kinder auch in einem Chor verlieren. „Über das Singen kann man eine Sprache gut vermitteln“, ist sich Marita Dopatka vom Förderverein der Musikschule sicher. Leiter Eugen Kayser war schnell überzeugt, und nun singen die elf Kinder einmal die Woche gemeinsam. Nach den Herbstferien werden die Flüchtlingskinder gemeinsam mit den anderen Nichtschwimmern Schwimmen und im Reitverein den Umgang mit Pferden lernen. Die Kosten trägt der Lions Club. Gemeinsam wollen Lehrer und Ehrenamtler dafür sorgen, dass die Kinder sich wohlfühlen. Normalität sei der Schlüssel dazu, sagt Rentmeister, und Schule sei ein Teil dieser Normalität. „Denn die Kinder wissen: Wo Schule ist, ist Sicherheit und Frieden.“

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