Ein Fleck im Stadtbild macht mich wild!

06.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Kleinigkeiten können sehr wichtig sein. Beispielsweise ein klitzekleiner Buchstabe. Wenn Sie einen Taxifahrer bitten, Sie nach Runkel zu fahren, bringt er Sie in einen Ort an der Lahn. Ist der Mann jedoch schwerhörig, kann es passieren, dass Sie in Unkel landen. Das liegt am Rhein, ist auch recht schön, aber nicht ganz das Ziel, das Sie im Sinne hatten.

Ganze Welten liegen sogar manchmal dazwischen, wenn wir den Globus versetzen. Genauer gesagt: Ersetzen. Durch ein Wort, das nur vier Buchstaben hat. Das neue Wort erinnert an Atom.

So mikroskopisch klein ist die neue Bezeichnung zwar nicht, aber doch deutlich kürzer als der alte Name des Verbrauchermarkts. Was nicht tragisch wäre, wenn der Schildermaler mitgedacht hätte. Aber entweder hat man ihm nichts gesagt oder es gibt für «toom»- und «globus»-Schilder Euro-Normen wie für Bananen.

Nun haben wir den Salat - nicht nur in der Gemüseabteilung. Denn weil das alte Globus-Schild länger war als die neue toom-Tafel, umgibt die Aufschrift jetzt ein hässlicher grauer Fleck an der hellen Gebäudewand.

Mag sein, dass dies ein marktpsychologischer Trick ist. Wir gucken öfter hin, ärgern uns - und merken uns deshalb den neuen Namen. Womöglich wollten die toom-Leute sich auch nur der Umgebung anpassen - die benachbarte Würfel-Skulptur ist ja auch andauernd verunstaltet.

Zum ersten Mal im Leben wünscht sich selbst ein erklärter Bürokratie-Gegner wie ich als Gegengift einen passenden Paragraphen. Gibt's den nicht in der Gestaltungssatzung für unsere Innenstadt? Schaut genau hin! Da steht bestimmt im Kleingedruckten: «Verbrauchermärkte, die in bevorzugter Lage angesiedelt sind, müssen aus ihren Regalen Eimer mit passender Farbe besorgen und zielgerecht verwenden, falls sie ihren Namen ändern und sie sonst schäbige graue Flecken auf unser Stadtbild und unsere empfindsamen Seelen klecksen. Zuwiderhandlungen werden mit dem Ausschank von Freibier nicht unter 5000 Hektoliter bestraft!»

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